# taz.de -- Wahlen in Benin: Bollwerk gegen Islamisten und Militärputschisten
       
       > Benins „starker Mann“ Patrice Talon tritt nicht mehr an. Sein
       > Wunschnachfolger, Wirtschaftsminister Romuald Wadagni, soll nun für
       > Kontinuität sorgen.
       
 (IMG) Bild: Betont volksnah im Auftritt, aber exzellent bewacht: Benins Präsident Patrice Talon bei der Stimmabgabe, Sonntag
       
       Die Wahlzettel waren überschaubar. Auf der einen Seite des Papiers prangte
       das Foto von Finanzminister [1][Romuald Wadagn]i auf blauem Hintergrund,
       auf der anderen Seite das von Oppositionspolitiker [2][Paul Hounkpè] auf
       grünem Hintergrund.
       
       Dass bei den Präsidentschaftswahlen in Benin am Sonntag nur zwei Kandidaten
       zur Auswahl standen, ist kein Zufall. Die Hürden im Vorfeld waren so hoch,
       dass neben dem Regierungskandidaten und Hounkpès Partei FCBE (Forces Cauris
       pour un Bénin émergent) niemand die Zulassungskriterien erfüllte. Bereits
       im Januar bei den Parlamentswahlen war Benins Opposition komplett an einer
       20-Prozent-Hürde gescheitert. Die Regierungskoalition des amtierenden
       Präsidenten [3][Patrice Talon] hält damit alle 109 Sitze in der
       Nationalversammlung.
       
       Nach zehn Jahren an der Macht tritt Talon jetzt verfassungsgemäß nicht noch
       einmal an. Stattdessen steht mit dem 49-jährigen Finanzminister Romuald
       Wadagni sein designierter Nachfolger bereit. Eine echte Konkurrenz ist mit
       Paul Hounkpè nicht in Sicht, obwohl dessen Partei vor 2016 Benin zehn Jahre
       lang regiert hatte. Denn auch die Opposition ist zersplittert. Keine der
       Parteien, die es nicht ins Rennen schafften, gab im Vorfeld eine
       Wahlempfehlung ab, manche riefen gar zum Boykott auf.
       
       Viel spricht daher für einen Sieg Wadagnis und damit für Kontinuität. Offen
       bleibt höchstens die Wahlbeteiligung. 2021 lag diese bei nur noch 50
       Prozent gegenüber 65 Prozent bei den Wahlen von 2016.
       
       ## Hohes Wachstum, aber politische Anspannung
       
       Ähnlich wie Talon setzt Wadagni vor allem auf wirtschaftliche Entwicklung.
       Unter Talon, vor seinem Gang in die Politik einer der wichtigsten
       Unternehmer des Landes, hat Benins Wirtschaft ein beachtliches Wachstum
       hingelegt – rund 7 Prozent im Jahr laut IWF.
       
       Eine Herausforderung für Benin sind zunehmende [4][Angriffe islamistischer
       Gruppen] im Norden im Grenzgebiet zu Niger und Burkina Faso. Die
       zunehmenden Angriffe der mit Al-Qaida alliierten Dschihadistengruppen
       „Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) und „Islamischer Staat –
       Provinz Sahel“ (ISSP) auf militärische Einrichtungen und Zivilist*innen
       waren auch im Wahlkampf ein großes Thema. Entsprechend groß war das
       Aufgebot an Soldaten und Polizisten am Wahlsonntag.
       
       Die Verfassungstreue der Streitkräfte geriet im Dezember in Zweifel, als
       ein [5][Putschversuch] des Kommandeurs der Spezialkräfte, Pascal Tigri,
       Benin erschütterte. Er konnte binnen weniger Stunden mit militärischer
       Hilfe von Frankreich, Nigeria und der Elfenbeinküste [6][niedergeschlagen]
       werden, aber Tigri konnte außer Landes fliehen.
       
       Benins enge Beziehungen zum Westen dürften unter Wadagni erhalten bleiben,
       der seine Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer in Frankreich absolvierte. Am
       Wahltag selbst versicherte der scheidende Präsident Talon jedenfalls, sich
       mit dem Amtswechsel in den Ruhestand zurückziehen zu wollen und seinen
       Nachfolger nicht zu „beeinflussen“.
       
       12 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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