# taz.de -- Schach-Kandidatenturnier 2026: Mit jugendlicher Unbekümmertheit zum Sieg
       
       > Für viele kommt der Gewinner des Schach-Kandidatenturniers überraschend.
       > Wer ist dieser noch so junge Javokhir Sindarov und wie hat er sich
       > durchgesetzt?
       
 (IMG) Bild: Er darf nun den amtierenden Schachweltmeister herausfordern: Javokhir Sindarov
       
       Im Kandidatenturnier in Pegia, Republik Zypern, sind vom 28. März bis zum
       16. April acht Spieler gegeneinander angetreten, um den nächsten
       Weltmeisterschaftsherausforderer zu küren. Im WM-Match – vermutlich im
       November dieses Jahres – wird der Gewinner dann gegen den
       [1][Titelverteidiger Dommaraju Gukesh] aus Indien antreten. Hier die
       Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Turnier.
       
       Wer hat gewonnen? 
       
       Javokhir Sindarov, 20 Jahre alt, aus Usbekistan. Das kam für viele
       überraschend, denn als große Favoriten galten die beiden US-Amerikaner
       Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura. Aber insbesondere in der ersten
       Turnierhälfte zeigte Javokhir Sindarov eine derart außergewöhnliche
       Leistung, dass ihm bereits ab da der Sieg kaum noch zu nehmen war. Von den
       ersten sieben Partien gewann er ganze fünf, zweimal remisierte er: Eine
       solche Performance hat es in der Geschichte des Kandidatenturniers noch nie
       gegeben.
       
       Wer ist dieser Javokhir Sindarov? 
       
       Javokhir Sindarov ist noch nicht lange im Kreis der Weltspitze angelangt:
       Er stand auch national lange im Schatten seines Landsmanns Nodirbek
       Abdusattorov. Erst mit seinem Weltcupsieg voriges Jahr etablierte er sich.
       Vor dem Hintergrund ist es noch reichlich früh, über künftige schachliche
       Großleistungen zu spekulieren: Summa summarum hat Sindarov in seiner
       Karriere zwei außerordentliche Turniere gespielt. Das ist schon was, aber
       längst noch nicht genug, um in einer Reihe mit [2][Magnus Carlsen] genannt
       zu werden.
       
       Was bedeutet Javokhir Sindarovs Triumph?
       
       Auch Titelverteidiger Gukesh ist erst zarte 19 Jahre alt. Seit dem Sieg von
       Magnus Carlsen gegen Viswanathan Anand im Jahr 2013 findet damit erstmals
       ein Finale statt, in dem keiner der Spieler der Generation Carlsen
       angehört.
       
       Es gibt Gründe, von einem Generationenwechsel zu sprechen, insbesondere
       auch, weil mit Hikaru Nakamura – der beim diesjährigen Kandidatenturnier
       auf Platz fünf landete – einer der beherrschenden Spieler der Ära Carlsen
       vermutlich nun endgültig vom aktiven klassischen Schach zurücktritt.
       Andererseits haben andere Protagonisten dieser Jahrgänge bereits
       angekündigt, keineswegs aufstecken zu wollen, sondern jetzt erst recht noch
       einmal anzugreifen.
       
       Auch wenn die junge Generation, zu der auch die beiden indischen Spieler R.
       Praggnanandhaa und Arjun Erigaisi, aber auch [3][Vincent Keymer] und
       Alireza Firouzja gehören, die Weltspitze zu dominieren beginnt, hat sich in
       der Vergangenheit gezeigt, dass diesen jungen Spielern bisweilen noch die
       Konstanz fehlt. Entsprechend ist Sindarovs Sieg jetzt ein Schlaglicht, mehr
       aber noch nicht.
       
       Wie hat Javokhir Sindarov sich durchsetzen können? 
       
       Erstens war Sindarov außergewöhnlich gut vorbereitet und es gelang ihm
       immer wieder, die Gegner bereits in der Eröffnung in arge Schwierigkeiten
       zu bringen. Diese hervorragende Vorbereitung zeigte sich auch im
       Zeitmanagement: Durch die gute Planung konnte er sehr viel schneller ziehen
       als seine Kontrahenten, die dann regelmäßig in Zeitnot gerieten und dadurch
       Fehler machten.
       
       Überhaupt war sein Spiel durchdrungen von einem jugendlich-unbekümmerten
       Selbstvertrauen: Wenn er einen Weg sah, hielt er sich nicht damit auf,
       lange zu grübeln. Zwar führte das dazu, dass er bisweilen vielversprechende
       Gelegenheiten ausließ (Matthias Blübaum beispielsweise konnte sich so gegen
       ihn aus einer sehr unvorteilhaften Stellung ins Remis retten), aber diese
       Ungenauigkeiten waren im Vergleich marginal. Javokhir Sindarov spielte bis
       auf die erste Partie das ganze Turnier über nahezu fehlerlos.
       
       Es wird ihm sicher auch geholfen haben, dass er noch nicht so lange in der
       absoluten Weltspitze angekommen ist: Dadurch gab es viel weniger Material
       für seine Gegner, sich auf ihn vorzubereiten. Während es bei anderen
       Spielern Tausende von Partien auf höchstem Niveau in den Datenbanken gibt,
       baut sich dieser Wissensschatz bei Sindarov erst jetzt langsam auf.
       
       Und [4][Matthias Blübaum]? 
       
       Der erste deutsche Schachspieler in einem Kandidatenturnier seit 30 Jahren
       und großer Außenseiter spielte ein grundsolides Turnier. Seine Strategie,
       die Gegner kommen zu lassen, um dann im Konter eigene Chancen zu suchen,
       ging zwar nur teilweise auf: Da Sindarov die Tabelle derart dominierte,
       suchten Blübaums Kontrahenten selten das Risiko. So fanden sie kein Mittel
       gegen Blübaums geradlinigen, teutonischen Stil. Zwölf Unentschieden bei nur
       zwei Niederlagen sind aller Ehren wert, für ganz oben allerdings ist
       Blübaums Repertoire zu limitiert.
       
       16 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Duell-bei-Schach-WM/!6052165
 (DIR) [2] /Streit-um-die-Zukunft-des-Schachs/!6058251
 (DIR) [3] /Schach-Der-raketenhafte-Aufstieg-des-Vincent-Keymer/!6123144
 (DIR) [4] /Kandidatenturnier-zur-WM/!6147753
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frédéric Valin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schach
 (DIR) Schach-WM
 (DIR) Kandidaten
 (DIR) Zypern
 (DIR) Magnus Carlsen
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schach-WM
 (DIR) Schach-WM
 (DIR) Schach-WM
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kandidat für Schach-WM gesucht: Teutonischer Stil und eine frühe Feuerprobe
       
       Das Kandidatenturnier ist der härteste Wettbewerb im Schach. Auf Zypern
       wird der Herausforderer für den Weltmeister Gukesh Dommaraju ermittelt.
       
 (DIR) Schach-Weltmeisterschaft: Plötzlich Kandidat
       
       Matthias Blübaum hat sich überraschend für das Kandidatenturnier um die
       Schach-WM qualifiziert. Der 28-Jährige ist der erste Deutsche seit 35
       Jahren.
       
 (DIR) Schach-WM in Singapur: Zweifelnder Weltmeister
       
       Bei der anstehenden Schach-WM werden dem Titelverteidiger Ding Liren kaum
       Chancen eingeräumt. Der Chinese kämpft mit psychischen Problemen.