# taz.de -- Angst vor Blackouts: EU verbannt Solaranlagen-Technik aus China
> Blackout durch Photovoltaik aus Fernost? Die EU-Kommission stoppt die
> Förderung für sogenannte Wechselrichter. Die Branche ist überrascht.
(IMG) Bild: Technik, die besser nicht aus China kommt: Solaranlage in Brandenburg
Sie wandeln Gleichstrom in Wechselstrom um und sind wichtig für die
Energiewende: Sogenannte Wechselrichter sollen künftig nicht mehr aus
„Hochrisikoländern“ kommen. Künftig erhalten Energieprojekte keine
Fördergelder aus EU-Töpfen mehr, wenn sie Geräte von Herstellern einsetzen,
die unter der Kontrolle von China, Russland, Nordkorea oder dem Iran
stehen. Faktisch geht es bei diesem Plan der EU allerdings fast
ausschließlich um Wechselrichter aus China, vor allem von den Firmen Huawei
und Sungrow. Die Entscheidung steht im Kontext des [1][Cybersecurity] Acts,
mit dem europäische Produkte, Dienstleistungen und Prozesse
widerstandsfähiger gemacht werden sollen. Die [2][Maßnahmen] sind eine
[3][Reaktion auf die Zunahme von Cyberangriffen sowie die wachsende Sorge
vor ausländischer Einmischung, Spionage und der Abhängigkeit Europas von
Technologielieferanten aus Drittländern].
Das Problem: Die Wechselrichter – etwa von Solarstromanlagen, die den
Gleichstrom der Module in netzkompatiblen Wechselstrom umwandeln – verfügen
über eine Kommunikationsschnittstelle. Über diese können Hersteller
Software-Updates aufspielen oder Hacker könnten sich Zugang zu den Anlagen
verschaffen und die Stromerzeugung in einer konzertierten Aktion
abschalten.
Neben Solar-Wechselrichtern umfasst die Leitlinie der EU auch vergleichbare
Produkte in anderen Einsatzbereichen, etwa Wechselrichter von
Batteriespeichern, Umrichter in Windkraftanlagen und ebenso die
Leistungselektronik in Wärmepumpen, in Ladestationen für Elektrofahrzeuge
sowie weitere Wechselrichteranwendungen im Stromnetz.
Die deutsche Solarbranche zeigte sich nach den Meldungen aus Brüssel
überrumpelt: „Weder der Bundesverband Solarwirtschaft noch unser
europäischer Schwesterverband SolarPower Europe waren in die
Entscheidungsfindung der EU-Kommission eingebunden“, sagt Carsten Körnig,
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar).
## Europäische Hersteller könnten profitieren
Auch über die Anzahl der tatsächlich tangierten Projekte ist wenig bekannt.
Man habe bisher keine Kenntnis davon, dass Mitglieder des eigenen Verbandes
von den Brüsseler Beschlüssen betroffen sind, so Körnig. Aktuell soll es
lediglich um solche Projekte gehen, die von Institutionen wie der
Europäischen Investitionsbank (EIB), der Europäischen Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung (EBRD) und dem Europäischen Investitionsfonds (EIF)
finanziell gefördert werden.
Die EU-Kommission sieht eine Übergangsregelung vor. Vorhaben, die bereits
begonnen wurden, sollen nur dann noch durch die EU gefördert werden, wenn
sie bis zum 1. Mai bei der Kommission gemeldet wurden und bis zum 1.
November zur Entscheidung vorgelegt werden.
Der BSW Solar weist außerdem darauf hin, dass sich aus dem Beschluss der
EU-Kommission „keine Vorgabe für den Umgang mit nationalen Fördergeldern,
etwa der Einspeisevergütung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes
(EEG)“ ergebe. Eine Anfrage, ob es in der Bundesregierung Bestrebungen
gebe, auch nationale Förderprogramme wie das EEG so auszurichten, dass
chinesische Wechselrichter nicht mehr gefördert werden, ließ das
Bundeswirtschaftsministerium zunächst unbeantwortet.
Europäische Hersteller setzen bereits darauf, dass sie von dem Vorstoß der
EU profitieren werden. Der in Österreich ansässige
Wechselrichter-Hersteller Fronius teilte mit, er begrüße „die Entscheidung
der Europäischen Kommission ausdrücklich“. Dieser erste Schritt sende „ein
wichtiges Signal, dass Energie- und Versorgungssicherheit in Europa ernst
genommen werden“.
## Mehr Autonomie Europas ist möglich
Die aktuelle Maßnahme betreffe zunächst vor allem große
Freiflächenprojekte, erklärt das Unternehmen. Wichtig sei, dass jetzt die
Mitgliedsstaaten die Maßnahmen der Kommission auch für kleinere Projekte
umsetzen.
Schließlich wird der Ausbau der Photovoltaik in Europa stark von
dezentralen Anlagen getragen: Im privaten und industriellen Segment würden
jährlich rund 40 Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu installiert, rechnet
Fronius vor. Diese Anlagen seien „tief in Gebäude, Verteilnetze und
Energiemanagementsysteme eingebunden“ und leisteten „einen zentralen
Beitrag zur europäischen Versorgungssicherheit“.
Grundsätzlich sei mehr Autonomie Europas in dem Bereich möglich, betont
Fronius. Die gesamte europäische Solarindustrie könne ihre
Fertigungskapazitäten auch im Bereich von kleineren und mittleren
PV-Anlagen „innerhalb kürzester Zeit hochfahren und damit den Bedarf in der
EU decken“.
5 May 2026
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(DIR) Bernward Janzing
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