# taz.de -- Coachin über das Neinsagen: „Ich kann elegant Nein sagen“
> Gerade Frauen fällt es oft schwer, Nein zu sagen. Warum das nicht nur
> etwas Schlechtes ist und wie es doch klappt, erklärt Coachin Caroline
> Koerber.
(IMG) Bild: Das Nein im Zentrum feministischer Kämpfe: Flinta auf der Take-Back-The-Night-Demo in Hamburg 2024
taz: Frau Koerber, in Ihrem Workshop geht es ums Neinsagen. Können Sie das
gut?
Caroline Koerber: Heute besser als früher. Tatsächlich helfen mir die
Strategien, die ich anderen Menschen vermittle. Ich wende sie täglich an.
Inzwischen kann ich [1][wirklich elegant Nein sagen].
taz: Früher war das anders?
Koerber: Ja. Ich gehörte zu den Menschen, denen das Ja leichter fällt als
das Nein.
taz: Warum fällt es uns oft schwer, Nein zu sagen?
Koerber: Die Gründe dafür sind erst einmal gute: Wir sind gut erzogen, wir
sind hilfsbereit. Wir möchten nicht anecken, nicht ausgegrenzt werden. Wir
[2][Frauen sind auch noch stärker darin sozialisiert, die eigenen
Bedürfnisse zurückzustecken]. In der Erziehung bekommen wir oft vermittelt:
Uns geht es gut, wenn es den anderen gut geht. Aus einer erwachsenen reifen
Haltung heraus lohnt es sich aber, diese Annahme auf den Prüfstand zu
stellen: dass wir Ja sagen müssen, um all das zu erreichen.
taz: Was braucht es dafür?
Koerber: Wir sollten zuerst lernen, wo unsere Triggerpunkte sind. Worauf
springen wir an, wenn wir eigentlich gar nicht wollen? Zum Beispiel, wenn
die andere Person mit einem Kompliment startet. „Keine kann das so wie du.“
Oder wenn man überrumpelt und mit Zeitdruck konfrontiert wird. Oder
emotionaler Druck genutzt wird, klassischerweise in der Partnerschaft.
„Wenn du nicht mitkommst, dann …“
taz: Was haben wir denn davon, wenn wir [3][einfach Ja sagen, obwohl wir
etwas gar nicht wollen]?
Koerber: Anerkennung. Das ist die Währung des Deals. Anerkennung,
Verbundenheit, Zugehörigkeit, Liebe.
taz: Und was sind negative Folgen?
Koerber: Wir geben gleichzeitig etwas auf: Selbstfürsorge, die eigenen
Bedürfnisse. Vielleicht möchte ich heute einfach nicht mit Freundinnen los,
obwohl ich zugesagt habe. Wir verlieren Zeit für uns selbst. Und
langfristig verlieren wir auch die Fähigkeit, unsere Bedürfnisse überhaupt
zu spüren. Eine weitere Steigerung ist, dass wir körperlich spüren, dass
etwas nicht stimmt. Wir schlafen schlecht, nachts zwischen zwei und vier
Uhr fällt uns alles ein, was noch zu erledigen ist. Oder Rückenschmerzen,
Magenschmerzen, Erschöpfung.
taz: Wie ist das für die anderen, wenn ich immer Ja sage?
Koerber: Das ist unterschiedlich. Manche könnten denken, dass sie die
Person ausnutzen können. Oder dass sie kein Standing hat. Bei
Führungskräften gilt zudem: Wenn ich immer übernehme – typisch für viele
Führungskräfte –, erziehe ich mein Team quasi zur Hilflosigkeit.
taz: Sie sprachen von „elegant Nein sagen“. Was sind elegante
Formulierungen?
Koerber: Die wichtigste Strategie ist erst mal: Verschaff dir Zeit.
Antworte nicht sofort. Eine passende Formulierung dafür wäre: „Ich
überprüfe das und melde mich gleich bei dir.“ Dann gibt es die
Ja-und-Nein-Strategie: „Ich verstehe, wie wichtig das ist – und zugleich
kann ich das nicht übernehmen.“ Ich sende damit eine Botschaft, die auf der
Beziehungsebene Ja sagt. Der zweite Teil – wichtig: „und“ statt „aber“
verwenden! – ist das dann das Nein. Noch ein letztes Beispiel: Die
Unter-meinen-Bedingungen-Strategie. „Ich kann das übernehmen, heute nicht,
Donnerstag gerne.“
taz: Ist der Workshop für alle Geschlechter oder nur für Frauen?
Koerber: Für alle. Mir begegnen natürlich auch Männer, die das Problem
haben. Ihr Motiv ist eher: Verantwortung alleine schultern – was
beispielsweise darin resultiert, ständig erreichbar sein zu wollen.
taz: Welche Tipps haben Sie noch auf Lager?
Koerber: Wie gesagt, Zeit verschaffen – und den Impuls unterdrücken, ein
Problem sofort lösen zu wollen. Stell lieber eine Rückfrage an dein
Gegenüber: „Wie könntest du es anders lösen, wenn ich es nicht machen
kann?“ Wenn jemand trainieren will, gesunde Grenzen aufzubauen, empfehle
ich Folgendes: Erstens darauf achten, was innerlich abläuft, worauf ich
anspringe. Zweitens eigene Bedürfnisse feststellen. Und drittens, wenn es
ums Neinsagen geht: nicht mit den großen Lebensthemen anfangen, sondern mit
kleinen Dingen im Alltag.
18 May 2026
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