# taz.de -- Kauf der Commerzbank: Unicredit legt Übernahmeangebot vor
       
       > Die italienische Großbank will die Commerzbank übernehmen und hat jetzt
       > ein Angebot vorgelegt – trotz Widerstands aus Politik und Management.
       
 (IMG) Bild: Will nicht verkaufen: Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp
       
       dpa/reuters | Die italienische Großbank [1][Unicredit will die Commerzbank
       kaufen]. Sie legt den Aktionären der zweitgrößten deutschen Privatbank ein
       offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien der Commerzbank vor,
       wie die Unicredit in Mailand mitteilte.
       
       Unicredit ist bereits größter Anteilseigner bei der Commerzbank. Damit geht
       die Unicredit auf Konfrontationskurs mit dem Commerzbank-Management, den
       Arbeitnehmervertretern und der Bundesregierung, die eine Übernahme
       ablehnen.
       
       Das Angebot ziele darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene
       30-Prozent-Schwelle zu überwinden und „in den kommenden Wochen einen
       konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu
       fördern“, teilte das Institut weiter mit. Es werde erwartet, dass Unicredit
       eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent erreichen
       werde, „ohne die Kontrolle zu erlangen“.
       
       Das Umtauschverhältnis des Angebots werde in den kommenden Tagen
       festgelegt. Es werde erwartet, dass demnach die Eigner des Frankfurter
       Geldhauses 0,485 neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie
       erhalten, was einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem
       Aufschlag von 4 Prozent zum Schlusskurs am 13. März entspreche.
       
       Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden mit einer
       Angebotsfrist von vier Wochen. Für Mai soll dann eine außerordentliche
       Hauptversammlung einberufen werden, um die Zustimmung der Aktionäre
       einzuholen.
       
       Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits
       ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank.
       Konzernchef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit
       Privat- und Mittelstandskunden und argumentierte immer wieder, Europa
       brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken.
       
       ## Einstieg auf Umwegen
       
       Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes
       genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Die Unicredit
       baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als
       größten Commerzbank-Aktionär ab. Der Bund, der die Commerzbank in der
       globalen Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte,
       hält gut 12 Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen.
       [2][Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte betont], die Bundesregierung
       setze auf eine „starke und unabhängige Commerzbank“.
       
       Das Übernahmeangebot der Italiener kommt nicht überraschend: Schon im März
       2025 erhielt die Unicredit die Erlaubnis der Bankenaufsicht der
       Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Anteil auf knapp 30 Prozent
       aufzustocken. Auch das Bundeskartellamt gab grünes Licht.
       
       ## Verdi fürchtet großen Jobabbau
       
       Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat angesichts der Begehrlichkeiten der
       Unicredit die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln verteidigt.
       Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und
       verkündete trotz eines Rekordgewinns 2024 den [3][Abbau von rund 3.900
       Stellen, davon den Großteil in Deutschland]. Nach erneut starken Zahlen für
       2025 schraubte die Commerzbank erst kürzlich ihre Ziele nach oben. Orlopp
       setzte auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die
       Unicredit.
       
       Unicredit-Chef Orcel hielt unterdessen betont gelassen an seinen Plänen
       fest. Er betonte immer wieder, er sehe große Synergien zwischen der
       Commerzbank und der Mailänder Großbank. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet
       einen Kahlschlag bei der Commerzbank und verweist auf die Übernahme der HVB
       durch die Unicredit im Jahr 2005, die bei der Münchner Bank zu einem
       Schrumpfkurs führte.
       
       Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat zurückhaltend auf das
       Übernahmeangebot reagiert. „Wir werden die neue Situation ergebnisoffen
       ‌und verantwortungsvoll prüfen und bewerten“, teilte der CDU-Politiker am
       Montag mit. „Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische
       Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, gestärkt und nicht
       ‌geschwächt wird“, fügte er hinzu. Außerdem müssten in allen ⁠Gesprächen
       die Interessen der Mitarbeiter und der Kunden der Commerzbank, ein
       wichtiger Finanzierer ‌des Mittelstands, „angemessen ‌berücksichtigt“
       werden, ⁠betonte Rhein.
       
       16 Mar 2026
       
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