# taz.de -- Fußballbundesliga: Überall die Münchnerinnen
> Im deutschen Frauenfußball haben große Umbrüche stattgefunden. Andere,
> noch größere, stehen an. Eine Saisonbilanz.
(IMG) Bild: Deutschlands Fußball wird vom FC Bayern dominiert. Am Donnerstag gewann der Club auch das DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg
Die [1][Bundesliga] der Frauen startete 2025/26 erstmals mit vierzehn
Teams. Die Aufstockung sollte mehr Spielzeit zur Vermarktung bringen und
die zum Teil langen Spielplanpausen reduzieren. Die Ergebnisse sind
durchwachsen: Lange Unterbrechungen gab es durch die Uefa trotzdem und im
Winter ausgefallene Partien konnten zum Teil monatelang nicht neu angesetzt
werden. Außerdem überlagerte der Richtungsstreit zwischen Vereinen und DFB
vieles.
Sportlich setzte sich [2][Bayern München] nach anfänglicher
Eingewöhnungsphase unter Neutrainer [3][José Barcala] so deutlich ab wie
erwartet, war ab dem sechsten Spieltag Tabellenführer und vier Wochen vor
Schluss Meister. Statistisch bewegen sich die Münchenerinnen national in
einer eigenen Liga.
[4][Wolfsburg] rutschte nicht so stark ab wie gedacht, aber ob der aktuell
zementierte zweite Platz in Zukunft gehalten werden kann? Das
Gesamtkonstrukt ist in der Krise, mit Ralf Kellermann gehen der langjährige
Architekt des Erfolgs und erneut Leistungsträgerinnen, wie Vivien Endemann
und Lineth Beerensteyn.
Um Platz drei ist es enger geworden, aber so richtig scheint aus
Leverkusen, Hoffenheim und Frankfurt niemand in die Spitze vorstoßen zu
wollen, weil das noch größere Investitionen erfordern würde, allein um
eigene Leistungsträgerinnen wie Katharina Piljić oder Selina Cerci auch mal
zu halten. Bei Eintracht Frankfurt gehen mit Géraldine Reuteler, Nicole
Anyomi und Elisa Senß drei der wichtigsten Spielerinnen.
Der Konkurrenzkampf um Spielerinnen und Trainer:innen ist deutlich
gestiegen. Viele der aufstrebenden Frauenabteilungen der Lizenzvereine
existieren noch nicht lange genug, um durch ihre Nachwuchsprogramme zum
Personalpool im Fußball der Frauen beizutragen. Auch deswegen war die
Saison im Tabellenmittelfeld und im Abstiegskampf tatsächlich dichter als
in Vorjahren. So konnte sich Union Berlin mit ambitionierten Transfers
gleich ins Mittelfeld katapultieren, vermutlich versucht Aufsteiger VfB
Stuttgart bald ähnliches. Union knackte zudem als erster Klub überhaupt die
Marke von über 100.000 Stadionbesucher:innen in einer Saison.
Das internationale Abschneiden der Bundesligateams sieht auf dem Papier gut
aus: Bayern stand im Halbfinale der Champions League gegen Barcelona,
Wolfsburg im Viertelfinale gegen Lyon und Frankfurt im neuen Europa Cup im
Halbfinale gegen BK Häcken. Aber spätestens ab da wurde deutlich, dass zur
Spitze technisch und taktisch noch einiges fehlt, einen durchweg souveränen
Auftritt gab es nicht. Besonders das Abschneiden Frankfurts enttäuscht, der
erste Titel seit Übernahme des Spielrechts vom 1. FFC war möglich gewesen.
Die weitere Entwicklung hängt vom nachhaltigen Willen einzelner Vereine ab
sowie der strukturellen Organisation in der Liga, und die hängt aktuell
noch in der Luft. Gerade verhandeln DFB und der von den Klubs neu
gegründete Ligaverband FBL e. V. den Grundlagenvertrag, der ab 2027/28
gelten soll, bis dahin organisiert der DFB die Bundesliga weiter wie
gehabt. Der Vertrag regelt u. a. den eigenständigen [5][Spielbetrieb] durch
die FBL ab Sommer 2027 und das Recht zur Vergabe der dann auslaufenden
TV-Verträge. Verabschiedet werden muss das Ganze bei einer Einigung auf
einem außerordentlichen DFB-Bundestag in der zweiten Jahreshälfte.
Wahrscheinlich folgt auf die letzten beiden Übergangssaisons also
mindestens eine Dritte. Annika Becker
17 May 2026
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