# taz.de -- Duell um die Champions-League-Quali: Einfach ein gutes Fußballspiel
       
       > Nach dem höchst ansehnlichen 3:3 zwischen Hoffenheim und Stuttgart
       > schwärmen alle Beteiligten. Ach, wären doch alle Spiele in der Liga so
       > schön!
       
 (IMG) Bild: Auslöser der Stuttgarter Fan-Ekstase: Tiago Tomas trifft spät zum 3:3
       
       Der Mann des Tages war am Samstag eigentlich längst identifiziert, da brach
       die sechste und letzte Minute der Nachspielzeit an und die Ereignisse
       überschlugen sich. Beim VfB Stuttgart, dezimiert nach einer roten Karte für
       Atakan Karazor, schlug Lorenz Assignon einen langen Ball in den Strafraum.
       Der landete über die Brust von Deniz Undav, den Fuß von Angelo Stiller und
       die schnelle linke Hand von TSG-Keeper Oliver Baumann bei Tiago Tomas, der
       nur noch abstauben musste, um 8.000 Stuttgart-Fans in totale Ekstase zu
       versetzen. 3:3 lautete plötzlich der Endstand in einem Spiel, das man zuvor
       als vorentscheidendes im Kampf um Platz vier ausgemacht hatte – und damit
       um die Champions-League-Teilnahme in der kommenden Saison.
       
       Den behält nun der VfB Stuttgart, nachdem es 95 Minuten zuvor so ausgesehen
       hatte, als ob die enorm starken Hoffenheimer die Schwaben an diesem 32.
       Spieltag hinter sich lassen könnten. Verdient wäre das allemal gewesen. Nun
       aber musste sich TSG-Trainer Christian Ilzer das Ergebnis gekonnt
       schönreden: „Ich jubele lieber in zwei Wochen, als ich heute gejubelt
       hätte.“ Auch sein Kollege Sebastian Hoeneß, knapp einer fatalen Niederlage
       entkommen, dachte voraus: „Ich hoffe, dass dieser Warnschuss noch eine
       Weile nachhallt.“
       
       Für Fußballfans, die Spiele nicht aus Loyalität zu einem Verein, sondern
       aus Vernarrtheit in die Sportart an sich schauen, war dieses 3:3 hingegen
       einfach nur ein seltener Genuss. Noch auf dem Spielfeld versicherten sich
       deshalb beide Trainer, dass das „gerade das kleine [1][PSG gegen Bayern]“
       gewesen sei. „Vom Unterhaltungswert her“, wie Ilzer bei der PK präzisierte.
       
       Aber durchaus auch von einem fußballerischen Ansatz her, wie man ihn im
       weltweit gepriesenen Champions-League-Halbfinale auch deshalb so gerne sah,
       weil er in der vom [2][Gegenpressing] verseuchten Bundesliga zunehmend auf
       den Index gerät. Hin und her ging es über die gesamte Spieldauer, beide
       Teams setzten konsequent auf fußballerische Mittel und das Ziel, möglichst
       viele Tore zustande zu bekommen.
       
       ## Attraktiver Fußball
       
       [3][Ein schönes Kontrastprogramm] in einer Branche, in der seit Jahren
       geradezu stolz getönt wird, wie erfolgreich man 90 Minuten lang Fußball
       verhindert, sorry „hinten nichts zugelassen“ habe. Wer die Tabelle
       durchgeht, und sich fragt, wer außer den Bayern noch für attraktiven
       Fußball steht, landet zwangsläufig beim VfB – und bei Hoffenheim, das am
       Samstag vom gegnerischen Trainer Sebastian Hoeneß in höchsten Tönen gelobt
       wurde: „Sie spielen mit Power und Intensität, aber auch mit einer guten
       Idee. Hier entsteht etwas sehr Gutes.“
       
       Sein eigenes Team, bei dem Chris Führich (20.) und Ermedin Demirovic (64.)
       die weiteren Tore erzielten, ließ dem Gegner hingegen zuweilen zu viel
       Platz im Mittelfeld und gab sich auch in der Zweikampfführung etwas
       schwergängiger als an den vielen besseren Tage in dieser Saison. Hätte
       Hoffenheim seine vielen Chancen allein in der Schlussphase ein bisschen
       weniger schludrig ausgespielt, die Partie hätte auch 6:3 enden können.
       
       Der Wendepunkt war dann bizarrerweise der Platzverweis für Kapitän Karazor,
       der nach einem unabsichtlichen, aber eben brutalen Foul an Fisnik Asllani
       vom Feld musste. Denn nun verdoppelte der VfB seine Anstrengungen und
       konnte die Partie tatsächlich zu zehnt noch wenden. Auch, weil Keeper
       Alexander Nübel einen guten Tag erwischte und von Fabian Wohlgemuth
       genüsslich ins Nationalmannschaftstor gelobt wurde.
       
       Es stehe ihm zwar nicht zu, die Leistung von dessen Konkurrenten Oliver
       Baumann zu bewerten, sagte der Stuttgarter Sportvorstand – und tat das dann
       natürlich doch: „Aber ich glaube schon, dass der Winkel sehr spitz war.“
       Tatsächlich hatte Baumann beim ersten Stuttgarter Treffer durch Führich das
       kurze Eck nicht abgedichtet. Nübel hingegen hatte Wohlgemuth „unglaublich“
       gefunden: „Er hat sich definitiv in eine gute Position für die WM
       gebracht.“
       
       Wäre eine Minute vorher abgepfiffen worden, hätte allerdings Hoffenheim in
       Andrej Kramaric den Protagonisten des Spiels in seinen Reihen gehabt.
       Dessen Vertragsverlängerung war wenige Minuten vor dem Anpfiff auf der
       Videoleinwand bekanntgegeben worden. Der 34-Jährige, der jetzt schon zwei
       Drittel seiner Karriere bei der TSG verbracht hat, schoss in dem vielleicht
       wichtigsten Spiel dieser Saison erneut zwei Treffer (7./49.), mit denen er
       es schon wieder auf 14 Saisontore bringt. Doch davon sprach nach dem
       Schlusspfiff kaum einer der 30.150 Zuschauer – das Spiel war einfach zu gut
       gewesen.
       
       3 May 2026
       
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