# taz.de -- Berlin, wie es singt und lacht: Kichern auf Kommando
> Zum Weltlachtag treffen sich auch in Berlin Menschen zum gemeinsamen
> Lachen – und entdecken dabei, wie ansteckend das wirklich ist.
(IMG) Bild: Warum lacht der Affe? Weil er gekitzelt wird
Ein Freund, gewöhnlich eher sarkastisch unterwegs, reagiert erwartbar, als
ihm in der Reha [1][Lachyoga] empfohlen wird. Er hebt eine Augenbraue,
murmelt etwas von „Kommando-Lachen“ und „Zwerchfel-Drill“ und sortiert das
Ganze innerlich unter gut gemeinte Esoterik ein. Die Welt, so seine
Haltung, liefert genügend Anlass zur Ironie. Künstliche Heiterkeit braucht
es nicht auch noch.
Am Abend nach dem Yoga dann eine ungewohnte Szene. Er wirkt irritiert, fast
ein bisschen aus der Spur. Kein Spott, kein zynischer Kommentar.
Stattdessen: Es funktioniert. Irgendwann, zwischen Klatschen und Atmen,
kippt etwas. Aus dem bloßen Geräusch wird tatsächlich Lachen.
Am Sonntag war wieder Weltlachtag, ein Event, das 1998 vom indischen Arzt
[2][Madan Kataria] ins Leben gerufen wurde. Auch in Berlin verabreden sich
an diesem Tag seit einigen Jahren Menschen – immer am ersten Sonntag im Mai
– zum gemeinsamen Lachen: vor der Amerika-Gedenkbibliothek, auf dem
Tempelhofer Feld und an anderen Orten der Stadt. Organisiert wird es von
der Initiative „Hauptstadt lacht“, die Trainerinnen und Trainer vernetzt,
Veranstaltungen bündelt und sogar ein Lachtelefon betreibt. Ein Angebot,
das erstaunlich gut angenommen wird – auch wenn es vielen zunächst absurd
erscheinen mag.
## Man muss es nicht verstehen
Denn die Vorstellung hält sich hartnäckig: Lachen lasse sich nicht einfach
herstellen. Es sei mehr als eine körperliche Reaktion, eher eine Weise, auf
die Welt zu reagieren – auf Bedeutungen, Brüche, Entlastungen. Etwas, das
man zuerst verstehen muss, bevor es passiert.
Die Forschung zeigt allerdings, dass Lachen lange zu eng gedacht wurde. Es
hat eine starke soziale Dynamik. Es steckt an. In Gegenwart anderer wird
häufiger gelacht, und oft ist das Lachen selbst der Auslöser für weiteres
Lachen. Der Anlass ist zweitrangig. Diese Mechanik ist alt: [3][Primaten
zeigen lachähnliche Laute im Spiel], Ratten geben hohe Zwitschergeräusche
von sich, wenn sie gekitzelt werden – und ohne dabei arrogant wirken zu
wollen, darf davon ausgegangen werden, dass ihnen die feinen Unterschiede
zwischen Flachwitz und Ironie dabei durchaus egal sind.
Vielleicht beginnen Veranstaltungen wie der Weltlachtag tatsächlich mit
einem gewissen Zwang. Man steht im Kreis, klatscht, produziert blöde Laute,
die zunächst leer wirken. Doch erfahrungsgemäß kippt die Situation
wirklich. Aus der Übung wird Chaos. Man hört die anderen, sieht ihre
Reaktionen – und plötzlich entsteht etwas, das sich nicht mehr künstlich
anfühlt. Der zynische Freund würde vermutlich sagen: ein System, das sich
selbst entzündet.
Dahinter steht eine einfache Einsicht: Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Er braucht das Gegenüber, das gemeinsame Jetzt – möglichst ohne das laut
gestellte Handy in der Hosentasche. Lachen ist dabei weniger Ergebnis
kluger Gespräche als ein Mittel, Verbindung herzustellen. Vielleicht
bräuchte es tatsächlich mehr Weltlachtage als einen im Jahr. Gerade in
Zeiten, in denen sich vieles verhärtet, wirkt gemeinsames Lachen fast
lächerlich schlicht. Man sollte es ernster nehmen.
3 May 2026
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