# taz.de -- Bayer München und ein beleidigter Merz: Social Media vs. Kanzler
> Haben die Bayern etwa gut gespielt? Muss Kulturminister Weimer doch
> gehen? Wie viel Witz ist im Internet erlaubt? Antworten auf die
> drängendsten Fragen.
(IMG) Bild: Großes Kino: Wie nun digitale Medien Merz dissen, weil er sich darüber beschwert hat, dass digitale Medien Merz dissen
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?
Friedrich Küppersbusch: [1][Trump droht mit Abzug.]
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Keiner erschrickt.
taz: Friedrich Merz sagte in einem Spiegel-Interview, er müsse mehr
ertragen als jeder andere Kanzler zuvor. Zeigt er hier seine sensible
Seite?
Küppersbusch: Großes Kino: Wie nun digitale Medien Merz dissen, weil er
sich darüber beschwert hat, dass digitale Medien Merz dissen. Doch
tatsächlich klingt der Jahrespraktikant im Kanzleramt inzwischen öfters wie
ein überlautes Selbstgespräch: Es sei „eine Illusion, zu glauben …
handstreichartig Reformen beschließen zu können“; der „Chor der Kritiker“
sei „keine Überraschung“. Unschwer zu erraten, wer da Illusionen hatte und
überrascht wurde. Merz muss schnell viel lernen, seine Fortschritte
verkauft er als nationalen Gemeinschaftskundeunterricht. Als die vorige
Regierung kaputtgeschrieben wurde, war er eines der nützlichsten Werkzeuge
in den Händen derer, die jetzt seine Regierung noch schneller zerhassen.
Mählich erhellen sich ihm diese Zusammenhänge, noch stets pardauzt unser
staksiges Füllen in den Eimer mit den falschen Formulierungen. Könnte man
gleichgültig oder mit Häme kommentieren, weil´s seine letzte Chance zu sein
scheint. Dummerweise ist er auch unsere.
taz: Das Champions-League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und dem FC
Bayern soll die beste Fußballpartie aller Zeiten gewesen sein. Haben Sie
zugesehen?
Küppersbusch: Einfache Faustregel: Entweder es war wirklich großartig oder
der FC Bayern war beteiligt. Beides zusammen schaff ich emotional nicht.
Also nein.
taz: Donald Trump will sein Abbild in limitierte US-Pässe drucken. Welches
Gesicht sollte in deutsche Pässe?
Küppersbusch: Die Bundespräsidenten hatten früher ein gewohnheitsmäßiges
Recht, auf Briefmarken zu staatsvatern. Das endete bei ca. Gustav Heinemann
1974 und allerhand „Den kann man mal am“-Scherzen. Gerade dieser
„Bürgerpräsident“ war maximal ungeeignet für Untertänigkeitsbekundungen.
Mit etwas Humor könnte die Restpost eine leere Marke drucken mit der
kleinen Unterzeile „Erste Bundespräsidentin“, würde bei Sammlern sicher
gern genommen. Aber auch das versaut uns ja wahrscheinlich mal wieder die
CSU. Danke, Frau Aigner!
taz: Ein Gericht entschied, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die
Betreiber der Buchhandlung „Zur schwankenden Weltkugel“ nicht als
politische Extremisten bezeichnen darf. Wann kommt sein Rücktritt?
Küppersbusch: Vielleicht ist es ganz gut, wenn man die lose Kanone Weimer
noch ein bisschen durch das höchst delikate Feld zwischen Kunst und Politik
dilettieren lässt, um herauszufinden, wie man das strukturell besser
aufstellen kann. Egal, welche Amateure dem nach ihm vorstehen.
Arbeitstitel: „Der Knabe im Moor“. Deutscher Klassiker.
taz: Die [2][„Zeit“ sucht nach frischen Köpfen,] die Merz und Lindner toll
finden. Brauchen wir etwa mehr konservative Medien?
Küppersbusch: Man war verführt zu denken, die seien alle schon da.
Konsequent wäre der Stellenausschreibungs-Zusatz „bei gleicher
Qualifikation werden Männer bevorzugt“ – denn die Kohorte 18–25-jähriger
Jungs bevorzugte bei den letzten Wahlen FDP, Union und AfD. „Zeit für echte
Männer“ wär doch hübsch. Auch im Fernsehen kann man eine Welle erkennen,
„überhörte Stimmen lauter zu drehen“, etwa Klar (NDR und BR), Fleischhauer
(ZDF), Ronzheimer (Sat1), Die 100 (ARD). Die dann allesamt bevorzugt über
Migration, Kriminalität, Gender und Sozialbetrug reden – da hatte man
bisher noch nie von gehört. Das ist kein Mangel, sondern ein Modeartikel.
Die ÖRR mögen ein schlechtes Gewissen haben gegenüber rechter
Zahlkundschaft – oder schlicht Druck von Vertretern rechter Parteien in
ihren Gremien. Die „Zeit“ hingegen prahlte just mit der „höchsten
Abo-Auflage seit Gründung“ und ihr ist offenbar einfach so mal nach ein
bisschen Drall-Krawall. Das gefährliche und übrigens rechts derzeit sehr
verbreitete Narrativ ist, Journalisten nach ihrer Privatmeinung zu
schubladisieren und damit das Handwerk zu negieren. Da gibt´s nur
Journalisten mit der erwünschten oder der unerwünschten Meinung – aber
keine Journalisten. Merz loben, Lindner feiern – es ist ein schmutziger
Job, doch jemand muss es machen. Am besten Profis, die morgen genau
andersrum auch können.
taz: Die Zucker- und Tabaksteuer werden Genussmittel verteuern. Welche
Spaßsteuer kommt als Nächstes?
Küppersbusch: Ist steuerfreies Cannabis da nicht eine Gerechtigkeitslücke?
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Dritte Niederlage hintereinander, dann auch noch eine
1:6-Klatsche, Tschüss Aufstiegsplatz, wer setzt einen Zehner gegen eine
Trainerbedatte?
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und hält dagegen.
Fragen: Viktoria Isfort, cat
3 May 2026
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