# taz.de -- Hohe Spritpreise: Tankrabatt zeigt erste Wirkung an Zapfsäulen
       
       > Für Benzin und Diesel gelten jetzt für zwei Monate niedrigere Steuern.
       > Das soll dafür sorgen, dass Tanken nicht noch teurer wird. Die Kritik ist
       > groß.
       
 (IMG) Bild: Der Tankrabatt ist eine neue Komponente im Preisspiel
       
       dpa | Der [1][Tankrabatt] zur Entlastung von stark gestiegenen Preisen
       infolge des Irankriegs zeigt erste Wirkung. Zum Start gingen die Preise für
       Benzin und Diesel an den Zapfsäulen deutlich herunter – vorerst aber nicht
       genauso stark wie die seit Mitternacht geltende Steuersenkung von 16,7 Cent
       je Liter, wie aus Angaben des Autofahrerclubs ADAC und des
       Bundeskartellamts hervorgeht. Die Bundesregierung pocht auf eine volle
       Weitergabe, die von der Branche prinzipiell zugesichert wurde.
       [2][Umweltschützer kritisieren den Kurs].
       
       Die Preise fielen laut ADAC schon in der Nacht recht rasch um 7 bis 8 Cent.
       Als am Morgen fast alle Tankstellen öffneten, sanken sie weiter. Am
       Vormittag habe eine deutlich stärkere Dynamik mit Preissenkungen
       eingesetzt, erläuterte das Bundeskartellamt, gerade im Vergleich zu den
       Tagen zuvor. Vielen Tankstellen hätten „günstig“ aufgemacht. Allerdings
       habe die Preisspitze am Donnerstag zur höchsten gehört seit der kürzlichen
       Einführung der Regel, dass Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich
       anheben dürfen.
       
       ## Super E10 unter zwei Euro
       
       Nach ADAC-Angaben lag der Preis für einen Liter Superbenzin der Sorte E10
       um 8.00 Uhr im bundesweiten Schnitt unter der 2-Euro-Marke. Konkret sank
       der Preis im Vergleich zur selben Zeit am Donnerstag um 10,7 Cent auf 1,976
       Euro pro Liter. Auch Diesel verbilligte sich deutlich: um 10,4 Cent auf
       2,063 Euro.
       
       Die Senkung der Energiesteuer sei zunächst erst zum Teil an den Zapfsäulen
       angekommen, erläuterte eine ADAC-Sprecherin. Ein Grund dafür dürfte sein,
       dass sich in den Tanks vieler Tankstellen noch Kraftstoff befindet, der
       nach den alten Steuersätzen abgerechnet wurde. Entscheidend für den
       Steuernachlass ist nämlich nicht der Verkauf an der Tankstelle, sondern der
       Moment, in dem der Kraftstoff das Tanklager beziehungsweise die Raffinerie
       verlassen hat.
       
       Der Steuerrabatt trat um Mitternacht in Kraft und soll für zwei Monate bis
       Ende Juni gelten. Dafür wurden die Spritsteuern nach einem Gesetz der
       schwarz-roten Koalition um 14,04 Cent je Liter herabgesetzt. Weil auf die
       wegfallende Energiesteuer auch keine Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich
       eine Reduzierung um 16,7 Cent – gerundet entspricht das den oft genannten
       17 Cent. Beim Staat dürften dadurch Steuerausfälle von bis zu 1,6
       Milliarden Euro entstehen.
       
       ## Wirtschaftsministerin nennt „klare Erwartung“
       
       Die Tankstellen sind nicht zu bestimmten Reduzierungen verpflichtet. Der
       Branchenverband Fuels und Energie hatte aber angekündigt, dass die volle
       Steuersenkung bei den Kunden ankommen soll. Bundeswirtschaftsministerin
       Katherina Reiche forderte das auch ein. „Das ist keine Bitte, das ist eine
       klare Erwartung“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
       Das Bundeskartellamt habe nun bessere Instrumente. SPD-Fraktionsvize Armand
       Zorn forderte: „Die Abzocke muss enden, und zwar schnell.“
       
       Die Verbraucherzentralen riefen das Bundeskartellamt zum genauen Hinschauen
       auf. „Der Tankrabatt darf nicht wieder zum Konzernrabatt werden“, sagte die
       Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop, mit Blick auf eine solche Maßnahme
       in der Energiekrise 2022 infolge des Ukrainekriegs. Damals habe sich
       gezeigt: „Je länger die Steuersenkung andauerte, desto mehr versickerte sie
       in den Kassen der Mineralölkonzerne. Dieser Fehler darf sich nicht
       wiederholen.“
       
       ## Greenpeace: „Tankrabatt gehört abgeschafft“
       
       Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte das Vorgehen der Politik.
       „Der Tankrabatt gehört schnellstens wieder abgeschafft“, sagte
       Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer. Eine teure Spritpreisbremse gehe in
       die falsche Richtung, fülle vermutlich die Taschen der Ölkonzerne und lasse
       Berufspendler „mit dicken Verbrennern“ profitieren. Der Spritverbrauch
       müsse dauerhaft herunter. Das klappe mit einem besseren öffentlichen
       Nahverkehr und mehr Elektroautos.
       
       Auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sprach von einer
       „falschen Maßnahme“. Die zweimonatige Steuersenkung werde Autofahrer
       bestenfalls kurzzeitig entlasten und anschließend die Preisspirale für Öl
       und Gas nach oben treiben, sagte Chefökonom Ottmar Edenhofer dem
       Redaktionsnetzwerk Deutschland. Grund sei die steigende Nachfrage. Zum
       Schutz vor hohen Preisen wären Einkommenshilfen mit Fokus auf
       Härtefall-Gruppen besser.
       
       Die Ersparnis durch den Tankrabatt pro Auto ist ohnehin überschaubar. Ein
       durchschnittlicher Diesel wird laut Kraftfahrt-Bundesamt pro Jahr rund
       17.000 Kilometer gefahren. Mit einem typischen Verbrauch von 7 Litern auf
       100 Kilometer ergibt der Rabatt – sofern er komplett ankommt – rechnerisch
       eine Ersparnis von rund 33 Euro in den zwei Monaten. Bei einem Benziner
       sind es rund 9.500 Kilometer im Jahr – bei einem typischen Verbrauch von 8
       Litern auf 100 Kilometer spart der Rabatt rechnerisch gut 21 Euro in zwei
       Monaten. Je nach Fahrstrecke und Fahrzeug können diese Werte natürlich
       stark abweichen.
       
       1 May 2026
       
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