# taz.de -- Kollektiv über Projektraum: „Das Herzstück ist die Sammelstelle für konstruktive Kritik“
       
       > In der Altstadt Hannovers eröffnet, wo es früher Bilderrahmen gab, am
       > Freitag der Laden „Zur guten Absicht“. Auch kritische Gäste sind
       > willkommen.
       
 (IMG) Bild: Galerie für Utopien: „Zur guten Absicht“ in Hannovers Altstadt
       
       taz: Wir sitzen hier in einem Ladenlokal [1][mitten in der Altstadt] von
       Hannover, das heißt „Zur guten Absicht“. Was soll das sein? 
       
       Cameo Kollektiv: Eine Einladung! An alle Menschen, die gute Absichten haben
       und die hier vorbeikommen möchten. Gute Absichten bedeutet für uns:
       [2][Gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir Gesellschaft gestalten] können.
       Also unsere Kommune, unsere Stadt weiterdenken. Und dafür sammeln wir
       Ideen, Beobachtungen oder Beschwerden, die wir „wertschätzende Kritik“
       nennen.
       
       taz: Habt ihr so etwas schon einmal gemacht? 
       
       Cameo Kollektiv: Ja, [3][das Cameo Kollektiv gibt es schon seit zehn
       Jahren]. Bisher waren wir mit unseren Projekten aber ortsunabhängig, immer
       mal wieder woanders zu Gast oder haben Interventionen im öffentlichen Raum
       gestaltet. Jetzt haben wir zum ersten Mal einen Raum.
       
       taz: Und wie kriegt man die Menschen mit den guten Absichten hierher? 
       
       Cameo Kollektiv: Bei der Gestaltung haben wir uns an das angelehnt, was es
       hier schon gibt, was Menschen gewohnt sind und kennen, um die Hemmschwelle
       möglichst niedrig zu halten. Es gibt eine Art Café- und Aufenthaltsbereich,
       in dem man gratis Tee oder Wasser bekommt. Hier gibt es auch eine Vitrine
       mit Kunstwerken aus den Partnerstädten, die man anschauen und erwerben
       kann.
       
       taz: Damit lockt ihr also. Und dann? 
       
       Cameo Kollektiv: Dann hoffen wir darauf, dass sich Menschen eingeladen
       fühlen und vorbeischauen. Im Raum hinter dem Ladenlokal findet sich das
       Herzstück: die „Sammelstelle für wertschätzende Kritik“, außerdem eine Art
       kleines Museum mit inspirierenden Vorbildern und eine Bibliothek, in der
       sieben Hannoveraner*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen per
       Audioguide ihre Lieblingsbücher präsentieren. Also Bücher, die ihre Sicht
       auf Gesellschaft geprägt oder verändert haben.
       
       taz: Damit sollen sich die Besucher*innen aber sicher nicht ganz allein
       beschäftigen, oder? 
       
       Cameo Kollektiv: Nein, hier werden dann auch Veranstaltungen stattfinden,
       die Bezug nehmen auf die Themen, die Menschen über die Sammelstelle
       einbringen – also zum Beispiel Vorträge, Lesungen, Diskussionen oder
       Kinoabende. Wenn der Laden zu hat, kann dieser Raum auch von anderen
       Vereinen, Gruppen oder Initiativen genutzt werden.
       
       taz: Wie seid ihr darauf gekommen? 
       
       Cameo Kollektiv: Das geht zurück auf Ideen, die wir in unserem „Büro für
       wertschätzende Kritik“ in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade 2022 gesammelt
       haben. Da hatten wir für zwei Wochen so eine Art Pop-up-Galerie, als
       Zwischennutzung in einem leer stehenden Ladenlokal. Da gab es viele, die
       meinten, es müsste mehr [4][Räume ohne Konsumzwang in der Innenstadt] geben
       oder eine Art „Haus des Engagements“ oder ein „Haus der Begegnungen“.
       
       taz: Habt ihr euch Gedanken darum gemacht, wie ihr diesen Raum vor Menschen
       mit schlechten Absichten und destruktiver Kritik schützen wollt? 
       
       Cameo Kollektiv: Der Raum ist offen, damit ist er auch offen für Menschen
       oder Begegnungen, die manche vielleicht als unangenehm empfinden. Wir
       tolerieren aber kein menschenverachtendes Verhalten. Grundsätzlich sind
       Störungen ja auch super – nur so können wir uns weiterentwickeln. Wir
       möchten auch destruktive Menschen ernst nehmen und ihnen zuhören. Ob daraus
       etwas entsteht, womit man weiterarbeiten kann, steht dann auf einem anderen
       Blatt.
       
       taz: Und wie finanziert sich das Ganze? 
       
       Cameo Kollektiv: Wir bekommen eine Förderung durch die Stadt und den
       Bezirksrat. Bei der Einrichtung haben uns private Spender und Sponsoren
       sowie Stiftungen geholfen. Außerdem haben wir ein Crowdfunding gemacht.
       Damit ist das Projekt für zwei Jahre weitgehend abgesichert. Und dann
       werden wir sehen. Natürlich hoffen wir, dass es sich irgendwann selbst
       trägt und so unabhängig wie nur möglich wird.
       
       21 May 2026
       
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