# taz.de -- Berliner Verkehrsbetriebe ziehen Bilanz: Schon jetzt super, bald noch besser
> Die BVG sieht sich auf gutem Weg: Fast 99 Prozent Pünktlichkeit sei
> erreicht. Neue Bahnen für U5 bis U9 kommen ab Mai. Autonome Busse bald im
> Test
(IMG) Bild: Mit mehr Fahrzeugen mehr Pünktlichkeit? Ein Zug der neuen Baureihe J auf der Teststrecke (Sept. 2025)
dpa | Seit dem Start neuer U-Bahn-Züge bei den Berliner Verkehrsbetrieben
(BVG) im September hat sich die Situation für die Fahrgäste nach Angaben
des Unternehmens verbessert. Die Zuverlässigkeit sei von damals 93 Prozent
auf 98,6 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres gestiegen, wie die BVG
mitteilte. Das ist nahe an der Zielmarke von 99 Prozent, die die BVG im
U-Bahn-Verkehr im Jahresdurchschnitt erreichen will. Die Zuverlässigkeit
beschreibt, wie viele geplante Fahrten tatsächlich durchgeführt werden.
„Wir haben die Trendwende geschafft und stabilisieren den Betrieb Schritt
für Schritt“, teilte [1][BVG-Chef Henrik Falk] anlässlich der Jahresbilanz
mit. „Jetzt geht es darum, die Qualität nachhaltig auf ein neues Niveau zu
heben.“
Im Gesamtjahr 2025 lag die Zuverlässigkeit bei der U-Bahn bereinigt um
Effekte aus Streiks im Schnitt bei lediglich knapp 94 Prozent und damit in
etwa auf dem Niveau des schwachen Vorjahrs. Hauptproblem war die
überalterte Fahrzeugflotte.
Seit September werden die neuen Züge der Baureihe JK für das sogenannte
Kleinprofil der Linien U1 bis U4 ausgeliefert. Inzwischen sind der [2][BVG]
zufolge rund 130 der 140 bestellten Fahrzeuge im Einsatz, insbesondere auf
der U2. Im Mai soll die Auslieferung der Baureihe J für das Großprofil der
Linien U5 bis U9 starten. Insgesamt 236 Wagen sollen kommen, 170 davon in
diesem Jahr.
## Jahrelange Verzögerung
Die Auslieferung der dringend benötigten neuen Fahrzeuge begann im
September mit jahrelanger Verzögerung. Aufgrund der überalterten Flotte kam
es zu erheblichen Einschränkungen im U-Bahnverkehr. Ausfälle und
Verspätungen prägten über viele Monate die Lage im Berliner Nahverkehr.
Die BVG stellte daher schließlich ihre Konzernstrategie um. Statt das
Nahverkehrsangebot weiter auszubauen, sollte der Verkehr zunächst
stabilisiert werden. Dafür wurde auch der Vorstand neu aufgestellt. Der
damalige Betriebschef Rolf Erfurt musste gehen.
Im Busverkehr, der vor allem unter gravierenden Personalengpässen litt,
wurden die Fahrpläne ausgedünnt. Inzwischen habe sich die Personallage
erholt, teilte das Unternehmen mit. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der
Busfahrerinnen und -fahrer demnach um 220 auf 4.880. Die Zuverlässigkeit
liegt schon seit Längerem um die Zielmarke von 99 Prozent.
Herausforderungen gibt es für die BVG gleichwohl weiterhin. Seit Monaten
verzögert sich die Inbetriebnahme neuer Tramfahrzeuge, dem sogenannten
Urbanliner. Er soll vor allem auf der Linie M4 die Platzkapazität erhöhen.
Zudem plant die Senatsverkehrsverwaltung wohl mit weniger neuen
U-Bahn-Zügen als bisher. Der Entwurf für den künftigen Nahverkehrsplan
sieht einem Bericht des Tagesspiegels zufolge als Zielmarke nur noch einen
4-Minuten-Takt im U-Bahnnetz vor anstelle des ursprünglich angestrebten
3,5-Minuten-Takts. Dafür wären weniger neue Fahrzeuge nötig. Offen ist
zudem, wie es mit der Bestellung neuer Fahrzeuge nach 2030 weitergeht.
Außerdem plant das Unternehmen hohe Investitionen in verschiedene
Zukunftsthemen des Nahverkehrs. Bis zum Jahresende soll sich die
Fahrgastinformation deutlich verbessern unter anderem mit Echtzeitdaten zu
einzelnen Verbindungen. Darüber hinaus arbeitet die BVG zusammen mit
anderen Verkehrsunternehmen an einer neuen Mobilitäts-App.
Daneben sind der Bau von zwei neuen Betriebshöfen für die wachsende
E-Bus-Flotte geplant sowie der Neubau eines weiteren Betriebshofs für
Straßenbahnen. Auch das Thema autonomes Fahren beschäftigt die BVG. Im
Sommer sollen Fahrgast-Testfahrten mit autonomen Kleinbussen beginnen. Das
Unternehmen plant für das laufende Jahr daher Investitionen von knapp 1,1
Milliarden Euro, nach rund 530 Millionen im vergangenen Jahr.
1 May 2026
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