# taz.de -- Woche der Beschwerde in Berlin: Die Gewalt sichtbar machen
       
       > Mit einer Aktionswoche sammeln Sozialarbeiter*innen Beschwerden
       > von Wohnungslosen, leiten sie an Behörden weiter und schaffen damit
       > Aufmerksamkeit.
       
 (IMG) Bild: Aktion „Woche der Beschwerde“: Gewaltdelikte gegenüber Obdachlosen sichtbar machen
       
       „Sie werden angepöbelt, bespuckt oder zu Mordopfern“, erzählt die
       Streetworkerin von Gangway e. V., Anna Sauerwein. Wohnungslose oder auch
       Obdachlose sind in ihrem Alltag fast täglich von Gewalt betroffen. Mit „Der
       Woche der Beschwerde“ will die Union für Obdachlosenrechte (Ufo Berlin) vom
       4. bis 8. Mai die Erfahrungen der Betroffenen sichtbar machen.
       
       Dazu suchen die Dropout-Teams von Gangway e. V. (Streetworker*innen für
       Berliner Brennpunkte), die AG Straße Mitte (Zusammenschluss aus
       verschiedenen Träger*innen) und die Initiative Habersaathstraße Gespräche
       mit Betroffenen auf der Straße. „Es gibt bisher keine gute Datenerfassung
       oder realistische Zahlen zur Gewalt, die wohnungslose Menschen erleben und
       diese nachweisen“, sagt Sauerwein.
       
       Mit den standardisierten Fragebögen werden die Diskriminierungs- und
       Gewalterfahrungen der Betroffenen systematisch erfasst und an die
       Landesdiskriminierungsstelle (LADS), das Berliner Register sowie den
       Bürger- und Polizeibeauftragten des Landes Berlin weitergeleitet, um den
       Druck für eine [1][unabhängige Beschwerdestelle] zu vergrößern.
       
       ## Hohe Gewalt bei Räumungen
       
       Obdachlose erlebten in Berlin 2024 einen Anstieg von Gewalt im Vergleich
       zum Vorjahr. [2][Nach Angaben der Senatsverwaltung für Inneres] gab es 241
       Fälle von einfacher Körperverletzung und 166 Fälle von gefährlicher und
       schwerer Körperverletzung. 114 Vorfälle fanden auf den Straßen statt. Es
       gab 35 Raubüberfälle, dreimal kam es zu Mord und Totschlag. Auch
       sexualisierte Gewalt ist für obdachlose Menschen Thema. Das sind jedoch
       Zahlen von angezeigten Vorfällen. Die Dunkelziffern sind vermutlich höher.
       
       Gründe für die Gewalttaten sind unter anderem Rassismus und Klassismus,
       erzählt die Sozialarbeiterin Julia Schenker, ebenfalls von Gangway.
       Besonders in Berlin-Mitte hätte sich die Gewalt während Räumungen über die
       Jahre stark zugespitzt. Als Beispiel nennt sie den Alexanderplatz. Dort
       werden Obdachlose häufig verbal vom Ordnungsamt angegangen. „Ihre
       Schlafsäcke, Isomatten oder auch Matratzen werden vom Ordnungsamt einfach
       entsorgt. Ihr Recht auf Eigentum wird komplett übergangen.“
       
       ## Unabhängige Beschwerdestelle für Wohnungslose
       
       „Mit unserer Aktion wollen wir die Lebenssituation der Wohnungslosen
       verbessern“, sagt eine Sprecherin der Union für Obdachlosenrechte. „In den
       letzten sechs Monaten haben wir bereits über 50 Beschwerden sammeln
       können.“
       
       Doch das Zusammentragen von Beschwerden sei schwer, erklären
       Streetworkerinnen von Dropout-Mitte. Es sei nicht einfach für die Menschen,
       über ihre Erlebnisse zu sprechen. „Häufig hören wir auch Aussagen wie: ‚Das
       bringt doch eh nichts‘.“ Es brauche viel Beziehungsarbeit, damit die
       Menschen sich öffnen, so die Streetworker*innen.
       
       5 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hilfe-fuer-Obdachlose-in-Berlin/!5910983
 (DIR) [2] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-21569.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Albertina Pangula
       
       ## TAGS
       
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