# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Toter und viele Verletzte bei russischen Angriffen in der Ukraine
       
       > Auch Russland meldet Attacken: auf einen Ostsee-Hafen und auf die Krim.
       > Derweil haben die USA die Sanktionen auf russisches Öl ein weiteres Mal
       > für einige Wochen gelockert.
       
 (IMG) Bild: In Kyjiw sind die Aufräumarbeiten nach den russischen Drohnenangriffen vom Freitag noch nicht beendet worden, da werden schon wieder neue Attacken auf Städte in der Ukraine gemeldet
       
       ## Ein Toter bei russischen Angriffen auf die Ukraine
       
       Bei russischen Angriffen sind in der Ukraine nach Angaben örtlicher
       Behörden mehr als zwei Dutzend Menschen verletzt und mindestens ein Mensch
       getötet worden. Der ukrainische Militärverwalter in der Region Donezk,
       Wadym Filaschkin, sprach am Samstag in sozialen Medien von einer getöteten
       Zivilperson bei einem Angriff auf die Stadt Mykolajiwka. Weitere
       Behördenvertreter meldeten insgesamt mindestens 26 Verletzte bei Angriffen
       im Norden und Osten des Landes. Unter anderem sei der Hafen von Odessa
       beschossen worden, hieß es.
       
       Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, Russland habe in der Nacht 219
       Drohnen gegen die Ukraine eingesetzt, von denen 190 abgeschossen worden
       seien. (ap)
       
       ## USA lockern Sanktionen auf russisches Öl ein weiteres Mal
       
       Die USA lockern angesichts der im Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise ein
       weiteres Mal für einige Wochen Sanktionen auf russisches Öl. Der Verkauf
       und die Lieferung von russischem Öl, das bis zur Nacht auf Freitag auf
       Schiffe geladen wurde, ist bis zur Nacht auf den 16. Mai (US-Ostküstenzeit)
       von US-Verboten ausgenommen, wie eine Behörde des US-Finanzministeriums
       mitteilte. Die USA versuchen damit erneut, globale Energiemärkte zu
       beruhigen.
       
       Eine solche Ausnahme hatten die USA bereits Mitte März gemacht, die bis zum
       11. April dauerte. Kritiker bemängelten, Russland werde dadurch finanziell
       gestärkt. Der Kreml nutzt die Einnahmen aus der Ölindustrie zur
       Finanzierung seines Kriegs gegen die Ukraine.
       
       Der für Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland zuständige Kremlgesandte
       Kirill Dmitrijew lobte die Maßnahme. „Viele Länder, darunter die USA,
       verstehen die entscheidende und systemrelevante Bedeutung russischen Öls
       und Gases für die Stabilität der Weltmärkte“, schrieb er auf Telegram. Die
       zunächst befristete Aufhebung der Sanktionen werde dabei „Hysterie bei den
       Kriegstreibern in der EU und Großbritannien“ auslösen, freute er sich. Die
       westlichen Industrieländer hatten wegen des von Russland begonnenen Kriegs
       in der Ukraine Sanktionen gegen Moskau verhängt.
       
       Es gibt seit Jahren Sanktionen der USA, die [1][den russischen Ölsektor]
       betreffen. Länder und Unternehmen, die mit Russland Geschäfte machen,
       könnten dabei im Normalfall selbst Gefahr laufen, Ziel von Sanktionen zu
       werden. (dpa)
       
       ## Ukrainischer Angriff auf Ostsee-Hafen nahe St. Petersburg
       
       Die Ukraine hat nach russischen Angaben zwei Industriestädte an der Wolga
       sowie einen Ostsee-Hafen nahe St. Petersburg mit Drohnen angegriffen. In
       der an Finnland grenzenden Region Leningrad wurde ein ‌Feuer im Hafen von
       Wyssozk gelöscht, wie Gouverneur Alexander Drosdenko mitteilt. Dort
       betreibt der Konzern Lukoil ein Terminal für den Export von Ölprodukten.
       Der Gouverneur der Region Samara, Wjatscheslaw Fedorischtschew, bestätigt
       zudem Angriffe auf Industrieanlagen in den Städten Sysran und
       Nowokuibyschewsk. Er nennt zwar keine genauen Ziele. In beiden Städten
       befinden sich jedoch Ölraffinerien, die im Verlauf des Krieges gegen die
       Ukraine bereits mehrfach getroffen wurden. (rtr)
       
       ## Ukrainischer Angriff auf Sewastopol
       
       Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte Marinestadt
       Sewastopol auf der Halbinsel Krim ist nach Behördenangaben in der Nacht ein
       Öldepot in Brand geraten. Das Feuer in einem Tank mit Kraftstoffresten sei
       durch abgeschossene Drohnen ausgelöst worden, schrieb der Verwaltungschef
       der Stadt, Michail Raswoschajew, auf der Plattform Telegram. Der Brand habe
       keine Auswirkungen auf die Treibstoffversorgung von Sewastopol.
       
       Verletzte gebe es keine, hieß es weiter. Darüber hinaus habe die Flugabwehr
       über der Stadt zwei weitere Drohnen abgeschossen. Die Angaben konnten
       zunächst nicht unabhängig überprüft werden. (dpa)
       
       ## Großbrand in einem Ölterminal in der russischen Region Krasnodar
       
       Behörden in der südrussischen Region Krasnodar melden einen Großbrand in
       einem Ölterminal. ‌224 Feuerwehrleute und 56 Fahrzeuge seien im Einsatz,
       ⁠um den Brand in dem Terminal in Tichorezk zu bekämpfen, teilt ‌der
       ‌regionale ⁠Krisenstab auf Telegram mit. Verletzte wurden nicht gemeldet.
       ‌Zur ‌Brandursache gibt es keine Angaben. (rtr)
       
       ## Ukrainischer Präsident beklagt Engpässe bei der Luftabwehr
       
       Russland intensiviert seit Wochen seine Angriffe im Krieg gegen das
       Nachbarland und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt
       Engpässe bei der Luftabwehr. Das Problem: Eine zu langsame Waffenproduktion
       im Westen bei gleichzeitig steigender Nachfrage auch durch den Iran-Krieg.
       
       Russland hat seine Waffenproduktion in den vergangenen Jahren nach oben
       geschraubt: von Drohnen über Marschflugkörper bis hin zu ballistischen
       Raketen. Nach Angaben von EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius
       produziert Russland nach wie vor deutlich mehr Waffen als die EU. Allein
       bei den Marschflugkörpern ist die russische Produktion demnach fast viermal
       so hoch wie in den EU-Ländern.
       
       Nach Angaben der monatlich erscheinenden Datenanalyse „Monitor Luftkrieg
       Ukraine“ stellt Russland derzeit wesentlich mehr ballistische Raketen her,
       als der gesamte Westen an Abfangraketen produziert.
       
       Das zeigt sich auch auf dem Schlachtfeld. „Die Menge der Flugkörper, die
       kommen, ist erheblich gestiegen in den letzten Jahren“, sagte
       Verteidigungsexperte Guntram Wolff von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel der
       Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die russischen Angriffe. Diese Menge
       abzufangen sei extrem aufwendig und gerade bei Marschflugkörpern und
       ballistischen Raketen nur mit teuren, modernen Systemen wie den Patriots zu
       schaffen.
       
       Das US-Luftabwehrsystem Patriot spielt eine wichtige Rolle beim Schutz
       ukrainischer Städte und Infrastruktur. Ein System kostet rund 400 Millionen
       Dollar (rund 340 Millionen Euro), eine Abwehrrakete je nach Modell eine bis
       vier Millionen Dollar.
       
       Die Nato-Länder und ihre Verbündeten können über den sogenannten
       Purl-Mechanismus Waffen für die Ukraine in den USA kaufen. Deutschland hat
       diese Woche angekündigt, der Ukraine „mehrere hundert Patriot-Raketen“ zu
       liefern – allerdings über einen Zeitraum von vier Jahren.
       
       Denn die Nachfrage ist weltweit hoch. Nato-Generalsekretär Mark Rutte
       bezifferte die Lieferzeit eines neuen Patriot-Systems im vergangenen Jahr
       auf zehn Jahre. Auch auf eine neue Abfangrakete müssen Käufer nach Angaben
       von Rüstungsexperte Fabian Hoffmann vom Zentrum für europäische
       Politikanalyse (CEPA) derzeit mindestens eineinhalb Jahre warten.
       
       Auch wenn es über die Bestände von Luftabwehrraketen keine öffentlichen
       Zahlen gibt: Vier Jahre Ukraine-Krieg haben die Vorräte verknappt. Der
       Patriot-Hersteller Raytheon kann im Jahr etwa zwölf Luftabwehrsysteme
       herstellen und nach Schätzungen rund 650 Abwehrraketen.
       
       Hoffmann zufolge wird die Nachfrage durch den Iran-Krieg noch steigen, „da
       die Golfstaaten nach dem Krieg ihre Bestände wieder auffüllen wollen“.
       Schätzungen zufolge wurden allein in den ersten Tagen des Iran-Kriegs 800
       Patriot-Raketen verschossen. Das sind mehr als die Ukraine in den
       vergangenen drei Jahren insgesamt eingesetzt hat, wie ukrainische
       Regierungsmitglieder Medien gegenüber mitteilten.
       
       „Kunden aus Europa, Asien und dem Nahen Osten sowie die Vereinigten Staaten
       selbst konkurrieren um begrenzte Produktionskapazitäten“, fasst Hoffmann
       zusammen. Die US-Regierung kann dabei je nach Veränderung der politischen
       Prioritäten in die Lieferreihenfolge eingreifen.
       
       Als Antwort auf diese Abhängigkeit fordern Politiker und Experten einen
       schnellen Ausbau der europäischen Produktionskapazitäten bei eigenen
       Luftabwehrsystemen wie Iris-T SLM oder Samp/T. Es sei „erstaunlich“, wie
       langsam es hier vorangehe, sagte Analyst Wolff. Nato-Generalsekretär Rutte
       und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mahnten am Donnerstag
       erneut mehr Geschwindigkeit bei Investitionen und Produktion an.
       
       Die Ukraine tut unterdessen das in ihrer Macht Stehende gegen die Engpässe
       bei der Luftverteidigung. So leisten ukrainische Experten [2][den
       Golfstaaten Beistand bei der Abwehr iranischer Drohnen]. In mehr als vier
       Jahren Krieg hat das Land sich zu einem Vorreiter in der Drohnenabwehr
       entwickelt. Die Abfangrate liegt laut Monitor Luftkrieg Ukraine zwischen 80
       und 90 Prozent, bei ballistischen Raketen sind es 35 Prozent. Im Gegenzug
       für die Hilfe erhofft sich Präsident Selenskyj womöglich Waffenhilfe,
       Luftabwehr oder Finanzmittel von den betroffenen Staaten.
       
       Zudem weitete die Ukraine zuletzt ihre Angriffe auf Produktionsstätten der
       russischen Rüstungsindustrie und Logistikzentren aus. „Wenn weniger Raketen
       geschickt werden können, wird die Abwehr leichter gemacht“, resümierte
       Wolff. (afp)
       
       ## Selenskyj warnt vor Kriegsbeteiligung von Belarus
       
       [3][Belarus] hat nach Angaben aus Kiew in grenznahen Gebieten zur Ukraine
       mit dem Ausbau von Straßen und dem Bau von Artilleriestellungen begonnen.
       „Wir gehen davon aus, dass Russland ein weiteres Mal versuchen wird,
       Belarus in seinen Krieg (gegen die Ukraine) hineinzuziehen“, schrieb der
       ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram. Er habe Anweisung
       gegeben, Minsk vor den Folgen zu warnen. Die Ukraine sei bereit, ihr
       Hoheitsgebiet und ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.
       
       „Die Art und die Folgen der jüngsten Ereignisse in Venezuela sollten die
       Führung von Belarus davon abhalten, Fehler zu begehen“, fügte er hinzu.
       Anfang Januar wurde der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro mit seiner
       Frau von US-amerikanischen Truppen über Nacht in die USA festgenommen und
       vor Gericht gestellt. (dpa)
       
       Belege für die Bautätigkeiten in Belarus legte Selenskyj nicht vor. Im
       Februar 2022 war die russische Armee auch von belarussischem Territorium in
       die Ukraine einmarschiert. (dap)
       
       18 Apr 2026
       
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