# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: EU hält Ukraine in der Beitrittsfrage hin
       
       > Auf dem EU-Gipfel in Zypern kommt Selenskyj mit Blick auf den Beitritt
       > der Ukraine nicht weiter. Bei einem Angriff auf Odessa kommt ein Ehepaar
       > ums Leben.
       
 (IMG) Bild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf dem EU-Gipfel in Zypern, 23. April 2026
       
       ## EU-Gipfel in Zypern: Ukraine-Kredit abgesegnet, aber EU-Beitritt Kyjiws
       bleibt in der Ferne
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat [1][beim EU-Gipfel in
       Zypern] die Freigabe eines 90-Milliarden-Euro-Kredits für Kyjiw begrüßt –
       auf konkrete Zusagen für einen EU-Beitritt seines Landes muss er aber
       weiter warten. Die Ukraine sei „bereit“ für die nächsten Schritte im
       Beitrittsprozess, betonte Selenskyj bei dem Treffen am Donnerstag.
       Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte die EU-Kommission auf, dafür
       einen Zeitplan vorzulegen. Mehrere Staats- und Regierungschefs äußerten
       sich jedoch skeptisch.
       
       Selenskyj hat die EU-Verbündeten bereits mehrfach aufgefordert, der Ukraine
       ein konkretes Datum für den Beitritt zuzusagen, etwa das Jahr 2027. Er sei
       sich aber „nicht sicher“, ob alle Beteiligten konkrete Daten so sehr mögen
       wie er, räumte Selenskyj in Zypern ein. EU-Ratspräsident António Costa
       erklärte, der nächste Schritt sei die offizielle Eröffnung der ersten
       Verhandlungskapitel.
       
       „Es ist wichtig, dass die Kommission in den kommenden Wochen einen genauen
       Kalender und Handlungsempfehlungen für die Ukraine und Moldau vorlegt“,
       sagte Frankreichs Präsident Macron. Auch die baltischen Staaten drängten
       auf rasche Fortschritte: „Je eher wir anfangen, desto eher kommen wir ans
       Ziel“, sagte der estnische Regierungschef Kristen Michal.
       
       Luxemburgs Regierungschef Luc Frieden mahnte, die Ukraine müsse zuerst alle
       Voraussetzungen erfüllen. Ein Beitritt zum 1. Januar 2027 sei „nicht
       realistisch“, urteilte auch der kroatische Regierungschef Andrej Plenković.
       „Kein Erweiterungsprozess war so verkürzt, dass er innerhalb von sieben
       Monaten stattfinden könnte.“ Er forderte „kreative Schritte“, um in der
       Zwischenzeit ein politisches Signal an die Ukraine zu senden.
       
       „Die Ukraine braucht keine symbolische EU-Mitgliedschaft“, betonte
       Selenskyj hingegen. „Wir verteidigen europäische Werte. Ich glaube, dass
       wir eine vollwertige EU-Mitgliedschaft verdienen.“
       
       Ungarns inzwischen abgewählter Regierungschef Viktor Orbán hatte den
       Beitrittsprozess in den vergangenen Jahren blockiert – ebenso wie den nun
       aber beschlossenen 90-Milliarden-Euro-Kredit und die neuen
       Russland-Sanktionen. Alle 27 EU-Staaten stimmten beiden Entwürfen am
       Donnerstag in einem schriftlichen Verfahren zu, nachdem Kiew und Budapest
       zuvor [2][einen monatelangen Streit um die Druschba-Pipline beigelegt
       hatten].
       
       Die Pipeline transportiert normalerweise russisches Öl durch die Ukraine
       nach Ungarn und in die Slowakei. Sie war nach ukrainischen Angaben bei
       russischen Angriffen beschädigt und deshalb stillgelegt worden. Ungarn und
       die Slowakei warfen Kyjiw jedoch vor, die mutmaßlichen Schäden als Vorwand
       zu nutzen und Reparaturen zu verzögern. Am Mittwoch floss das Öl wieder und
       erreichte Ungarn und die Slowakei am frühen Donnerstagmorgen.
       
       Brüssel arbeite daran, sowohl das Sanktionspaket gegen Moskau als auch den
       Milliardenkredit für Kiew rasch umzusetzen, teilte
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag mit. Das
       Sanktionspaket sieht unter anderem ein strengeres Vorgehen gegen die
       sogenannte Schattenflotte von Tankern mit russischem Rohöl an Bord vor. Die
       erste Tranche aus dem Kredit für die Ukraine soll voraussichtlich Ende Mai
       ausgezahlt werden, ursprünglich sollten die ersten Mittel schon im April an
       Kyjiw fließen.
       
       „Es ist wichtig, dass die Ukraine sich dieses Maß an finanzieller
       Sicherheit sichert – nach mehr als vier Jahren Krieg“, erklärte Selenskyj.
       Das Geld soll seinen Angaben zufolge in „Sozialhilfen für unsere
       Bevölkerung, die Armee, die Drohnenproduktion und die digitale
       Kriegsführung“ fließen.
       
       In Zypern war auch ein Gespräch Selenskyjs mit Bundeskanzler Friedrich Merz
       (CDU) geplant. Beim Gipfeltreffen geht es neben der Ukraine um die Lage in
       Iran und die Auswirkungen auf die Energiepreise in Europa. Am zweiten
       Veranstaltungstag am Freitag sollen Staats- und Regierungschefs aus dem
       Nahen Osten und der Golfregion dazustoßen. (afp)
       
       ## Ehepaar bei russischem Angriff auf Hafenstadt Odessa getötet
       
       In der ukrainischen Hafenstadt Odessa sind bei einem russischen Angriff
       zwei Menschen getötet worden. Es handele sich um ein Ehepaar, beide seien
       75 Jahre alt gewesen, schrieb Militärverwaltungschef Serhij Lyssak bei
       Telegram. Weitere 15 Menschen seien verletzt worden. Acht von ihnen
       befinden sich demnach in medizinischen Einrichtungen. Moskaus Militär habe
       ein Wohnviertel angegriffen, schrieb Lyssak.
       
       Durch Drohneneinschläge seien mindestens drei Wohnhäuser beschädigt worden,
       teilte Gouverneur Oleh Kiper mit. Auch auf einem Handelsschiff habe es
       einen Einschlag gegeben. An Bord sei ein Feuer ausgebrochen, das aber
       schnell gelöscht worden sei. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher
       Hilfe seit mehr als vier Jahren gegen eine großangelegte russische
       Invasion. (dpa)
       
       ## Trump: Putin beim G20-Gipfel wäre „hilfreich“
       
       US-Präsident Donald Trump hat sich grundsätzlich positiv zu einer möglichen
       Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin am G20-Gipfel diesen
       Dezember in Miami geäußert. „Wenn er käme, wäre es wahrscheinlich ziemlich
       hilfreich“, sagte Trump auf eine entsprechende Reporterfrage. Er habe den
       Ausschluss Russlands aus der G8 immer für eine unkluge Idee gehalten, sagte
       er. „Ich bin der Meinung, dass man mit jedem reden sollte.“
       
       In der G20-Runde der großen Industrie- und Schwellenländer ist Russland
       zwar offiziell noch Mitglied. Putin nahm allerdings zuletzt 2019 physisch
       an einem Gipfeltreffen teil. Der Gruppe der führenden Industrie- und
       Schwellenländer (G20) gehören 19 Staaten, die Europäische Union und die
       Afrikanische Union an.
       
       Zuvor hatte die Washington Post unter Berufung auf Regierungsvertreter
       berichtet, die US-Regierung plane eine Einladung Russlands. Allerdings sei
       noch keine Einladung versandt worden.
       
       Trump verwies unterdessen darauf, dass eine Einladung nicht
       notwendigerweise bedeute, dass Putin auch teilnehme: „Um ehrlich zu sein,
       hätte ich meine Zweifel, ob er kommen würde“. (dpa)
       
       ## 40 Jahre nach der Atom-Katastrophe: Tschornobyl neuer Gefahr ausgesetzt
       
       Die Ukraine begeht am Sonntag [3][den 40. Jahrestag der Atomkatastrophe in
       Tschornobyl] – der Super-GAU ist die schlimmste zivile Nuklearkatastrophe
       der Geschichte. Die vor mehr als vier Jahren begonnene russische
       Vollinvasion in der Ukraine hat das AKW erneut in Gefahr gebracht und das
       Risiko einer weiteren radioaktiven Katastrophe erhöht.
       
       Dabei kam es wegen schwerwiegender Verstöße gegen die
       Sicherheitsvorschriften während eines Sicherheitstest und aufgrund der
       bauartbedingten Eigenschaften des Reaktors zu einem unkontrollierten
       Leistungsanstieg, der am Morgen des 26. April 1986 um 1.23 Uhr zu einer
       Explosion in Reaktor vier des Atomkraftwerks Tschornobyl im Norden der
       Ukraine führte, die damals Teil der Sowjetunion war. Die Explosion riss das
       Innere des Gebäudes auseinander, radioaktiver Rauch strömt in die
       Atmosphäre. Der Kernbrennstoff brannte mehr als zehn Tage lang.
       
       Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) stellte fest, dass die
       Hauptursache der Katastrophe „schwerwiegende Mängel in der Konstruktion des
       Reaktors und des Abschaltsystems“ in Verbindung mit „Verstößen“ gegen die
       Betriebsvorschriften waren.
       
       In den folgenden Tagen kontaminierte die radioaktive Wolke die Ukraine,
       Belarus und Russland, ehe sie sich über Europa ausbreitet. Die erste
       öffentliche Warnung erfolgt erst zwei Tage später, am 28. April, als
       Schweden einen Anstieg der Strahlungswerte auf seinem Territorium
       registriert. In Deutschland war vor allem der Süden betroffen.
       
       Ein UN-Bericht aus dem Jahr 2005 bezifferte die Zahl der bestätigten und
       prognostizierten Todesfälle in den drei am stärksten betroffenen Ländern
       auf 4.000. Greenpeace schätzte 2006, dass die Katastrophe fast 100.000
       Todesfälle verursacht habe.
       
       Russische Truppen besetzten das Atomkraftwerk am ersten Tag der Invasion
       Moskaus im Februar 2022. Sie eroberten das Kraftwerk kampflos, nachdem sie
       Zehntausende Soldaten und Hunderte Panzer vom Territorium von Belarus,
       einem engen Russland-Verbündeten, in die Ukraine entsandt hatten.
       
       Russische Soldaten gruben Schützengräben und errichten Lager in Gebieten
       wie dem sogenannten roten Wald – benannt nach der Farbe, die seine Bäume
       durch die Strahlenbelastung angenommen haben.
       
       Die Eroberung des stillgelegten AKW schürte große Befürchtungen, ein
       militärischer Zwischenfall könnte dort eine katastrophale nukleare
       Katastrophe auslösen. Nach etwa einem Monat zog sich die russische Armee
       zurück, nachdem es ihr nicht gelungen war, Kyjiw einzunehmen.
       
       Das Kraftwerk ist von einer Stahl- und Betonkonstruktion bedeckt, die als
       Sarkophag bekannt ist und nach der Katastrophe von 1986 eilig errichtet
       wurde.
       
       [4][Eine modernere äußere Schutzhülle], genannt New Safe Confinement (NSC),
       wurde 2016 über den Reaktor geschoben. Die Hülle soll den Sarkophag, der
       nicht als langfristige Lösung gedacht war, ersetzen.
       
       Die massive Metallkonstruktion [5][wurde im Februar 2025 von einer
       russischen Drohne schwer beschädigt].
       
       In einem im April 2026 veröffentlichten Bericht erklärte Greenpeace, dass
       die Außenhülle „derzeit nicht repariert werden kann, sie nicht wie
       vorgesehen funktionieren kann und die Möglichkeit radioaktiver
       Freisetzungen besteht“. Es wird geschätzt, dass die Reparaturarbeiten drei
       bis vier Jahre dauern.
       
       Bereits im Dezember 2025 hatte der Kraftwerksleiter gegenüber der
       Nachrichtenagentur AFP gewarnt, ein weiterer russischer Angriff könne zum
       Einsturz der wichtigen Reaktor-Schutzhülle führen. (afp)
       
       24 Apr 2026
       
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