# taz.de -- Alternativen zum „Männertag“: Vatertag, später
> Statt am Grill oder besoffen mit dem Bollerwagen verbringt unser Autor
> den Vatertag mit seinen Kindern. Zumal der richtige Termin für ihn im
> Juni ist.
(IMG) Bild: Ein nicht unerheblicher Teil der Männer bleibt am Vatertag der Tradition treu, heißt: saufen, kotzen, Bollerwagen ziehen, grölen
Nun kommt es wieder, das tolle lange Brückentagswochenende, an dem alle
Ausflüge und kleine Miniurlaube planen. Fahrradfahrer*innen wissen, dass
sie aufpassen müssen, wenn vor ihnen Grüppchen von Männern verschiedener
Altersstufen auftauchen. Sie reagieren häufig unkoordiniert, sodass es
angeraten ist, sie weiträumig zu umfahren.
Im Vorfeld spricht eigentlich nie jemand darüber. Die meisten fragen: „Was
machst du an Himmelfahrt?“ Erst wenn er da ist, sprechen die Menschen es
aus: Es ist „Vatertag“. Dass das veraltete Christentum den Vatertag verbal
überschattet, ist eigenartig, besonders in Berlin, denn hier haben laut
Wikipedia Ende des 19. Jahrhunderts Brauereiunternehmer die deutsche Form
des Vatertags ins Leben gerufen. Aus rein kapitalistischem Interesse. In
Teilen der ostdeutschen Bundesländer wird der Vatertag [1][etwas ehrlicher
„Männertag“] genannt.
Ein nicht unerheblicher Teil der Männer macht an diesem Tag noch genau das,
was sie immer gemacht haben: [2][saufen, kotzen, Bollerwagen ziehen,
grölen, die Sau rauslassen]. Die älteren ziehen vielleicht nicht mehr los,
sondern erledigen das im Garten unweit des Grills. Was für ein Feiertag:
Christentum, Kapitalismus, Alkoholismus und toxische Männlichkeit – vier
Geißeln der Menschheit feiern an einem Tag!
Gut, manche machen andere, nicht ganz so dumpfe Dinge, aber immer noch
vermeintliche Männersachen. Zum Glück nimmt diese Tendenz ab, trotz
[3][Incels und Manosphere] stirbt der deutsche Vatertag langsam. Immer mehr
Väter der gebildeten Mittelschicht machen an diesem Tag inzwischen auch
„etwas mit der Familie“, sie sind ja modern. Manche betonen das aber so,
als sei dies eine Ausnahme und eine besonders heldenhafte Leistung. In
derselben Betonung, in der manche Männer von „Elternzeit“ sprechen.
## Der alternative Vätertag im Juni
Vor ungefähr 13 Jahren durfte ich andere Väter kennenlernen, die darauf
keine Lust hatten. Gut, der Anlass war eher traurig, ein Rosenkrieg, in dem
es auch darum ging, bei wem die Kinder wie viel Zeit verbringen dürfen. Ich
weiß von betroffenen Freundinnen, dass die [4][Väter in solchen Konflikten]
oft nicht die sind, die Verantwortung übernehmen wollen, aber da waren
Väter darunter, für die es selbstverständlich war, das Kümmern um die
Kinder in den Alltag einzubinden.
Für die Elternzeit ein schlechter und viel zu kurzer Witz war. Die alles
taten, um Arbeitszeit zu reduzieren, damit sie sich dauerhaft
gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern können. Einige aus Umfeldern, in
denen nicht über Feminismus nachgedacht wird und trotzdem haben sie daran
gearbeitet, klassische Geschlechterrollen abzubauen.
Diese Typen haben den Vatertag Vätertag genannt und dann große Feste
gefeiert. Nicht besonders gut besucht, weil die „normalen“ Väter das nicht
so richtig verstanden haben, aber schön. Dafür haben sie ihn kurzerhand auf
einen anderen Termin gelegt: den [5][„internationalen Vatertag“ am dritten
Sonntag im Juni]. An diesem Datum feiern ihn eine ganze Reihe Länder, etwa
Frankreich, die Niederlande, Tschechien, die Türkei und die Ukraine.
Viele davon – um nicht zu sagen alle – sind weit davon entfernt, das
Patriarchat abgeschafft zu haben, und meine Kinder sind jetzt groß, aber
egal: Ich feiere diesen Tag immer noch als feministischen Vatertag.
Meistens mache ich was Schönes mit den Kindern und wünsche, wenn ich welche
treffe, überraschten Männern einen schönen Vatertag und dann reden wir über
Sexismus, Geschlechterrollen und Politik.
## Das Ende der albernen binärpädagogischen Feiertage
Ein nonbinärer Elterntag würde wahrscheinlich viel mehr Sinn machen, oder
die Abschaffung aller Elterntage, aber die Gesellschaft ist da
offensichtlich noch lange nicht angekommen. Auf privater Ebene lässt sich
also mehr bewirken, indem man die gewohnten Dinge einfach etwas anders
macht. Das kommt bei manchen schräg an, aber bei anderen löst es auch
positive Verhaltensänderungen aus, wenn man sie mitnimmt, statt sie vor den
Kopf zu stoßen.
Nicht zuletzt bei einem selbst. Und bei meinen Kindern. Wenn ich etwas
sage, das aus meiner früheren Sozialisierung in diesem gefühlt vor 30
Jahren noch viel toxischeren Land stammt, beschimpfen sie mich als Sexisten
oder Pseudofeministen. Irgendetwas scheint da nicht ganz schiefgelaufen zu
sein.
Ich wünsche allen Männern einen wunderbaren Vätertag im Juni. Bitte geht
vorher zu euren Vorgesetzten, falls ihr welche habt, und sagt ihnen, dass
ihr von jetzt an mindestens 20 Prozent weniger arbeiten werdet. Zieht es
durch. Auch wenn ihr dann beim Jobcenter aufstocken müsst. Kümmert euch in
der Zeit empathisch um eure Familie.
Setzt euch in der Schule für ein neues Fach ein: demokratische Werte,
[6][Klassismus] und Gender-Studies. Ab der 6. Klasse. Spätestens. Besser
eigentlich schon im Kindergarten. Mit etwas Glück müssen dann vielleicht
die Kinder von heute in 50 Jahren gar keine albernen binärpädagogischen
Feiertage mehr feiern. Ach, und Props an das Christentum: Es war nicht
alles schlecht, was du verursacht hast. Danke für die vielen Feiertage und
die karitativen Einrichtungen!
14 May 2026
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## AUTOREN
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