# taz.de -- AfD-Streit um Außenpolitik eskaliert: Fraktionsvorstand ruft Putins Cellisten zur Ordnung
       
       > Der AfD-Abgeordnete Matthias Moosdorf hat den außenpolitischen Sprecher
       > Markus Frohnmaier wüst kritisiert. Dafür kassiert er nun ein
       > Ordnungsverfahren.
       
 (IMG) Bild: AfD-Politiker und Putin-Freund Matthias Moosdorf
       
       Mit welchem Autokraten will die AfD künftig kuscheln – Trump oder Putin?
       Das ist eine der Kernfragen im eskalierten Streit in der AfD-Fraktion im
       Bundestag. Der Fraktionsvorstand der extrem rechten Partei hat ein
       Ordnungsverfahren gegen den Abgeordneten Matthias Moosdorf eingeleitet. Der
       hatte zuvor eine Mail an alle Fraktionsmitglieder geschrieben, die sich wie
       ein Brandbrief liest und in der er vor allem den außenpolitischen Sprecher,
       Markus Frohnmaier, scharf angreift.
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass Moosdorf, von Beruf Cellist, Ärger
       bekommt. Seine politischen Einlassung liegen häufig erstaunlich nah an der
       Kreml-Linie. So weit, so normal. Weil der AfD-Politiker aus Sachsen aber
       allzu dreist eine Honorar-Professur an einer Moskauer Universität
       angenommen hat, häufig nach Russland reiste und [1][auch noch auf Putins
       Kosten in Russland Konzerte gab], wurde er in der vergangenen Legislatur
       als außenpolitischer Sprecher abgewählt. Sein Nachfolger: Frohnmaier.
       
       Moosdorfs Mail liegt der taz vor. Darin echauffiert sich der 61-Jährige,
       wichtige Themen würden in der Fraktion zielgerichtet abgewürgt. „Dass die
       Fraktion in einer geopolitischen Ausnahmesituation keine Debatten über
       wichtige Weichenstellungen zulassen möchte – weil dies angeblich ‚keine
       Gewinnerthemen‘ sind. Sehr befremdlich!“
       
       Dann greift Moosdorf frontal Frohnmaier an, geißelt ihn für seine fehlende
       Ausbildung und Berufserfahrung, für [2][Vetternwirtschaft] und Inkompetenz:
       Bei vielen Kollegen, Mitgliedern und in der Öffentlichkeit entstehe der
       „Eindruck einer strukturellen Problematik, die unserer politischen
       Glaubwürdigkeit nachhaltig schadet“. Gerade in der Außenpolitik erschienen
       „die aktuelle politische Positionierung von Frohnmaier im Arbeitskreis
       Außen, die intellektuelle Durchdringung der komplexen Situationen, späte
       und oft falsche Bewertungen, aber auch richtige Entgleisungen zunehmend
       fragwürdig“.
       
       ## Auffällig: Kein Problem mit Putins Krieg
       
       Moosdorf vermisse analytische Präzision, diplomatisches Gespür und
       historisches Bewusstsein. Diese Maßstäbe seien in „eklatanter Weise
       verfehlt“ worden. Es gehe nicht um einzelne missglückte Formulierungen,
       sondern um ein „wiederkehrendes Muster mangelnder Urteilskraft“. Als
       Beispiel nennt er eine Äußerung Frohnmaiers zum Beginn des Irankriegs:
       Dieser hatte von „chirurgischer Präzision“ gesprochen. Dabei hatten die USA
       bei ihrem Angriff auf Teheran auch eine Mädchenschule bombardiert, 160
       Menschen starben. Frohnmaier sei entkoppelt von der Realität und seine
       Wortwahl „zynisch und unangemessen“, kritisiert Moosdorf.
       
       Frohnmaier, eigentlich für seine notorische Nähe zu Russland bekannt, hatte
       vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg versucht, mit guten Beziehungen
       zum US-amerikanischen MAGA-Lager aufzutrumpfen. Doch dann hat Trump zwei
       Länder angegriffen und die Weltwirtschaft abgewürgt – sodass selbst die AfD
       sich zur Distanzierung veranlasst sah.
       
       Moosdorf schreibt: „Wer im Angesicht von Völkerrechtsbrüchen und
       Kriegsverbrechen weiter undifferenziert ‚an der Seite unserer
       amerikanischen und israelischen Freunde‘ Politik machen möchte, handelt
       nicht nur gegen deutsche Interessen.“ Am Ende fordert er nichts anderes als
       Frohnmaiers Kopf – man müsse die personelle Besetzung im Arbeitskreis Außen
       überprüfen, so Moosdorf.
       
       ## Das geht doch netter
       
       Kritik an der AfD-Zurückhaltung gegenüber russischen Kriegsverbrechen gibt
       es bei Moosdorf naturgemäß nicht. Im jetzigen Ordnungsverfahren hat
       Moosdorf bis Freitag Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Auf taz-Anfrage
       äußerte er sich bislang nicht.
       
       Seine Partei- und Fraktionschefs Alice Weidel und Tino Chrupalla sagten am
       Dienstag auf Fraktionsebene des Bundestags, dass es weniger der Inhalt,
       sondern vor allem die Art und Weise der Kritik gewesen sei, die zur
       Ordnungsmaßnahme gegen Moosdorf geführt habe. „Manche schreiben gerne
       Briefe, anstatt das bilateral zu lösen und müssen nun die Konsequenzen
       tragen“, sagte Weidel.
       
       Mit welchem Autokraten sie selbst kuscheln wollen? Mit Trump derzeit
       jedenfalls nicht: Weidel kritisierte mit Blick auf die am Mittwoch endende
       Waffenruhe zwischen Iran und USA: „Die Akteure sind sich nicht im Klaren,
       was sie da angestoßen haben. Der Iran wird den Verhandlungspreis in die
       Höhe treiben, dass er gesichtsverlierend für die USA sein wird.“
       
       21 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100545748/kreml-finanzierte-auftritte-fuer-afd-abgeordneten.html
 (DIR) [2] /AfD-bei-Landtagswahl-Baden-Wuerttemberg/!6160418
       
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 (DIR) Gareth Joswig
       
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