# taz.de -- Care-Arbeit in Beziehungen: Wer macht das Bett?
       
       > Das Konzept der Hausfrau ist noch gar nicht so alt. Und trotzdem scheinen
       > wir uns nicht davon lösen zu können. Oder müssen Frauen einfach fauler
       > werden?
       
 (IMG) Bild: Das fairste Modell wäre ja eigentlich 50/50
       
       Immer wenn ich bei einem Mann übernachte und er vor mir aufsteht, stelle
       ich mir die Frage: Soll ich das Bett machen? Die Antwort ist überraschend
       kniffelig. Natürlich wäre es nett und zuvorkommend, und bei einer guten
       Freundin würde ich keine Sekunde überlegen. Aber bei einem Mann, mit dem
       ich etwas habe: Will ich da wirklich signalisieren, dass ich so
       kümmerfreudig bin?
       
       Lieber nicht. Also lasse ich es meistens. Immerhin gibt es Männer, die bei
       sich zu Hause so tun, als würden sie im Hotel wohnen. Bei Instagram habe
       ich neulich ein amüsantes Video dazu gesehen. Darin hat eine Frau jede
       liegen gelassene Boxershorts ihres Freundes abfotografiert und ihn mit
       einer kleinen, aber feinen Ausstellung aus ganz besonderen Stillleben
       überrascht.
       
       Ein andermal parodierte eine „Cleanfluencerin“ einige denkbare Reaktionen
       von Männern, [1][wenn sie auf Haushaltsdinge angesprochen werden]:
       „Spülmaschine ausräumen? Wusste nicht, dass das gemacht werden muss.“ –
       „Der Müll soll weg? Hab' ich nicht gesehen.“ Klar ist das klischeehaft,
       aber leider oft auch wahr.
       
       Dabei ist die Rolle der Hausfrau kein Naturzustand, sondern eine relativ
       moderne Erfindung. Denn blickt man auf die Anfänge der Menschheit zurück,
       sammelten Frauen dort nicht nur Fred Feuersteins Unterhosen ein, sondern
       gingen auch zur Jagd. Im Mittelalter lag selbst die ach so männliche
       Braukunst außerhalb von Klostermauern fest in ihrer Hand. Doch im Laufe der
       Zeit schubste man sie aus den Handwerkszünften und zementierte diesen
       zivilisatorischen Rückschritt mit dem [2][Gesetz der Hausfrauenehe]. Die
       Frau als unentgeltliches Zimmermädchen.
       
       ## Wer putzt was?
       
       Wie praktisch! Seitdem kommen wir Frauen aus dieser Nummer irgendwie nicht
       mehr richtig raus. Zumindest kenne ich fast keine Frau in einer
       heterosexuellen Beziehung, die diesbezüglich keine Konflikte mit ihrem
       Partner hätte.
       
       Wer putzt was – und vor allem wie oft? Die einen klagen über die vielen
       blinden Flecken ihres Liebsten. Andere erledigen die Putz-Parade lieber
       gleich selbst, weil sich ihr Partner dabei extra immer so schrecklich
       ungeschickt anstellt. Und Besserverdienende [3][machen den
       Marie-Kondo-Move]: „Does it spark joy?“ – „Nope.“ Also zaubert man eine
       Reinigungskraft herbei, die dann meistens auch wieder eine Frau ist.
       
       Und bei mir? So wie einige andere habe auch ich mir geschworen: Ich räume
       keinem Mann hinterher. Das funktioniert meistens prima. Nur manchmal muss
       ich den übervollen Müll ziemlich lange ertragen oder eine muttihafte Ansage
       machen. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass sich das Ungleichgewicht im
       Verlauf meiner eigenen Beziehung mal wieder in die entgegengesetzte
       Richtung entwickelt hat – zumindest, wenn ich bei ihm zu Besuch bin.
       
       Dann steht in der Regel er auf und macht Frühstück, startet die
       Waschmaschine und räumt saubere Gläser weg. „Kann ich noch was helfen?“,
       frage ich. – „Nö, bin gerade fertig geworden.“ –„Ach so …“ Deshalb kommen
       mir manchmal leise Zweifel: Bin ich in solchen Momenten wirklich eine
       Vorkämpferin für Frauenrechte – oder einfach nur faul?
       
       Denn das fairste Modell wäre ja eigentlich 50/50. Nun könnte man natürlich
       so argumentieren, dass nach Jahren weiblicher Ausbeutung jetzt
       grundsätzlich mal die Männer dran sind. Aber was haben meine häufig
       fleißigen Boyfriends mit der haushaltsfaulen Vätergeneration zu tun? Im
       Übrigen ist mir ihr Verwöhnprogramm nie ganz geheuer. „Sag mal, machst du
       das alles nur, damit ich irgendwann mit dir zusammenziehe – und dann hinter
       dir her räume?“, frage ich misstrauisch. Man hört ja die wildesten Sachen.
       
       23 Apr 2026
       
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