# taz.de -- Smart-Store-Kette fürs Landleben: Tante Enso will bis zu 36 Tegut-Filialen übernehmen
> Im ländlichen Raum sind Einkaufsmöglichkeiten rar. Ein Unternehmen mit
> genossenschaftlicher Basis schafft Abhilfe – und will nun noch wachsen.
(IMG) Bild: In Langenstein in Sachsen-Anhalt funktioniert das Tante-Enso-Konzept schon: Gründer Norbert Hegmann im Laden
„Tante Emma-Gefühl trifft auf modernen Handel“ – so beschreibt das
Unternehmen Enso mit Sitz in Bremen sein [1][Supermarktkonzept Tante Enso].
Knapp 90 der hybriden Filialen gibt es deutschlandweit bereits. Jetzt
möchte das Unternehmen, dessen Basis die Genossenschaft myEnso Teilhaber eG
ist, bis zu 36 Filialen der Marke Tegut übernehmen – vor allem auf dem
Land.
Im März hatte der Schweizer Handelskonzern Migros angekündigt, Deutschland
zu verlassen und seine Tegut-Geschäfte verkaufen zu wollen. Den Großteil
der Läden will offenbar Edeka übernehmen, auch Rewe und Aldi sind einigen
Standorten interessiert. Nun will auch Enso zuschlagen – mit einem anderen
Fokus als die großen Ketten.
„Wir haben uns als Tante Enso insbesondere um die kleineren Standorte
bemüht, die bei den übrigen Anbietern auf kein Interesse gestoßen sind“,
sagte Norbert Hegmann, Geschäftsführer von Tante Enso der taz. Damit halte
man die Versorgung für Kund*innen und Mitarbeiter*innen in diesen
Regionen aufrecht.
Die Enso-Filialen schaffen eine Einkaufsmöglichkeit in Gegenden, in denen
es sonst in einem Radius von mindestens fünf Kilometern keine gibt. Mit
einer sogenannten Tante-Enso-Karte können Kund*innen aus der Region rund
um die Uhr im Laden einkaufen. Zu bestimmten Zeiten sind die Läden mit
Personal besetzt, ansonsten funktioniert der [2][Einkauf über einen
Self-Checkout].
## Smart Stores schaffen soziale Treffpunkte
Voraussetzung für die Etablierung eines Tante-Enso-Ladens ist, dass ein
bestimmter Anteil der Menschen vor Ort Mitglied in der Genossenschaft wird,
dafür können sie vergünstigt einkaufen. Das Konzept wird angenommen. Als
Edeka etwa 2022 in der Gemeinde Lemgow im Landkreis Lüchow-Dannenberg die
Schotten dicht machte, war der nächste Supermarkt mit einem Schlag nur noch
für fahrtüchtige Autobesitzer*innen erreichbar – im elf Kilometer
entfernten Lüchow. Die Busverbindungen sind schlecht.
Seit Ende 2023 bietet ein Tante-Enso-Laden im Lemgower Stadtteil Schweskau
wieder eine Einkaufsmöglichkeit für die Menschen in der Region. „Die Idee
ist eigentlich ideal“, so Ulrich Haase-Mühler, Bürgermeister von Lemgow.
„Der Laden ist absolut wichtig. Und er hat alles, was du für den normalen
Gebrauch brauchst.“ Das hybride Konzept inklusive der dauernden
Öffnungszeiten finde bei den Bürger*innen Anklang. „Auch um zehn Uhr
abends ist der Laden voll“, erzählte Haase-Mühler der taz.
Ein Großteil der Filialen wird von Rewe beliefert. Doch neben den bekannten
Markenprodukten können in den Läden auch Bio- und regionale Produkte
gekauft werden. In Lemgow erweitern etwa Eier und Kartoffeln von der
stellvertretenden Bürgermeisterin das Angebot.
Gleichzeitig bietet der Tante-Enso-Laden im Dorf einen [3][sozialen
Treffpunkt]. Haase-Mühler berichtet, auf der von ihm selbst gebauten
Holzbank vor dem Laden träfen sich Menschen, um ein dort soeben erworbenes
Eis zu essen oder einen Kaffee zu trinken. Ab und an werde auch ein
„Enso-Grillen“ veranstaltet, bei dem das ganze Dorf zusammenkomme. Für eine
Gemeinde, in der es gar keine Gaststätten mehr gibt, ein echter Gewinn.
Laut Tante-Enso-Geschäftsführer Hegmann ist ein Vertrag mit Migros bereits
geschlossen. Die letzte Hürde ist nun eine Prüfung durch das Kartellamt.
„Wir sind im Vergleich ein kleiner Marktteilnehmer und erhöhen die Vielfalt
in der Lebensmittelbranche“, so Hegmann. Er gehe deshalb von einem
positiven Prüfungsergebnis aus.
6 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Evke Bakker
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