# taz.de -- 10 Jahre nach Panama Papers: Bewährungsstrafe gegen Ex-Chef der Skandalkanzlei
       
       > Der Finanzdienstleister Mossack Fonseca stand im Mittelpunkt eines
       > weltweiten Steuerskandals. Das Urteil in einem Prozess in Köln fällt
       > milde aus.
       
 (IMG) Bild: „Kein Finanzjongleur“: der Angeklagte (Mitte) zu Beginn des Prozesses in Köln
       
       Zehn Jahre nach dem weltweit bisher größten Schlag gegen Steuerhinterzieher
       und Geldwäscher ist am Mittwoch in Köln eine der früheren Führungsfiguren
       der Kanzlei Mossack Fonseca verurteilt worden. Die Strafkammer verhängte
       eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten, ausgesetzt auf 3 Jahre zur
       Bewährung, plus eine Geldauflage von 100.000 Euro gegen den Schweizer
       Christoph Zollinger.
       
       Zollinger hatte in dem [1][Verfahren am Landgericht Köln] zugegeben,
       Beihilfe zu besonders schwerer Steuerhinterziehung in 50 Fällen mit einem
       Gesamtschaden von mehr als 13 Millionen Euro geleistet zu haben. Als
       Miteigentümer der Kanzlei hatte er Klienten anonyme Briefkastenfirmen in
       Steueroasen eingerichtet.
       
       Die Vorsitzende der 16. Großen Strafkammer, Sabine Grobecker, sagte,
       Zollinger habe „den Steuerhinterziehern nicht direkt geholfen“ und sei
       geständig gewesen. Oberstaatsanwalt Lutz Niemann, der 2 Jahre auf Bewährung
       gefordert hatte, erklärte, der Angeklagte sei „kein Finanzjongleur wie etwa
       die Täter [2][in Cum-Ex-Verfahren“.]
       
       Mossack Fonseca war Ende 1987 von dem Deutschen Jürgen Mossack und dem
       Panamaer Ramón Fonseca Mora in Panama gegründet worden. Der
       Finanzdienstleister, zu dessen Eigentümern Zollinger gehörte, hatte seit
       Ende der 1980er Jahre mehr als 240.000 Briefkastenfirmen in Steueroasen
       eingerichtet.
       
       ## Folgen der Panama Papers
       
       Seit der Veröffentlichung der [3][sogenannten Panama Papers 2016] gehen
       Regierungen gegen dieses Geschäftsmodell vor. So sind in vielen Ländern,
       auch in Steueroasen, „[4][Transparenzregister“] eingeführt worden. In jedem
       Staat der Europäischen Union etwa müssen sich die „wirtschaftlich
       begünstigen“ Personen einer Firma, in diesem Register eintragen lassen.
       Allerdings kosten Verstöße gegen diese Pflicht nur eine Geldbuße von
       wenigen tausend Euro.
       
       Zudem sind die Transparenzregister als Folge eines Urteils des Europäischen
       Gerichtshofes in fast allen Ländern nicht öffentlich einsehbar. Die
       investigativen Münchner Journalisten Bastian Obermayer und Frederik
       Obermaier, die die Daten der Panama Papers als erste anonym zugespielt
       bekamen, beklagen das: „Transparenzregister sind nicht nur gut im Kampf
       gegen Steuerdumping, sondern auch beim Aufspüren von korrupten Politikern,
       Subventionsbetrügern und Sanktionsumgehern“, sagte Obermaier der taz. Wer
       die Öffentlichkeit aussperre, der übersehe, dass „einige der wichtigsten
       Fälle“ erst durch Journalistinnen und Journalisten ans Licht gekommen
       seien.
       
       ## Maßnahmen-Klein-Klein
       
       David Rüll, Sprecher des Bundesministeriums der Finanzen, schreibt in
       seiner Antwort auf eine Anfrage der taz, seit der Veröffentlichung der
       Panama Papers seien „bei der koordinierten Bekämpfung von schädlichem
       Steuerwettbewerb“ schon „signifikante Fortschritte“ erzielt worden. Firmen
       könnten ihre Gewinne nicht mehr einfach in Niedrigsteueroasen verlagern.
       „Zahlreiche einzelne Maßnahmen“ dagegen seien von Deutschland und den
       EU-Mitgliedstaaten bereits umgesetzt worden. Zudem sei die [5][globale
       Mindestbesteuerung von Unternehmen] „ein Erfolg im multilateralen Einsatz
       gegen Steuerdumping“.
       
       Obermaier bleibt jedoch skeptisch: „Im Kampf gegen Steuerdumping werden
       minimale Fortschritte zum großen Wurf erklärt – und das, während
       EU-Mitglieder wie Malta, Luxemburg und Irland nichts anderes als
       Steueroasen sind.“
       
       Tatsächlich haben sich 2021 rund 130 Staaten geeinigt, Gewinne von
       Großunternehmen mit mindestens 15 Prozent Steuern zu belegen. Dadurch
       sollen europäische Konzerne keine Gewinne in Tochterfirmen verschieben
       können, die nur aus einem Briefkasten in einer Steueroase bestehen.
       
       Die Veröffentlichung der Panama Papers vor zehn Jahren hat nicht nur die
       Öffentlichkeit aufgeschreckt. Auf allen Kontinenten trieben
       Steuerfahnder*innen daraufhin mehr als eine Milliarde Euro an
       hinterzogenen Steuern und über Strafzahlungen zurück in öffentliche Kassen.
       Starregisseur Steven Soderbergh verfilmte die Story mit Meryl Streep und
       Antonio Banderas unter dem Titel „The Laundromat“.
       
       22 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Nüse
       
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