# taz.de -- Alkoholverbot an Bahnhöfen: Therapieangebote erhöhen
       
       > An Berliner Bahnhöfen ist der Konsum alkoholischer Getränke ab sofort
       > verboten. Ein Verbot hilft Alkoholikern nicht. Man muss sich um sie
       > kümmern.
       
 (IMG) Bild: Was ist los am Bahnhof Zoo?
       
       Christian Specht, Jahrgang 1969, ist politisch engagiert und setzt sich für
       mehr Mitwirkungsmöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigung in den
       Medien ein. Seit 2017 ist er der erste Mensch mit Beeinträchtigung im
       Vorstand der Lebenshilfe. Er hat ein Büro in der taz und zeichnet
       (un)regelmäßig den „Specht der Woche“. 
       
       Dieses Mal geht es um Bahnhöfe. Denn am Bahnhof Zoo in Berlin und am
       Ostbahnhof [1][dürfen Menschen seit Mai keinen Alkohol] mehr trinken. Ich
       glaube, besonders Leute mit Alkoholproblem sollen sich da nicht mehr
       aufhalten.
       
       Sie werden von Menschen, die dort arbeiten, aufgefordert zu gehen. Ich habe
       gehört, [2][dass manche Leute es gut finden], dass jetzt etwas gegen die
       Situation am Bahnhof Zoo unternommen wird. Aber wo sollen die Menschen denn
       da hin?
       
       Besonders die Menschen, die kein Zuhause haben. Sie einfach wegzuschicken,
       damit ist es nicht getan. Sie werden dann einfach an Bushaltestellen gehen
       oder woanders hin, und da werden sie weitertrinken.
       
       Die Frage ist doch: Warum trinken sie überhaupt? Haben sie ihren Job
       verloren? Wurden sie aus ihrer Wohnung geschmissen? Haben sie gerade eine
       Trennung? Das müsste man sie fragen.
       
       Und dann könnte man Hilfsangebote machen. Und man müsste das
       Therapieangebot erhöhen. Klar, manche Menschen mit Alkoholproblemen wollen
       sowas nicht annehmen, aber andere schon.
       
       Das Problem ist, dass man bei vielen Hilfsangeboten auch gar nicht rein
       darf, wenn man gerade getrunken hat, oder wenn man dort trinken will. Das
       ist ein Problem. Ich glaube, wenn ich alkoholkranken Menschen verbieten
       will, dass sie trinken, dann wird es für sie manchmal nur noch schlimmer.
       
       Vielleicht brauchen wir einen Ort, an dem Menschen trinken können, ohne
       dass es ein Problem ist. Wo sie auch sein können, wenn es regnet oder kalt
       ist. Protokoll: Johannes Drosdowski
       
       10 May 2026
       
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