# taz.de -- Spannungen zwischen Kuba und USA: Ungewisser Showdown
       
       > Kubas Ölreserven sind aufgebraucht und die USA erhöhen den Druck. Der
       > CIA-Chef besucht Havanna und im Raum steht eine Anklage gegen Raúl
       > Castro.
       
 (IMG) Bild: CIA-Chef John Ratcliffe vergangene Woche mit kubanischen Gesprächspartnern. Zum Diktat?
       
       Es ist schwer, zuverlässig zu deuten, worauf die derzeit zunehmenden
       Spannungen zwischen den USA und Kuba nun hinauslaufen. Sicher scheint: Die
       letzten Ölreserven sind in Kuba inzwischen so gut wie aufgebraucht. Dazu
       zählen auch jene [1][aus dem russischen Tankschiff „Anatoly Kolodkin“], das
       die USA trotz seit Anfang Januar andauernder Blockade Ende März
       durchgelassen hatten.
       
       In der Folge geht auf Kuba nicht mehr viel. Nicht nur die landesweiten
       viele Stunden andauernden Stromausfälle belasten die Bevölkerung.
       Öffentlicher Transport, Lebensmittelversorgung, Bildungs- und
       Gesundheitswesen [2][leiden massiv].
       
       Vor zehn Tagen waren zwei US-amerikanische demokratische
       Kongressabgeordnete einige Tage auf Kuba und [3][berichteten anschließend]
       entsetzt über die sichtbaren Folgen des US-Ölembargos.
       
       In dieser Situation kommen von der US-Regierung unterschiedliche Signale.
       Am vergangenen Donnerstag [4][reiste CIA-Direktor John Ratcliffe nach
       Havanna] und traf sich zu Gesprächen mit Kubas Innenminister und hohen
       Führungskräften aus Geheimdienst- und Sicherheitskreisen. Was genau da
       besprochen wurde, bleibt unklar. In kubanischen Staatsmedien hieß es, die
       kubanische Seite habe deutlich gemacht, dass Kuba keinerlei
       Sicherheitsproblem für die USA darstelle. Das zielt auf die von der ersten
       Trump-Regierung erneut vorgenommene [5][Einstufung Kubas als „Terrorismus
       fördernder“ Staat,] womit sich ein weites Feld von Sanktionen begründet.
       
       ## Venezuela-Szenario in Kuba?
       
       Praktisch gleichzeitig meldeten US-Medien, die USA planten eine Anklage des
       greisen früheren Präsidenten Raúl Castro wegen der Verwicklung in
       Drogengeschäfte, vor allem aber wegen der [6][Abschusses zweier kleiner
       Zivilflugzeuge der exilkubanischen Organisation „Hermanos al Rescate“
       1996]. Kuba gab damals an, die Maschinen seien in den kubanischen Luftraum
       eingedrungen, die Organisation und die damalige US-Regierung unter Bill
       Clinton beharrten darauf, die Flugzeuge seien über internationalem
       Territorium abgeschossen worden.
       
       Allein das Szenario einer Anklage einer politischen Führungsfigur in den
       USA aber soll offenbar bewusst an das US-Vorgehen in Venezuela Anfang
       Januar erinnern. In einer blitzartigen US-Militäraktion war der damalige
       Präsident Nicolás Maduro abgesetzt und mit seiner Frau in die USA
       verschleppt worden. Seither regiert in Caracas die vormalige
       Vizepräsidentin – [7][mit dem Wohlwollen und im Sinne der Trump-Regierung].
       
       Ein ähnliches Szenario scheint in Kuba allerdings schwer vorstellbar – erst
       recht, wenn es nicht den wenig geschätzten derzeitigen Präsidenten Miguel
       Diaz-Canel betreffen sollte, sondern Raúl Castro – historischer
       Revolutionär, Bruder und Nachfolger des Máximo Lider Fidel Castro.
       
       Offenbar haben sowohl CIA-Direktor Ratcliffe als auch andere US-Vertreter
       in den letzten Wochen auch Gespräche mit Raúl Guillermo Rodríguez Castro,
       genannt Raulito und einflussreicher Enkel Raúl Castros, geführt. Das
       spricht kaum dafür, dass hier ein Deal im Stile von Caracas in Vorbereitung
       sein könnte.
       
       ## Forderungen statt Vorschläge
       
       Öffentlich geben sich die USA zunächst einmal bereit und willens, mit der
       kubanischen Führung zu verhandeln. Allerdings: Wenn sie ausgerechnet den
       CIA-Chef als Emissär schicken, dürfte es sich eher um ultimative
       Forderungen handeln als um Vorschläge. Die hießen öffentlich nur: Es müsse
       sich in Kuba etwas ändern, und zwar grundlegend. Genaueres blieb offen.
       
       Unterdessen verteilen die Behörden in Kuba Evakuierungs- und
       Mobilisierungspläne für die bevorstehende US-Militärintervention und
       verbreiten kämpferische Parolen zur Verteidigung der nationalen
       Souveränität. Sie klingen erkennbar hohl.
       
       17 May 2026
       
       ## LINKS
       
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