# taz.de -- Kritik an Ditib-Moschee in Hamburg: Und wieder ein Einzelfall
       
       > Eine Hamburger Ditib-Moschee will Jubiläum feiern – und lädt Islamisten
       > als Redner ein. Doch billige Empörung über den Fall hilft auch nicht
       > weiter.
       
 (IMG) Bild: Hat zum Jubiläum problematische Gäste eingeladen: Ditib-Kocatepe-Camii-Moschee in Bergedorf
       
       Es ist wie der Autounfall: Man will nicht hinschauen – und kann doch nicht
       wegsehen, wie die Hamburger Kocatepe-Camii-Moscheegemeinde und mit ihr der
       Landesverband Ditib da agiert, seit vor zwei Wochen die ersten Vorwürfe
       gegen ihr geplantes Jubiläumsfest laut wurden.
       
       Mitte Mai feiert die Gemeinde im Bezirk Bergedorf ihren 40sten Geburtstag;
       ein mehrtägiges, großes Fest auf dem öffentlichen Frascatiplatz soll da
       begangen werden mit Tausenden Besucher:innen. Hüpfburgen für Kinder werden
       aufgebaut, diverse Essensstände – und auch eine Bühne für islamistische
       Prediger.
       
       „Hamasverherrlichung und Judenhass“ kritisierte zu Recht die Bergedorfer
       FDP, weil die Ditib-Gemeinde geplant hatte, Bünyamin Topçuoğlu und Mustafa
       Özcan Güneşdoğdu auftreten zu lassen. Der Autor Eren Güvercin hatte darauf
       hingewiesen, was für Äußerungen die beiden in der Vergangenheit getätigt
       hatten: Ersterer, ein hochrangiger [1][Vertreter der türkischen
       Religionsbehörde Diyanet,] nannte etwa einen früheren Hamas-Chef einen
       „Märtyrer“ und stellte im Zuge des 7. Oktober das Existenzrecht Israels
       infrage.
       
       Der Zweite, Güneşdoğdu, ist ein in Hannover suspendierter Prediger, der
       Hamas-Vertreter auch schon als „Helden“ bezeichnete und ebenso widerliche
       Äußerungen nach dem 7. Oktober von sich gab.
       
       ## Glaubwürdigkeit verloren
       
       Es dauerte ein bisschen, ehe über Umwege bekannt wurde, dass beide Redner
       von der Liste gestrichen wurden. „Die Gemeinde hat in der Zwischenzeit in
       einem internen Prozess mit dem Ditib-Landesverband die Veranstaltung
       überprüft und mitgeteilt, dass die zwei genannten Personen nicht teilnehmen
       werden“, teilte das Bergedorfer Bezirksamt dem Hamburger Abendblatt mit.
       Auch zwei weitere geplante Redner sollen mittlerweile nicht mehr eingeplant
       sein.
       
       Natürlich aber ist die Geschichte nun nicht zu Ende: Denn während der
       Ditib-Landesverband noch eine „Aufarbeitungskommission“ als
       Beruhigungspille versprach, stehen nun auch die zwei verbliebenen Redner im
       Fokus: Auch ihnen wird vorgeworfen, in sozialen Netzwerken antisemitische
       Inhalte geteilt und islamistische Terroristen gefeiert zu haben.
       
       Für Güvercin, [2][der sich schon länger kritisch mit dem aus der Türkei
       gelenkten Islamverband Ditib auseinandersetzt,] ist denn auch an seinem
       Hamburger Landesverband kaum mehr etwas glaubwürdig. Er sei ja schließlich
       „trotz einer ‚Aufarbeitungskommission‘ selbst nicht in der Lage, dafür zu
       sorgen, dass keine Antisemiten und Terrorverherrlicher eine Bühne in
       Hamburg bekommen“.
       
       Dass die Glaubwürdigkeit damit erst einmal weg ist, kann ja durchaus
       bedauern, wer kein [3][rassistischer Islamfeind sein] will. Wegen solcher
       Einzelaktionen verallgemeinernd nach einem staatlichen Veranstaltungsverbot
       zu rufen, wie es die FDP tut, ist jedenfalls arg billig.
       
       Bloß: „Statt aufzuklären, lavierte die Ditib rum, verstrickte sich in
       Widersprüche und distanzierte sich eilig von der Geisteshaltung“,
       [4][urteilte die Zeit einmal bei einem ähnlichen Vorfall,] der sich vor
       drei Jahren in einem Kölner Ditib-Saal abspielte. Die Bewertung hat auch im
       heutigen Fall ihre Gültigkeit. Statt sich also über jeden neuen Einzelfall
       zu empören, wäre es wichtiger, das strukturelle Problem eines Verbandes zu
       erkennen, für den der Glaube ein politisches Instrument ist.
       
       5 May 2026
       
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