# taz.de -- Krimi aus der Thatcher-Ära: Die Stärke der Schwachen
> Undercover gegen Heroinhandel und Thatcherismus: „Legends“ zeigt keine
> Actionhelden, sondern gewöhnliche Menschen, die an ihrem Job fast
> zerbrechen.
(IMG) Bild: Margaret Thatcher, bevor sie zur eisernen Lady wurde
Was ist stark, was ist schwach? Die Mutter des Glasgower Bosses Declan
[1][in der Serie „Legends“] sagt zu ihrem Sohn, als sich die Dinge final
zuspitzen: „Dein Vater trank, weil er schwach war. Und als ich ihm sagte,
dass er schwach sei, trank er noch mehr. Aber es war mir egal. Weil ich
dich hatte. Und ich konnte sehen, dass du anders warst. Ich konnte sehen,
dass du nie schwach sein würdest. Nicht, wenn es drauf ankam. Du hast es
weit gebracht, Declan. Und es ist mir egal, wie du es geschafft hast. Mir
ist nur wichtig, dass du es jetzt nicht wegwirfst.“
Der Monolog der Mutter ist nur einer der schauspielerischen Höhepunkte in
dieser [2][außergewöhnlichen Serie] über die frühen britischen 1990er
Jahre, die davon erzählt, wie ausgerechnet der britische Zoll im Auftrag
der Thatcher-Regierung die Heroinschwemme stoppen soll.
Nicht, weil das Land an ihr kaputtgeht; sondern weil ein Krieg, auch und
gerade ein „Krieg gegen die Drogen“, sehr gut davon ablenkt, was die
Politik Thatchers dem Land antut.
Der Zoll ist eine schwache, bürokratische Behörde, Extramittel gibt es
keine. Aber wenn er es nicht schafft, wenn er den Job nicht übernimmt, wird
ihm die Zuständigkeit entzogen. Das will kein Chef. Und so wird ein
Auswahlverfahren durchgeführt, das Menschen anspricht, die im dumpfen
Behördenalltag nicht aufgehört haben, einen Sinn zu suchen, den Thrill, der
einen sich lebendig fühlen lässt. Sie gehen undercover, lernen Legenden,
„Legends“ eben, auswendig, Lebensläufe, mit denen sie sich im kriminellen
Milieu der Drogenmafien bewegen können sollen.
Sollen: Denn jedes unbedachte Wort, jede falsche Geste kann von nun an
tödlich sein. Das ist so dermaßen spannend inszeniert, dass die schwachen
Nerven des Rezensenten oft versagen, er nicht hinschauen kann.
## Solche Ich-und-dus
Dabei hat er doch einst Szenen aus „Donnie Brasco“, einem, wenn nicht dem
Klassiker des Undercover-Genres, sich immer wieder ansehen können: etwa den
Moment, als FBI-Undercoveragent Donnie mit Mafiosi-Kollegen [3][ein
japanisches Restaurant besucht] und vom Besitzer aufgefordert wird, sich
die Schuhe ausziehen – was er unter keinen Umständen tun kann, weil in den
Schuhen das Abhörmikro steckt.
Vorbei, ich bin zu schwach – und die Szenen in „Legends“ sind noch härter;
weil die Protagonisten so normal sind, so ich und du sind. Solche
Ich-und-dus, die aber dann über sich hinauswachsen, Todesmut zeigen, und
dabei aber zivil bleiben, auf eine sehr britische Art.
Das Herausforderndste an „Legends“ ist vielleicht eben das: dass hier
Schwerstkriminalität bekämpft wird, aber der Rahmen der Rechtsstaatlichkeit
gesetzt bleibt, was nicht heißt, dass er nicht auch mal gesprengt würde.
Aber er ist weiterhin da, als Bezugspunkt, als Rückkehrort.
Und diese Einschränkung, diese Schwäche erweist sich letztlich als die
wahre Größe, als der Weg zum Erfolg, der immer nur ein vorübergehender sein
kann. „Legends“ ist konservativ, weil die sechsteilige Serie zeigt, dass
ohne Opfer nichts erreicht werden kann, dass Einzelne einen Weg bis zum
bitteren Ende gehen müssen; und es ist progressiv, weil die Gesellschaft
als Ganzes sich immer den Rückweg offen halten muss, damit das Opfer nicht
umsonst war.
Es ist eben nicht egal, wie man etwas schafft. Gut, dass auch Declan das am
Ende erfährt, als der große Sturm aufzieht.
16 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.netflix.com/de/title/81708404
(DIR) [2] /Serie-ueber-Entfuehrung/!6151055
(DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=NewqTCakQ3Q
## AUTOREN
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