# taz.de -- Unicredit will Commerzbank schlucken: Italiener machen Ernst mit Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus
> Womöglich entscheidender Schritt der feindlichen Übernahme: Unicredit
> legt Commerzbank-Aktionären ein Angebot vor. Verdi fürchtet um 10.000
> Jobs.
(IMG) Bild: Fürchten um ihre Arbeitsplätze: Commerzbank-Mitarbeiter protestieren im Mai 2025 gegen Unicredit
Die italienische Großbank Unicredit macht Ernst mit ihrem
[1][Übernahmeversuch] der deutschen Commerzbank. Am Montagnachmittag
stimmten die Aktionäre der Unicredit der Ausgabe neuer Aktien im Wert von
6,7 Milliarden Euro zu, die den Besitzern von Commerzbankaktien zum Tausch
angeboten werden sollen.
Das italienische Geldhaus, im eigenen Land die zweitgrößte Bank, tritt
damit zum womöglich entscheidenden Schritt der im Kern feindlichen
[2][Übernahme] der Commerzbank an, die ihrerseits mit einer Bilanzsumme von
rund 590 Milliarden Euro (2025) und rund 39.000 Beschäftigten Deutschlands
zweitgrößte Privatbank ist.
Schon heute ist die Unicredit mit 29,99 Prozent der größte Anteilseigner
der Commerzbank, doch ihr erklärtes Ziel bleibt die komplette Übernahme des
Frankfurter Instituts, um so die Stellung des italienischen Geldhauses in
Deutschland, Österreich und Mittel-Osteuropa weiter auszubauen. Im Jahr
2005 hatte Unicredit bereits die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (HVB)
übernommen – damals eine freundschaftliche Übernahme per Aktientausch – und
so die bis dato größte grenzüberschreitende Bankenfusion vorgenommen.
Im Jahr 2024 begann die Attacke der Unicredit auf die Commerzbank. Es war
die deutsche [3][Bundesregierung], die dafür ungewollt mit einem
Aktienverkauf die Tür aufstieß. Denn in der globalen Finanzmarktkrise von
2008 hatte der Bund das schwer angeschlagene Institut mit über 16
Milliarden Euro Steuergeldern gerettet – und sich im Gegenzug 25 Prozent
der Aktien gesichert.
## Lindner hatte den Weg für Unicredit geebnet
Dieser Anteil sank bis 2017 wieder auf 17 Prozent, womit auch die
Sperrminorität des Bundes nicht mehr gegeben war. Im September 2024
beschloss dann der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP), ein
Paket von 4,5 Prozent der Aktien zu verkaufen – dieses Paket sicherte sich
in einer Überraschungsaktion wiederum die Unicredit, die seither nach der
entsprechenden Genehmigung der EU-Kommission ihren Anteil stetig weiter
ausbaute. Die Bundesregierung stoppte daraufhin den Verkauf ihrer
verbleibenden Anteile von 12 Prozent.
Unicredit will mit der angestrebten Übernahme nicht nur ihr regionales
Geschäft stärken. Ihr Chef Andrea Orcel argumentiert, dass es starker
europäischer Player bedürfe, um den Banken aus den USA und Asien die Stirn
zu bieten.
Ganz anders sieht das allerdings die geschlossene Abwehrfront, die sich in
Deutschland formiert hat: die Commerzbank selbst unter der Konzernchefin
Bettina Orlopp, die Bundesregierung und auch die Gewerkschaft Verdi. Orlopp
setzt erklärtermaßen auf die Verteidigung der Eigenständigkeit durch eine
weitere – auch per kräftigem Stellenabbau erreichte – Steigerung der
Ertragsfähigkeit der Frankfurter. Mit einer „exzellenten eigenständigen
Strategie“ sollten die Aktionäre bei der Stange gehalten werden.
Auch die Bundesregierung bleibt negativ. Laut einem Sprecher des
Bundesfinanzministeriums wäre „eine feindliche Übernahme – insbesondere mit
Blick auf eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank – nicht
akzeptabel“. Doch Möglichkeiten dagegenzuhalten hat Berlin mit seinem
relativ kleinen Anteil nicht.
„Wir werden uns mit allen Mitteln gegen eine Übernahme durch Unicredit
wehren“, sagte auch Verdi-Gewerkschaftssekretär und
Commerzbank-Aufsichtsrat Stefan Wittmann schon im September 2024. „Wir
wollen nicht das gleiche Schicksal erleiden wie die Hypo-Vereinsbank.“ Dort
hatte die Fusion mit Unicredit zu einem harten Schrumpfkurs geführt. Verdi
befürchtet im Fall einer Übernahme der Commerzbank den Verlust von mehr als
10.000 Arbeitsplätzen.
Jan Duscheck, Bundesfachgruppenleiter Bankgewerbe bei Verdi, sagte zur
Bild, „vor allem wären Tausende Stellen in den Zentralen in Frankfurt und
München betroffen sowie in den Servicegesellschaften“. Unicredit hält
dagegen: „Das Angebot zielt darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht
vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden und in den kommenden Wochen
einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu
fördern“, teilten die Mailänder mit. Es ist sehr fraglich, ob etwas wird
aus dem „konstruktiven Dialog“. Doch auch ohne ihn könnte es am Ende zur
Übernahme wider Willen kommen.
5 May 2026
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(DIR) Michael Braun
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