# taz.de -- Klimaschutz auf hoher See: Schiff ahoi, ohne CO₂?
> Die Seeschifffahrt will klimaneutral werden. Die Einigung auf praktische
> Schritte haben zuletzt die USA torpediert. Jetzt gibt es wieder
> Verhandlungen.
(IMG) Bild: Die Seeschifffahrt ist für etwa drei Prozent der global emittierten Treibhausgase verantwortlich
Fährt die Seeschifffahrt jetzt einer strahlenden CO₂-neutralen Zukunft
entgegen? Als erste Industrie überhaupt hatte sich die maritime Wirtschaft
[1][ein Netto-Null-Ziel gesteckt] – weltweit. Es soll 2050 erreicht sein.
Zusammen mit den Zwischenmarken für 2030 und 2040 hat die
Weltschifffahrtsorganisation (IMO) vor zwei Jahren einen schiffbaren
Reduktionskurs eingeschlagen. Aber die handfesten Maßnahmen fehlen noch. Um
die soll es ab Montag bei internationalen Verhandlungen gehen.
Im Oktober 2025 hatte der Umweltausschuss der IMO schon ein dickes
Klimapaket voller Maßnahmen geschnürt. So sollen Reedereien im Globalen
Süden bei der grünen Transformation von reichen Konzernen wie Maersk, MSC
und Hapag-Lloyd finanziell unterstützt werden. [2][Im Vorfeld der damals
angesetzten Herbsttagung strotzten selbst Umweltverbände in Deutschland
noch vor Optimismus]. Doch in letzter Minute gelang es den Diplomaten des
[3][US-Präsidenten Donald Trump] im Flottenverband mit Ölstaaten am
Persischen Golf, ein Verhandlungsergebnis in London zu torpedieren.
Nun nimmt die International Maritime Organisation von Montag bis Freitag
einen erneuten Anlauf. Doch dieses Mal geben sich Umweltverbände wenig
erwartungsfroh. „Wir erwarten weitere Bemühungen ölexportierender Staaten,
einen fossilen Geschäftsbetrieb der maritimen Branche zu verankern“, sagt
Lukas Leppert, Verkehrsexperte des Umweltverbands Nabu, der taz. „Erneut
liegt es in den Händen der progressiven Mitgliedstaaten, sich dem zu
widersetzen, im Rahmen konstruktiver Dialoge Unklarheiten aus dem Weg zu
räumen und so den Weg zur Verabschiedung des Maßnahmenpakets zum Schutz des
Klimas zu bereiten.“
Bereits im Oktober hatte sich eine Mehrheit auf einen tragfähigen
Kompromiss verständigt. Diese Mehrheit sei nun gefragt, „stark zu bleiben“,
so Leppert. Jenes nun in London erneut auf dem Tagungstisch liegende
Klimapaket, das sogenannte Net-Zero Framework, basiert auf der
IMO-Treibhausgasstrategie, einer umfassenden Folgenabschätzung sowie
jahrelanger Verhandlungen. „Die positive Verabschiedung des existierenden
Maßnahmenpakets durch eine Mehrheit der Mitgliedstaaten ist möglich und
muss Ziel der Verhandlungen dieses Jahr sein“, sagt Nabu-Experte Leppert.
Einstimmigkeit ist selbst für grundlegende Beschlüsse nicht notwendig. Es
genügt eine Zweidrittelmehrheit, um weltweite Standards zu setzen.
Die Seeschifffahrt ist für etwa drei Prozent der global emittierten
Treibhausgase verantwortlich. Um das Netto-Null-Ziel erreichen zu können,
sind auch viele Reedereien, Werftunternehmen und Häfen an einer schnellen
Verabschiedung eines handfesten Maßnahmenpakets interessiert. In einem
Online-Hintergrundgespräch wiesen Experten des internationalen
Klimanetzwerkes Global Strategic Communications Council auf technische
Herausforderungen hin. Containerfrachter und Tanker haben eine Lebensdauer
von etwa 30 Jahren. Für die grüne Transformation bedürfe es aber neuer
Schiffe, grüner Treibstoffe wie Methanol und Ammoniak – die bislang kaum
produziert werden – und es bedürfe eines aufwendigen Ausbaus der
Infrastruktur an Land.
20 Apr 2026
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