# taz.de -- Medienkompetenz als Festival: „Die Meinung ins Handy brabbeln, ist kein Journalismus“
       
       > Von Zeitung zum Twitch-Stream: Das Jugendmedienfestival in Bad Segeberg
       > spiegelt den Wandel der Medienbranche, sagt Crew-Mitglied Katharina
       > Dushe.
       
 (IMG) Bild: So könnte es auch auf dem Festival aussehen: Jugendlichen schneiden selbst einen Radiobeitrag
       
       taz: Frau Dushe, auf dem Jugendmedienfestival machen 14- bis 22-Jährige
       vier Tage am Stück Medien. Können die sich überhaupt so lange
       konzentrieren? 
       
       Katharina Dushe: Ja klar! Das Festival ist ja keine Schule. Wer mal eine
       Pause braucht, kann zum Beispiel Yoga machen oder einen Make-up-Workshop.
       Aber die Arbeitsbereitschaft ist hoch: Die haben schon freiwillig
       Nachtschichten eingelegt, um ihre Beiträge für den großen Abschluss
       fertigzustellen. Die haben also richtig Bock.
       
       taz: Wie läuft das konkret ab? 
       
       Dushe: Wir haben Redaktionen für Radio und Podcast, Live-TV, kreatives
       Schreiben, Musik und Video, Film und Foto. Dafür holen wir mit Transportern
       professionelles Equipment ran. Die Jugendlichen können dann frei wählen und
       sich ausprobieren.
       
       taz: Warum braucht es dafür ein Festival? In den sozialen Medien kann sich
       heute doch jeder pausenlos ausprobieren. 
       
       Dushe: Das ist ja das Problem. Leute machen heutzutage einen Podcast und
       sagen die ganze Zeit nur ihre Meinung, ohne irgendwelche Fakten. Bei uns
       legen die Teilnehmenden nicht einfach blind los, wir schulen sie erst mal
       in Workshops. Auch im Umgang mit KI: Man kann nicht alles in [1][ChatGPT]
       reinballern, aber man kann es als Tool nutzen. Zwischendurch kommen auch
       Expert:innen aus dem Medienbereich. Das Festival ist also nicht nur eine
       Spaßveranstaltung. Sie sollen auch lernen, wie man journalistisch arbeitet.
       Einfach die Meinung ins Handy zu brabbeln, ist kein Journalismus.
       
       taz: Wollen die Jugendlichen denn überhaupt noch Journalist:innen
       werden oder doch lieber Content Creator? 
       
       Dushe: Interessanterweise wird die Social-Media-Redaktion auf dem Festival
       gar nicht so gut angenommen. Ich dachte immer, die müssten sich doch darum
       reißen, zu erfahren, wie sie Influencer werden. Für viele ist das Festival
       vor allem die erste Praxiserfahrung. Wer zum Beispiel zum Radio möchte,
       kann bei uns mit einem professionellen Mikrofon einen Beitrag machen.
       
       taz: Das Jugendmedienfestival gibt es seit 1999, früher hieß es noch
       Jugendpressefrühling. 
       
       Dushe: Damals lag der Fokus auf Pressearbeit. Aber durch den digitalen
       Wandel war das nicht mehr zeitgemäß, deswegen die Umbenennung. Es geht mehr
       ums Erlebnis, das Festival-Feeling.
       
       taz: Was hat sich konkret über die Jahre verändert? 
       
       Dushe: Das Festival spiegelt echt den [2][Trend der Medienbranche] wider.
       Früher war alles auf Print ausgelegt. Vor zehn oder fünfzehn Jahren gab es
       noch eine morgendliche Zeitung. Die wurde ausgedruckt und beim Frühstück
       gelesen.
       
       taz: [3][Ein fast schon historisches Konzept.] 
       
       Dushe: Die Radioredaktion hat den ganzen Tag live gesendet. Heute
       produzieren wir Podcasts. Und in diesem Jahr überlegen wir, einen Stream zu
       machen, wie bei Twitch. In der TV-Redaktion haben wir früher klassische
       Berichterstattung gemacht, heute machen wir Live-TV mit Regie,
       Aufnahmeleitung, Kamera, Moderation. Die Formate sind heute kreativer, die
       Teilnehmenden können auch einen Werbespot drehen oder einen Sketch.
       
       taz: Klingt nicht gerade journalistisch. 
       
       Dushe: Es geht eben auch darum, Kreativität zu fördern. Gleichzeitig wollen
       wir die Medienkompetenz stärken. Die Jugendlichen wollen wissen, wie sie
       [4][Fake News erkennen]. Dieses Jahr richten wir noch mehr den Fokus
       darauf, warum Medien wichtig für die Politik sind. Dafür arbeiten wir mit
       dem [5][Landesbeauftragten für politische Bildung] zusammen. Die Crew
       arbeitet übrigens komplett ehrenamtlich.
       
       taz: Und trotzdem gibt es Probleme mit der Finanzierung. 
       
       Dushe: Seit Corona ist es schwieriger geworden, Unterstützer zu finden.
       Dabei ist das Festival sehr beliebt: Wir sind mit 84 Leuten restlos
       ausgebucht – mehr passen nicht in die Jugendherberge.
       
       taz: Wie ist denn die Stimmung auf dem Festival? 
       
       Dushe: Bei aller Produktivität – total entspannt. Freitags gibt es immer
       einen Partyabend mit Band, aber natürlich ohne Alkohol. Wir hatten noch nie
       einen Skandal, obwohl da Jugendliche ein Wochenende zusammen unterwegs
       sind. Da hängt auch keiner in der Ecke am Handy. Das sind tolle,
       interessierte Menschen.
       
       12 May 2026
       
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