# taz.de -- 1800 Stellen fallen weg: Biontech stoppt Corona-Impfstoffproduktion in Deutschland
       
       > Das Mainzer Unternehmen Biontech schließt seine Werke in Marburg,
       > Idar-Oberstein, Tübingen und ‌Singapur. Pfizer übernimmt die
       > Covid-Impfstoffproduktion komplett.
       
 (IMG) Bild: Die Nachfrage nach Corona-Impfungen wie von Biontech sinkt
       
       rtr | Nur wenige Wochen nach dem angekündigten [1][Rückzug des
       Gründer-Ehepaars] zieht BioNTech einen radikalen Schlussstrich unter die
       Corona-Ära: Das Mainzer Biotechunternehmen stellt seine
       Corona-Impfstoffproduktion in Deutschland ein, schließt fast alle
       heimischen Produktionsstandorte und streicht bis zu 1860 Stellen. Die
       Covid-Impfstoffherstellung wird komplett an den US-Partner Pfizer
       übertragen.
       
       „Im Laufe des Jahres werden wir die letzten Chargen hier in Deutschland
       herstellen“, sagte eine BioNTech-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters
       am Dienstag. Im Zuge des Umbaus schließt das Unternehmen die Werke in
       Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie die Standorte des übernommenen
       Tübinger Rivalen CureVac. In Deutschland bleiben neben dem Hauptsitz in
       Mainz künftig nur noch die Bürostandorte Berlin ‌und München erhalten.
       
       ## Vier Standorte fallen weg
       
       Die Schließungen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Für die
       betroffenen Standorte werden Verkaufsoptionen geprüft, um den Stellenabbau
       möglichst abzufedern. Bereits im vergangenen Jahr hatte BioNTech einen
       Abbau von rund 950 bis 1350 Vollzeitkräften über die nächsten zwei Jahre
       angekündigt.
       
       Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen bereits verlassen haben, ist offen.
       Nun folgt der komplette Schnitt an den genannten Standorten, von dem
       insgesamt bis zu 1860 Arbeitsplätze betroffen sind. Rund 820 Stellen
       entfallen auf CureVac. In Marburg geht es um etwa 540 Stellen, in
       Idar-Oberstein um rund 440 und in Singapur um 60. [2][Weltweit zählte
       BioNTech] zuletzt rund 8400 Beschäftigte.
       
       ## Gesunkene Nachfrage nach Corona-Impfungen
       
       Mit dem radikalen Umbau reagiert BioNTech auf die deutlich gesunkene
       Nachfrage nach Corona-Impfungen nach dem Ende der Pandemie. Neben dem
       Wegfall der Corona-Impfstoffproduktion hätten zudem Zukäufe wie die
       Übernahme von CureVac und dem chinesischen Unternehmen Biotheus zu
       zusätzlichen Kapazitäten geführt, die nun gebündelt werden müssten, hieß
       es.
       
       Marburg und Idar-Oberstein gehörten zu den Standorten, die BioNTech während
       der Pandemie ‌stark ausbaute. Das Werk im hessischen Marburg hatte BioNTech
       vom Schweizer Pharmariesen Novartis übernommen und produzierte dort seit
       Anfang 2021 seinen Corona-Impfstoff. In der Folge entwickelte sich der
       Standort zu einer der größten Produktionsstätten für mRNA-Impfstoffe der
       Firma in Europa.
       
       ## Wachsende Onkologie-Pipeline
       
       Nach Abschluss der Restrukturierung rechnet BioNTech ab 2029 mit jährlichen
       Einsparungen von rund 500 Millionen Euro. Die frei werdenden ⁠Mittel sollen
       in die wachsende Onkologie-Pipeline fließen. Bis 2030 [3][will sich das
       Unternehmen zu einem führenden Anbieter in der Krebsmedizin entwickeln].
       Diesen Wandel wird der Konzern jedoch ohne seine prominenten Gründer Ugur
       Sahin und Özlem Türeci vollziehen.
       
       Im März hatten die beiden Wissenschaftler angekündigt, sich bis Ende 2026
       aus dem Vorstand zurückzuziehen, um ein neues Unternehmen für
       mRNA-Forschung zu gründen. Sahin ‌begründete den Schritt, der ‌an der Börse
       für erhebliche Unruhe gesorgt hatte, mit dem starken Fokus von BioNTech auf
       die späte klinische Entwicklung, der ⁠weniger Raum für frühe Forschung
       lasse.
       
       ## Umstellung belastet die Bilanz
       
       Der Weg vom reinen Corona-Impfstoffhersteller zum Krebs-Spezialisten
       belastet die Bilanz. Im ersten Quartal sank der Umsatz von BioNTech auf
       118,1 Millionen Euro von 182,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Unter
       dem Strich stand ein Nettoverlust von ‌531,9 Millionen Euro, verglichen mit
       einem Minus von 415,8 Millionen Euro vor Jahresfrist.
       
       Grund ‌dafür waren vor allem gestiegene Forschungs- und Entwicklungskosten
       für Krebsmedikamente, insbesondere für den Hoffnungsträger Pumitamig, für
       den in diesem Jahr fünf zusätzliche zulassungsrelevante Studien gestartet
       wurden. Für das Gesamtjahr rechnet BioNTech unverändert mit einem Umsatz
       zwischen zwei und 2,3 Milliarden Euro. Gestützt ‌wird der Konzern von einem
       Finanzpolster in Höhe von 16,8 Milliarden. ⁠Zudem kündigte BioNTech ein
       Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu ‌einer Milliarde Dollar an.
       
       5 May 2026
       
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