# taz.de -- Sasbacher Sonnentage: Wie ein Bauplatzprotest die Solarwende vorantrieb
> 1975 besetzten Demonstrierende den Bauplatz für ein geplantes
> Atomkraftwerk. Aus dem Protest entstand eine der größten Solarmessen der
> Welt.
(IMG) Bild: Solarpionier Werner Mildebrath präsentierte 1976 in Sasbach seine selbstgebaute Solaranlage
Einfach nur „Nein sagen“, das war natürlich zu wenig. In Whyl, im tiefen
Südwesten der Bundesrepublik sollten 1975 zwei Reaktorblöcke der
1.300-Megawatt-Klasse gebaut werden. Der Protest gegen das neue
Atomkraftwerk lief unter dem Slogan „Nai hämmer gsait“. Von Februar bis
November des Jahres 1975 [1][hielten Demonstranten den Bauplatz besetzt].
Doch angesichts des Arguments von Baden-Württembergs Ministerpräsident Hans
Filbinger (CDU), dass ohne das AKW „die Lichter ausgehen“ würden, mussten
auch Alternativen her.
Und so fanden vor 50 Jahren, Ende Mai 1976, in der Gemeinde Sasbach die
„Sonnentage“ statt, die deutschlandweit erste Ausstellung für erneuerbare
Energien. „Ich hab’ dort zum ersten Mal eine Solaranlage gesehen“, sagt
Axel Mayer, einer der Bauplatzbesetzer. Der Tüftler Werner Mildebrath, der
ein kleines dörfliches Elektrogeschäft in Sasbach betrieb, hatte diese
Anlage gebaut, „so solide, dass sie heute immer noch funktioniert“, sagt
Mayer.
1976 gab es Windradmodelle zu bestaunen, Solarthermie, Energiespartechnik
und Vorträge über die Endlichkeit der Rohstoffe. „In einem wurde behauptet,
dass der Liter Benzin einmal zwei Mark kosten werde“, erinnert sich der
damalige Lehrling des Vermessungswesens. Mehr als 12.000 Besucher kamen zu
den ersten Sasbacher Sonnentagen.
Im Jahr darauf wurden diese wiederholt. Und 1978 dann noch einmal. Da
allerdings platzte das Ausstellungsgelände schon aus den Nähten. „Wir
entschlossen uns, die Ausstellung auf das Messegelände nach Freiburg zu
verlegen“, sagt Mayer, der aus seinem Protest einen Beruf gemacht hat: 30
Jahre lang war er Geschäftsführer des BUND in Freiburg. [2][Radio
Dreyeckland], das älteste nicht kommerzielle Radio Deutschlands, hat er
1977 mitbegründet.
[3][Der Anti-AKW-Protest der Bauplatzbesetzer in Whyl war am Ende
erfolgreich.] Und aus den „Sonnentagen“ ist mittlerweile die weltweit
führende Fachmesse für die Solarwirtschaft Intersolar geworden. Die
technologische Entwicklung bei den erneuerbaren Energien ist derart rasant,
dass die Messe rund um den Globus wandert: Im Juni lädt sie auf das
Messegelände nach München, im August folgt São Paulo, dann zeigen
Aussteller Anfang September in Texas und in Dubai ihre Neuheiten, bevor im
März 2027 das indische Gandhinagar folgt.
„Noch im Jahr 1993 behauptete die Stromwirtschaft, dass regenerative
Energien in Deutschland auch langfristig nicht mehr als vier Prozent
unseres Strombedarfs decken können“, erinnert sich Mayer. Tatsächlich sind
es heute fast zwei Drittel.
Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt hat mal gesagt: „Wer Visionen hat,
soll zum Arzt gehen.“ Ohne die Vision der damaligen Solarpioniere wäre die
Klimakrise heute nicht mehr abzumildern: Die Photovoltaik liefert
mittlerweile den billigsten Strom, weshalb weltweit investiert wird.
Atomstrom dagegen ist weltweit der teuerste.
18 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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