# taz.de -- Drogensüchtiger Rapper Capital Bra: Der Drogendings und das Ding mit den Drogen
       
       > Capital Bra streamt nach einer Überdosis live aus dem Krankenwagen auf
       > TikTok. Eine Doku über den Rapper dürfte kaum neue Perspektiven auf Sucht
       > bieten.
       
 (IMG) Bild: Cover des Albums „Berlin lebt“ von Capital Bra
       
       Ob man sieht, dass er sich schämt, fragt er und schaut hilfesuchend in die
       Kamera. Er bereue es, Tilidin mit seinen Songs populär gemacht zu haben, so
       der [1][Berliner Rapper Capital Bra] in einer Strg_F-Doku. In Zukunft wolle
       er der Droge keine Bühne mehr geben. Fünf Jahre später: Der paranoide
       Rapstar liegt nach einer Überdosis im Rettungswagen und streamt live auf
       Tiktok: „Hilf mir!“, wimmert er. Was er genommen hat, will der Arzt wissen.
       „Xanax, Tilidin, Kokain.“ Dann bricht der Livestream ab.
       
       In der Nacht zu Montag konnten die 2,3 Millionen TikTok-Follower von
       Vladislav Balovatsky, wie Capital Bra bürgerlich heißt, live dabei sein,
       als er in die Klinik eingeliefert wird. Neu ist das Drogenproblem des
       fünffachen Vaters nicht. Elf Alben hat er dem Konsum gewidmet – nicht
       gerade kritisch: „Gib mir Tilidin, ja, ich könnte was gebrauchen / Wodka-E,
       um die Sorgen zu ersaufen“ rappt er, oder „Drogen, Geld, Waffen, ich liebe
       diese Dinge.“
       
       Capital Bra ist einer der erfolgreichsten – und polarisierendsten – Rapper
       Deutschlands: 22 Nummer-1-Hits, Milliarden Streams. Neben Chartrekorden
       [2][prägen Sexismus, Sympathie für die AfD und Drogenexzesse sein Image].
       Der gebürtige Sibirier kam mit sieben Jahren aus der Ukraine nach
       Berlin-Hohenschönhausen. Schon als 15-Jähriger sei er mit Tilidin in
       Kontakt gekommen, erzählt der 31-Jährige Strg_F – und warnt vor der Droge,
       von der er trotz mehrerer Entzüge erneut abhängig ist.
       
       Oder doch nicht? Glaubt man Capital Bra, war der Livestream Anfang der
       Woche ein großes Missverständnis. Verantwortungsübernahme: Fehlanzeige.
       „Sorry, ich wollte euch nicht so viele Sorgen machen Leute“, sagte er
       wenige Stunden später in einem Instagram-Video. „Aber ich sag euch ehrlich:
       Wenn man Unterkühlung bekommt und dann als Drogendings abgestempelt wird,
       ist nicht cool.“ Sein Manager blieb realistischer: Capital Bra habe
       „manchmal eine Macke, was die Drogen angeht“.
       
       ## Doku über den „echten“ Capital Bra
       
       Über den „Drogendings“ soll noch in diesem Jahr eine Doku erscheinen: „Der
       Weg ins Licht“. Sie soll den „echten“ Capital Bra zeigen, mit all seinen
       „Höhen und Tiefen.“ Der Rapper ist überzeugt: „Das wird was ganz
       Besonderes.“ Die Autorin dieses Textes ist überzeugt: Das wird es nicht. Es
       braucht nicht à la Haftbefehl eine weitere Doku über einen weiteren
       suchtkranken Rapper, der über Selbstzweifel klagt und Verantwortung
       relativiert. Es braucht nicht noch einen Familienvater, der lamentiert „ich
       muss mich selbst aushalten“ (Capital Bra im Doku-Trailer), während Frau und
       Kinder diejenigen sind, die die Folgen seines Handelns aushalten müssen –
       ohne Einfluss darauf.
       
       Die anhaltende Verherrlichung, Ästhetisierung und auch Normalisierung von
       Drogen im Rap hat Auswirkungen. Nach der Veröffentlichung von Capital Bras
       Song „Tilidin“ berichtet etwa ein Dealer Strg_F von einer deutlich
       gestiegenen Nachfrage nach der Droge – vor allem, um den Konsum
       anschließend auf Snapchat und Instagram zu inszenieren. [3][Jugendliche
       sagen, sie wollten sich durch den Konsum Künstlern wie Capital Bra näher
       fühlen].
       
       „Macht es nicht. Ihr kommt uns damit nicht näher“, warnt der Rapper. Näher
       kommen die Fans damit nur dem Tod. Während die Zahl der drogenbedingten
       Todesfälle bundesweit abnimmt, steigt sie in Berlin an. [4][Die Berliner
       Polizei verzeichnete 2024 mit 294 Opfern einen Höchststand] an Drogentoten
       – und sie werden immer jünger. 40 der Opfer waren unter 26 Jahren, darunter
       auch fünf Minderjährige.
       
       21 Apr 2026
       
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