# taz.de -- Regierungskrise in UK: Streeting macht den ersten Schritt
       
       > Wes Streeting tritt als Gesundheitsminister zurück. Es wird erwartet,
       > dass er nun Keir Starmer als Labourchef herausfordert.
       
 (IMG) Bild: Strategischer Rücktritt? Wes Streeting werden Ambitionen um den Labourvorsitz nachgesagt
       
       „Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes“, schreibt der britische
       nun Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting [1][am Donnerstag in einer langen
       Rücktrittserklärung], „sind Nationalisten in jeder Ecke des Vereinigten
       Königreichs an der Macht“. Der 43-Jährige warnte mit Blick auf [2][die
       Regionalwahlen in der vergangenen Woche] insbesondere vor einem
       „gefährlichen englischen Nationalismus“ von den Rechtspopulisten von Reform
       UK um Parteichef Nigel Farage. Und Labourchef und Premierminister Keir
       Starmer, so Streeting, sei nicht in der Lage, dem Rassismus mit einer
       überzeugenden politischen Idee zu begegnen.
       
       Streetings Rücktritt, so wird im politischen London erwartet, könnte
       lediglich ein erster Schritt sein, um danach Starmer um den Vorsitz der
       Labourpartei herausfordern zu können. Mit dem Posten des Parteichefs ist
       auch der des Premierministers verbunden. Streeting, der seinen Wahlkreis in
       Ilford North in Ostlondon hat, braucht 80 Labourabgeordete – 20 Prozent der
       Fraktion –, um Starmer in einer Urabstimmung herausfordern zu können. Auch
       andere Kandidat:innen könnten sich dann zur Wahl aufstellen lassen.
       Offiziell sagte Streeting am Donnerstag lediglich, die Partei brauche jetzt
       einen „Kampf der Ideen“ mit den „bestmöglichen Kandidaten“.
       
       Streeting wird schon lange als potenzieller zukünftiger Parteiführer
       gehandelt. Nicht allen sagt Streeting zu, da er ein starker Gegenspieler
       des einst populären [3][Ex-Labour-Chefs Jeremy Corbyn] war, der unter
       anderem mit seiner Pro-Palästina-Haltung polarisiert hat.
       
       Streeting hat ein Geschichtsstudium an der renommierten Cambridge
       University absolviert – doch er betont selbst gerne seine Herkunft aus der
       Arbeiterklasse. Er wuchs in prekären Verhältnissen in Ostlondon auf. Seine
       Mutter war 18, sein Vater 17, als er auf die Welt kam. Beide trennten sich
       gleich danach, kümmerten sich aber weiter gemeinsam um das Kind. Ein
       Großvater soll sehr belesen gewesen sein, saß aber wegen Raubdelikten oft
       hinter Gittern. Streetings Großmutter mütterlicherseits war eine
       sozialistische Aktivistin und machte ebenfalls Bekanntschaft mit dem
       Gefängnis. Sein Großvater väterlicherseits war hingegen ein Veteran des
       Zweiten Weltkriegs und klassischer Tory-Wähler aus dem Arbeitermilieu.
       
       ## Wortegewandt, selbstbewusst, ambitioniert
       
       Streeting ist praktizierender Anglikaner und lebt offen schwul. Sein
       langjähriger Partner Joe Dancey ist ebenfalls Labourpolitiker. Streetings
       Auftreten ist wortgewandt, selbstbewusst und ambitioniert. Jahrelang war er
       in der Studentenvertretung tätig, zunächst in Cambridge, später als
       Präsident der National Student Union. Später war er bei der
       LGBTQ+-Organisation Stonewall aktiv. Transaktivist:innen kritisieren
       ihn dafür, dass er nur das biologische Geschlecht anerkenne.
       
       2021 wurde Streeting Labourbeauftragter für Gesundheit. Persönlich erlitt
       er einen Schicksalsschlag, als er beinahe zeitgleich zu seinem Amtsantritt
       mit Nierenkrebs diagnostiziert wurde. Ein operativer Eingriff entfernte das
       Geschwür erfolgreich und so wurde er 2024 Gesundheitsminister unter Keir
       Starmer, vor allem mit dem Auftrag, die Wartelisten für Behandlungen im
       nationalen Gesundheitssystems herunterzuschrauben.
       
       Sollte Streeting Starmer herausforden, wäre das nicht ungefährlich für ihn.
       2024 lagen zwischen ihm und der unabhängigen Pro-Gaza-Kandidatin Leanne
       Mohamad in seinem Wahlbezirk bei den Parlamentswahlen nur 528 Stimmen.
       Sicher war sein Einzug ins Unterhaus also nicht. Zudem ist da sein früherer
       Kontakt zu Peter Mandelson, der als ehemaliger britischer Botschafter in
       den USA in [4][den Skandal um die Epstein-Akten] verwickelt ist. Streeting
       und Mandelson waren politische Weggefährten.
       
       14 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bbc.com/news/live/cwy21gpr1kzt?post=asset%3Aeb2d011b-9432-43a0-82f5-3daac5d5c2d0
 (DIR) [2] /Britische-Kommunal--und-Regionalwahlen/!6177671
 (DIR) [3] /Neue-Linkspartei-in-Grossbritannien/!6133624
 (DIR) [4] /Mandelson-Affaere-in-Grossbritannien/!6172691
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Keir Starmer
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Labour
 (DIR) Reform UK
 (DIR) Wahlen in Großbritannien
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Wahlen in Großbritannien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Machtkampf in der Labour-Partei: Warm-up im Nachfolgekampf
       
       Andy Burnham will bei einer Nachwahl ins Parlament einziehen – um dann Keir
       Starmer als Parteichef und Premier abzulösen. Der Partei droht ein
       Flügelkampf.
       
 (DIR) Regierungskrise in Großbritannien: Augen zu und durch
       
       Premier Keir Starmer kündigt in seiner Regierungserklärung einen riesigen
       Haufen Vorhaben an. Derweil bringen sich seine Labour-Gegner in Stellung.
       
 (DIR) Nach Kommunalwahl in Großbritannien: Premier Starmer auf dem Drahtseil
       
       Der britische Regierungschef versucht mit einer Grundsatzrede den
       Befreiungsschlag nach dem Wahldebakel der vergangenen Woche. Es gelingt nur
       so halb.
       
 (DIR) Britische Kommunal- und Regionalwahlen: Labour verliert an rechts und an links
       
       Reform UK und Grüne sind die großen Gewinner der Kommunalwahlen in England.
       In Wales übernehmen die Nationalisten die Macht.