# taz.de -- Klimaschädlicher Seehandel: Technologieoffene Tanker fahren nicht auf Klima-Kurs
> Ein Bericht hat für den Bundestag untersucht, wie der Seehandel
> klimaneutral werden kann. Die USA und andere durchkreuzen die Rechnung.
(IMG) Bild: Schiff ahoi in die technologieoffene Fossilzukunft
Der weltweite Schiffsverkehr verursacht rund doppelt so viele
klimaschädliche Emissionen wie Deutschland. Das Büro für
Technikfolgenabschätzung beim Bundestag, kurz TAB, [1][hat nun untersucht],
wie Handelsschiffe ihre Emissionen auf dem Weg in die Klimaneutralität
senken können.
Dazu veröffentlichte das TAB am Freitag einen Bericht. Die AutorInnen
kommen dabei zu dem Schluss, dass besonders klimaneutrale Treibstoffe
Erfolg versprechen. ExpertInnen halten das allerdings nicht für
ausreichend, insbesondere fehle eine internationale Verpflichtung zur
Klimaneutralität.
Der [2][weltweite Handelsschiffsverkehr] befeuert den Klimawandel zu einem
beträchtlichen Teil. 2018, als zuletzt weltweit Daten erhoben wurden,
ließen sich 3 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen auf
Handelsschiffe zurückführen. Zum Vergleich: Der Anteil Deutschlands am
menschengemachten Klimawandel liegt aktuell bei 1,5 Prozent der globalen
Emissionen.
Handelsschiffe transportieren große Mengen an Gütern über lange Routen auf
den Weltmeeren. Dafür brauchen sie große Mengen Energie. Klassische
klimafreundliche Alternativen zum derzeit dominierenden Schweröl, Batterien
zum Beispiel, haben dafür meist zu wenig Leistung. Deshalb müssen
IngenieurInnen kreativ werden und nach Alternativen suchen.
## ExpertInnen fordern mehr als alternative Kraftstoffe
Das Science Media Center hat ExpertInnen zum TAB-Bericht nach ihrer
Einschätzung gefragt. Die Resonanz: Der Bericht habe Substanz, konzentriere
sich aber zu stark auf Wasserstofftreibstoffe, sogenannte E-Fuels.
ForscherInnen diskutieren seit Jahren, ob Schweröl ersetzt werden könnte
durch Treibstoffe aus Wasserstoff, Biokraftstoffe oder Atomantriebe. Andere
WissenschaftlerInnen plädieren für effizienteres Design, wie Schiffsrümpfe,
die den Treibstoffverbrauch senken, oder moderne Segel, durch die der Wind
den Motoren Arbeit abnimmt.
Die Position vertritt auch Jonathan Köhler vom Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung. Er sagt, der TAB-Bericht unterschätze
Windantriebe. Die Technologie werde bereits im kommerziellen Betrieb
genutzt und brauche keine neue Infrastruktur für Kraftstoffe, so Köhler.
Windantriebe könnten innerhalb einer Wartungsperiode installiert werden.
„Im Vergleich zu E-Kraftstoffen brauchen sie keine aufwendige Nachrüstung“,
sagt der Forscher. Die Anzahl von Windantrieben für Schiffe wachse
gegenüber dem Stand im Bericht nahezu exponentiell.
## Gegenwind durch USA und Öl-Staaten
Technisch tut sich gerade zwar viel in der Seeschifffahrt. Aber auf
internationaler Ebene rückt die Klimaneutralität weiter in Ferne. Michael
Vahs ist Kapitän und Forscher an der Hochschule Emden/Leer sowie Co-Leiter
der Fraunhofer-Arbeitsgruppe Nachhaltige Maritime Mobilität. Er teile zwar
die technischen Annahmen des Berichts, sagte er. Aber: Die AutorInnen
vernachlässigten, dass die IMO ihre Entscheidung zur Klimaneutralität
vergangenen Herbst um ein Jahr aufgeschoben habe. Vahs sagt, die
[3][Blockade durch die USA] und weitere Staaten mit Interesse am Öl- und
Gasgeschäft sei bemerkenswert gewesen und habe die maritime Industrie
verunsichert. Vahs sagt: „Die Entwicklung bei der Dekarbonisierung der
Schifffahrt ist eindeutig zu langsam.“
Auch Nora Wissner vom Öko-Institut sagt: „Idealerweise sollten Regularien
für den Klimaschutz im Seeverkehr auf internationaler Ebene vereinbart
werden.“ Im aktuellen politischen Klima sei unklar, ob die IMO ihren
Beschluss zur Klimaneutralität noch weiter aufschiebe.
6 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://dserver.bundestag.de/btd/21/039/2103953.pdf
(DIR) [2] /Arbeitsbedingungen-auf-Schiffen/!6149674
(DIR) [3] /Klimaschutz-in-der-Schifffahrt/!6122326
## AUTOREN
(DIR) Tim Feldmann
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