# taz.de -- Handelspolitik: China schafft Importzölle für 53 afrikanische Staaten ab
> Die Volksrepublik gewährt 53 afrikanischen Ländern ab Freitag zollfreien
> Zugang. Das stärkt Beziehungen – ändert aber Handelsungleichgewichte
> kaum.
(IMG) Bild: In China hergestellte Baumaschinen werden nach Afrika exportiert
China öffnet seine Türen: Ab dem 1. Mai 2026 können 53 afrikanische Staaten
ihre Waren zollfrei in die Volksrepublik exportieren. Damit erhalten fast
alle Länder des Kontinents – mit Ausnahme von Eswatini, das diplomatische
Beziehungen zu Taiwan unterhält – besseren Zugang zur zweitgrößten
Volkswirtschaft der Welt. Der Schritt ist einseitig: Afrikanische Staaten
dürfen weiterhin Zölle auf Importe aus [1][China] erheben.
Offiziell will China den Marktzugang für afrikanische Exporte verbessern
und die Handelsbeziehungen ausgleichen. Denn diese verlaufen bislang
deutlich zugunsten der Volksrepublik. 2025 standen chinesische Exporte im
Wert von rund 225 Milliarden Dollar nach Afrika afrikanischen Exporten von
etwa 123 Milliarden nach China gegenüber. Während chinesische Unternehmen
vor allem weiterverarbeitete Güter wie Elektronik, Textilien oder grüne
Technologien liefern, bestehen die afrikanischen Ausfuhren überwiegend aus
mineralischen und agrarischen Rohstoffen.
Die Zollbefreiung wird diese strukturelle Ungleichheit kaum verändern. Um
afrikanische Ausfuhren in den bereits exportstarken Sektoren weiter zu
fördern, bedarf es darüber hinaus weiterer Schritte, die über die
Nullzollpolitik hinausgehen. Dazu zählt die Reduktion sogenannter
nichttarifärer Barrieren, etwa die Anerkennung von Qualitäts- und
Lebensmittelstandards. Auch hier möchte die chinesische Regierung
unterstützen und Verfahren beschleunigen.
Ungeachtet der unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte stärkt die
Nullzollpolitik die Beziehungen zwischen China und Afrika – und steht in
deutlichem Kontrast zur US-Handelspolitik. US-Präsident Donald Trump hatte
vor rund einem Jahr unter dem Schlagwort „Liberation Day“ Strafzölle auf
Importe aus zahlreichen Staaten verhängt, darunter auch aus Afrika. Zwar
erklärte der Supreme Court diese Maßnahmen später für verfassungswidrig,
doch die Unsicherheit für exportorientierte Unternehmen bleibt. Das
Handelspräferenzprogramm African Growth and Opportunity Act, das
afrikanischen Ländern seit 2000 zollfreien Zugang für mehr als 1.800
Produkte gewährt, wurde zudem nur bis Ende 2026 verlängert und soll künftig
stärker an der „America first“-Politik ausgerichtet werden.
## China nicht mehr Entwicklungsland?
Auch China hatte, ähnlich wie die USA, bereits im Jahr 2000 beschlossen,
den „am wenigsten entwickelten Ländern“ Afrikas zollfreien Zugang zum
chinesischen Markt zu gewähren. Die aktuelle Ausweitung auf fast alle
afrikanischen Staaten signalisiert, dass sich China zunehmend als
Industriestaat begreift und seine ungleiche Stellung gegenüber vielen
Entwicklungsländern anerkennt. 2025 hatte die chinesische Regierung
angekündigt, bei künftigen WTO-Verhandlungen auf „Sonder- und
Vorzugsbehandlungen“ für Entwicklungsländer zu verzichten. Auch wenn China
sich offiziell weiterhin als Entwicklungsland bezeichnet, wird die
chinesische Regierung – ähnlich wie bei den internationalen
Klimaverhandlungen – im eigenen Tempo Zugeständnisse machen, die der
eigenen Wirtschaftsstärke besser entsprechen.
Völlig uneigennützig ist dieser Schritt freilich nicht, sondern reiht sich
in eine breitere geopolitische Strategie ein. China baut seine
wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Globalen Süden aus – auch als
Reaktion auf wachsende Handelskonflikte mit den USA und der EU. Von den
guten Beziehungen zu vielen afrikanischen Regierungen profitiert die
Kommunistische Partei dann auch an anderer Stelle: Als Taiwans Präsident
Lai Ching-te jüngst Eswatini besuchen wollte, verweigerten ihm die
Seychellen, Mauritius und Madagaskar den Überflug.
1 May 2026
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(DIR) Merle Groneweg
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