# taz.de -- GEW über Polizei auf dem Schulhof: „Keine dauerhafte Lösung“
       
       > Seit Monaten debattiert Rheinland-Pfalz über mehr Polizei an Schulen.
       > Christiane Herz von der GEW darüber, was hilft und was populistische
       > Forderungen sind.
       
 (IMG) Bild: Deutschlands angeblich „gefährlichste“ Realschule: Die Karolina-Burger-Realschule Plus in Ludwigshafen war Wahlkampf-Thema
       
       taz: Frau Herz, das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz hat im Januar
       ein Maßnahmenpaket beschlossen: Es sollte mehr Polizei an sogenannten
       Brennpunktschulen geben. Zuvor hatte es an der Karolina-Burger-Realschule
       Plus in Ludwigshafen einen Amokalarm gegeben, außerdem sprühte ein Schüler
       Reizgas und SchülerInnen lösten mehrmals den Feueralarm aus. Bis Ostern war
       die Polizei täglich auf dem Schulgelände. Hat es diese Maßnahme gebraucht?
       
       Christiane Herz: Vorübergehend haben wir als GEW in Rheinland-Pfalz
       (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, d. Red.) das begrüßt, um die
       Situation zu beruhigen und damit sich alle Menschen an der Schule zunächst
       sicherer fühlen.
       
       taz: Auch die Polizei selbst hat sich damals kritisch geäußert: Sicherheit
       ließe sich nicht verordnen. Laut Bildungsministerium wirken die Maßnahmen
       jedoch: Die Lage an der Schule habe sich aktuell beruhigt.
       
       Herz: Es stimmt, die Situation hat sich beruhigt. Man kann aber nicht genau
       sagen, welche Maßnahmen dazu geführt haben. Es kam neben der Polizei auch
       mehr Personal an die Schule. Das war zwar immer noch nicht genug, aber so
       hat man auch die Schulsozialarbeit gestärkt. Es fanden dann mehr Gespräche
       zwischen MitschülerInnen und [1][Lehrkräften] statt. Das hat auch eine
       präventive Wirkung.
       
       taz: Wie wirkt sich Polizeipräsenz auf SchülerInnen und das Lernklima aus? 
       
       Herz: Wenn es eine ständige Präsenz ist, wirkt sich das natürlich aus. Es
       entsteht das Gefühl, hier ist etwas nicht in Ordnung. In Akutfällen macht
       das aber durchaus auch Sinn, damit sichtbar ist: Hier ist kein rechtsfreier
       Raum, es gibt Regeln, an die man sich zu halten hat. Perspektivisch halten
       wir als GEW den Einsatz von sogenannten KontaktbeamtInnen für sinnvoll. Die
       sind nicht uniformiert und kommen als dauerhafte Ansprechpersonen an die
       Schulen.
       
       taz: Der Wahlkampf drehte sich fast ausschließlich um die
       Karolina-Burger-Realschule Plus in Ludwigshafen. Es hieß jedoch, auch an
       anderen Schulen gäbe es ähnliche Vorfälle. Auf Anfrage der taz konnte das
       Ministerium keine weiteren [2][Schulen mit Polizeipräsenz] nennen. Wie
       schätzen Sie die gesamte Lage in Rheinland-Pfalz ein? 
       
       Herz: Ein weiterer Fall, bei dem täglich Polizei vor Ort war, ist mir nicht
       bekannt. Es gibt aber durchaus weitere überlastete Schulen, meist in
       Städten mit sozialen Problemen. Das gilt auch für Ludwigshafen: Die Stadt
       ist finanziell nicht gut aufgestellt, dennoch hätte sie sich früher darum
       kümmern müssen, in welchen Stadtvierteln die Leute mit ihren Problemen
       alleingelassen sind. Das wirkt sich nämlich auch auf die Schulen aus. Und
       auch als Schulträger hat die Stadt Ludwigshafen jahrzehntelang nicht
       angemessen reagiert: Man hätte viel früher überlegen sollen, ob eine
       Ganztagsschule mit Konzept für Sozialarbeit und einem präventiven Programm
       nicht besser gewesen wäre. Gleichzeitig gibt es sehr viele Schulen, an
       denen eine wunderbare Atmosphäre herrscht. Auch über solche Schulen sollten
       wir sprechen.
       
       taz: Künftig sollen weiter Polizeikräfte anlasslos, in unregelmäßigen
       Abständen an der Karolina-Burger-Schule präsent sein. Ist das richtig? 
       
       Herz: Es ist keine dauerhafte Lösung, aber aktuell finde ich das richtig.
       
       taz: Das Bildungsministerium geht nach 35 Jahren erstmals an die CDU. Im
       Wahlkampf forderte der zukünftige CDU-Ministerpräsident Gordon Schnieder,
       falls nötig flächendeckend Polizei an Realschulen. Plus Rucksäcke sollen
       nach Böllern und Messern durchsucht werden, zudem solle es Videoüberwachung
       geben. Im Koalitionsvertrag steht nichts dazu. War das also alles nur
       Wahlkampf? 
       
       Herz: Ich bin dafür, Missstände aufzudecken. Aber vor der Wahl so massiv
       vereinzelte Beispiele vorzubringen, um den Druck zu erhöhen, ist
       populistisch. Wir können nicht an allen Schulen ständig Polizeipräsenz
       haben und anlasslos Rucksäcke durchsuchen, das war Wahlkampfgetöse und es
       ist Unsinn, so etwas zu fordern. Wir haben Probleme an den Schulen in
       Rheinland-Pfalz, das ist überhaupt nicht die Frage. Es ist für uns als GEW
       schwer gewesen, da eine Balance zu finden. Wir wollten unsere Kritik
       anbringen, ohne gleichzeitig das Bild zu bedienen, dass es an den
       Realschulen Plus im gesamten Land drunter und drüber geht – das ist einfach
       nicht richtig gewesen.
       
       taz: Was erwarten Sie von dem Wechsel im Bildungsministerium? 
       
       Herz: Im Koalitionsvertrag stehen durchaus Dinge, über die wir uns freuen.
       Zum Beispiel, dass die Besoldungsstufe A13 jetzt auch für
       Grundschullehrkräfte kommt. Bisher galt die nur für Lehrkräfte an
       weiterführenden Schulen. Sonst ist der Vertrag noch recht unkonkret. Wir
       wissen noch nicht, wer der neue Bildungsminister oder Bildungsministerin
       wird. Was wir aber sehr bedauern, ist, dass die CDU wohl die Integrierten
       Gesamtschulen nicht in ihrer bisherigen Konzeption weiter unterstützt. Das
       gegliederte Schulsystem wird sie hingegen stärken. Für die Inklusion in
       Rheinland-Pfalz ist das ein Rückschritt.
       
       5 May 2026
       
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