# taz.de -- Duell um Platz vier in der Bundesliga: Flüssig und flott
> Mit dem Sieg gegen Bayer Leverkusen macht der VfB Stuttgart einen
> weiteren Schritt Richtung Champions League. Es war ein begeisternder
> Auftritt.
(IMG) Bild: Oberwasser: Stuttgarts Ermedin Demirovic im Zweikampf mit Edmond Tapsoba
Robert Andrich gehörte noch nie zu den Spielern, bei dessen Aussagen man
sich als neutraler Zuhörer langweilen musste. Doch was der Leverkusener
Kapitän am Sonntag von sich gab, war gleich doppelt spannend. Zum einen als
kollektive Kasteiung mit der Neunschwänzigen.
Und zum anderen als vollkommen korrekte Zusammenfassung eines einseitigen
Fußballspiels, das seine Leverkusener gerade mit 1:3 in Stuttgart verloren
hatten: „Es war von allen zu wenig. Wir sind über 90 Minuten nicht
ansatzweise da hingekommen, dass wir Stuttgart schlagen konnten“, sagte
Andrich also. Und: „Heute war ein Sinnbild unserer Saison. Sobald es eng
und brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen.“
So und nicht anders war es an diesem Samstagnachmittag zu beobachten
gewesen, an dessen Ende aus dem Dreikampf um den vierten
Champions-League-Rang ein Zweikampf geworden ist. Leverkusen tut jedenfalls
gut daran, nach diesem 1:3 für die kommende Spielzeit mit der Europa League
zu planen, während Hoffenheim und Stuttgart am kommenden Samstag unter sich
ausmachen, wer neben RB Leipzig, den Bayern und dem BVB künftig in der
Königsklasse antritt.
Dabei hatte es eigentlich gut angefangen für Leverkusen, das nach wenigen
Sekunden durch Aleix Garcia in Führung ging. Danach kam allerdings nicht
mehr viel von den behäbigen Gästen. Die trafen allerdings zu allem Unglück
auch noch auf eine Stuttgarter Elf, die nicht in ihrer für diese Saison
beachtlich guten Normalform spielte – sondern noch besser.
Flüssig und flott liefen die Kombinationen, und allein der entfesselte
Ermedin Demirovic hätte vier, fünf weitere Tore schießen können. Zum frühen
Ausgleich reichte es dennoch für den Bosnier (5.), dem Trainer Sebastian
Hoeneß entgegen seinen Gewohnheiten ein Sonderlob zuteil werden ließ: „Medo
hat ein überragendes Spiel gemacht, hat gearbeitet wie eine Wildsau und war
in allen Aspekten des Spiels top.“
Maximilian Mittelstädt (45.+7) per Elfmeter und Deniz Undav mit energisch
eingesprungenem Außenrist-Kick (58.) besorgten den Rest, nachdem Chris
Führich, Jamie Leweling und vor allem Angelo Stiller eine andere Sportart
betrieben hatten als die seltsam sediert wirkenden Gäste mit ihren tapsigen
Verteidigern Jarell Quansah und Edmond Tapsoba, den sein Trainer Kaspar
Hjulmand erstaunlicherweise nicht auswechselte.
In einer Konstellation, in der drei punktgleiche Mannschaften auf Sieg
spielen mussten, weil sie die Gewissheit einte, dass Platz fünf heuer nicht
für die Champions League reicht, hatte Stuttgart genau das getan.
Leverkusen hingegen untermauerte eindrucksvoll den Eindruck der vergangenen
Monate: Fußballerisch, in Sachen Spielwitz und Tempo, klafft eine Lücke
zwischen den Rheinländern einerseits und Hoffenheim sowie Stuttgart
andererseits.
Und es klafft eine noch viel größere zwischen dem Leverkusen der Gegenwart
und [1][dem unter Xabi Alonso]. Komfortabler hat es da der VfB, [2][der
vergangene Woche in Hoffenheim] einen glücklichen Punkt holte, aber im
Kraichgau zu keiner Phase des Spiels so unterlegen war wie Leverkusen am
Samstag das ganze Spiel über. „Besser kann es heute nicht laufen. Es war
genau das, was wir gebraucht haben“, sagte dann auch ein bestens gelaunter
Deniz Undav, der mittlerweile in eigener Sache so ausdrucksstark nichts
sagt („Ich weiß, was sie an mir haben und was ich an ihnen habe“), dass man
sich eine Vertragsverlängerung glatt vorstellen könnte.
Zu den Spielern, denen Trainer Hoeneß attestierte, sie seien „über sich
hinausgewachsen“, zählte Undav jedenfalls ebenso wie die meisten anderen
Feldspieler. Nur Keeper Alexander Nübel entzog sich jeder Beobachtung.
Leverkusen wollte einfach nichts mehr von ihm.
Der VfB sollte nun am kommenden Samstag in Frankfurt tunlichst nicht
verlieren, um Leverkusen (zu Hause gegen den HSV) nicht doch noch
herankommen zu lassen. Wirklich hilfreich wäre indes nur ein Sieg,
ansonsten könnte Hoffenheim mit einem simplen Dreier in Mönchengladbach
noch am VfB vorbeiziehen.
Angesichts von so viel potenzieller Dramatik am kommenden Spieltag
überraschte es dann auch ein wenig, dass die Cannstatter Kurve bei den
Feierlichkeiten nach dem Spiel schon zwei Wochen vorausdachte – und mit dem
Wunsch, man möge [3][den Bayern die Lederhosen ausziehen], den Pokalsieg
einforderte.
Ob er eine ähnliche Prioritätensetzung wie seine Fankurve habe und den
Pokalsieg dem Liga-Erfolg vorziehe, wurde Hoeneß daraufhin gefragt. Und war
angemessen irritiert: „Warum muss ich mich jetzt festlegen? Verstehe ich
nicht.“ Selbstredend wolle man beide Finalspiele, das in Frankfurt und das
in Berlin, gewinnen.
10 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Christoph Ruf
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