# taz.de -- Die Wahrheit: Sexuell belästigte Hecke
> Hinter den Schranken der Gerichte spielen sich mitunter seltsame Dramen
> ab und Delinquenten versuchen, mit abstrusen Ausreden davonzukommen.
Das Leben als Gerichtsreporter bringt aufregende Erkenntnisse. Zum
Beispiel: Es ist möglich, betrunken zu werden, ohne sich erst mit hohem
Zeitaufwand Alkohol in den Rachen gießen zu müssen. Die komfortable – und
auch noch kostenlose! – Rausch-Variante basiert auf dem sogenannten
Eigenbrauer-Syndrom. Am Kamener Kreuz fasste die Polizei einen Autofahrer
mit knapp 2 Promille im Blut. Er war in die Leitplanke gekracht. Vor dem
Strafrichter berief der Mann sich auf besagtes Syndrom: außer Rand und Band
geratene Bakterien und Pilze, die im Darm aus schierem Übermut fröhlich
Alkohol fabrizieren, wo vorher keiner war.
Trotz seines, nun ja, Leidens bekam der Fahrer eine Geldstrafe wegen
fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs. Offen blieb beim
Prozesstermin, ob er vielleicht nicht doch schon vor dem Losfahren über die
Vorgänge in seiner unteren Körperregion im Bilde war. Da ins Detail zu
gehen, hätte das Verfahren unnötig aufgebläht, fand der Richter – und
aufgebläht war ja anscheinend schon der Bauch des Angeklagten.
Was ebenfalls offen bleibt: Wie verbreitet ist das Eigenbrauer-Syndrom in
Deutschland? Auf unsere Brautradition im Allgemeinen bilden wir uns ja eine
Menge ein. Quellen im Internet legen sich in Sachen Eigenbräu nicht genau
fest. Übrigens, hübsch wäre in dem Zusammenhang irgendwas
Verschwörungstheoretisches. Zum Beispiel: Lebensmittelhersteller machen das
Volk durch Zusatz bestimmter Stoffe dauerblau und gefügig. Und wenn schon
nicht alle Lebensmittelhersteller, dann aber doch wenigstens die Caterer
von Regierungs-Pressekonferenzen, Regierungs-Talkshows mit Caren Miosga und
Regierungs-Kabarettabenden mit Dieter Nuhr.
## Täter ohne Alkohol
Traditionell gelingt es jedoch den meisten Delinquenten unseres kleinen
Amtsgerichts ganz ohne Nutzung von selbstgemachtem oder gekauftem Alkohol,
sich danebenzubenehmen. Zu denen, die’s geschafft haben, zählt ein viriler
Enddreißiger. Vergangenen Sommer hatte er ein lesbisches Paar genervt –
schlicht, weil es ein lesbisches Paar ist.
Tatort war der Rand des Grundstücks, das von den Frauen bewohnt wird. Dort
stehen Büsche. Einen habe sich der Mann gegriffen und Kopulationsbewegungen
daran ausgeführt, hieß es in der Verhandlung. Seine Kinder hätten ihm dabei
zugeschaut und die Bewegungen nachgeahmt. Oha. Wenn es um „unsere Kinder!“
geht, möchte sich selbst unter den dümmsten Störenfrieden niemand etwas
Böses nachsagen lassen. Deshalb versicherte der Mann dem Richter: „Ich habe
niemals eine Hecke sexuell belästigt.“
Die Frauen hatten später mit dem Handy noch ein paar kernige Beleidigungen
festgehalten. Der Mann bekam eine Strafe. Der Fall ist damit abgeschlossen.
Puh, ein Glück! Epstein-Files für Botaniker – das hätte noch gefehlt.
Präventionstipp: Leute, pflanzt Brennnesseln!
21 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Andreas Milk
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