# taz.de -- Abtritt des Linkspartei-Chefs: Gesundheit ist wichtiger als Macht
       
       > Jan van Aken zieht sich aus der ersten Reihe der Politik zurück. Das ist
       > schade, aber in Zeiten der Retro-Männlichkeit ein wichtiges Signal.
       
 (IMG) Bild: Jan van Aken wusste, dass es Zeit war zu gehen, eine seltene Qualität unter Männern dieser Tage
       
       Helmut Schmidt war Kettenraucher, lag ein paarmal bewusstlos auf dem Boden
       des Kanzleramts in Bonn und bekam mehrere Herzschrittmacher eingesetzt.
       Nach seiner Kanzlerzeit brüstete er sich mit Pflichterfüllung und so.
       
       Die Generation Wehrmacht ist nun schon länger tot, aber das Männerbild,
       dass man hart zu sich selbst sein müsse und ein gesundes Leben etwas für
       Weicheier sei, hielt sich doch ziemlich lange. Das lag auch an Schmidt,
       weil der Mann 96 Jahre alt wurde und viele Männer sich genau das mit
       Verweis auf den Ex-Kanzler einreden konnten. Dabei sprechen die Statistiken
       seit Jahrzehnten eine deutliche Sprache: Männer leben kürzer als Frauen,
       unter anderem deshalb, weil sie zu wenig auf sich und die Warnsignale von
       Körper und Seele achten.
       
       Zum Glück ändert sich – langsam – das Männerbild, und eine kleine, aber
       nicht ganz unbedeutende Rolle spielen dabei Männer, die im öffentlichen
       Leben stehen: [1][Kevin Kühnert machte mit 35] Schluss mit dem
       Hochleistungsberuf Spitzenpolitik und sagte: „Hier ist die Grenze für
       mich.“ Jetzt hat Jan van Aken angekündigt, wegen seiner Gesundheit nicht
       mehr als Linke-Parteichef anzutreten.
       
       Das ist bedauerlich für die Linkspartei, haben doch van Aken, [2][der Mann
       aus der Bewegungslinken mit Hamburger Schnoddercharme], und Ines
       Schwerdtner, die intellektuelle Strategin, ein ziemlich perfektes Tandem
       abgegeben. In seiner Erklärung machte Jan van Aken, der im nächsten Monat
       65 Jahre alt wird, eine klare Ansage, die aber immer noch ungewöhnlich ist
       für Männer des öffentlichen Lebens: „Ich muss auf mich aufpassen. Das tue
       ich hiermit.“
       
       Er sendet damit ein wichtiges Zeichen gerade an jene sich selbst
       überschätzenden Männer, dass man nur ein Leben hat und man(n) auf dieses
       Leben achten sollte. Und in Zeiten, in denen sich alte Autokraten wie Putin
       und Trump für unsterblich halten und global von den scheinbar harten Kerlen
       der Manosphere gefeiert werden, ist das ein wohltuendes Signal.
       
       16 Apr 2026
       
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