# taz.de -- Zukunft des RAW-Geländes: Clubkultur gegen Investorenträume
       
       > Die Bars, Clubs und Ateliers auf dem RAW-Gelände kämpfen um ihre
       > Existenz. Jetzt starten sie eine Plakataktion – und hoffen auf eine
       > günstige Wendung.
       
 (IMG) Bild: Friedrichshainer Gegensätze: Hinterm RAW-Gelände ragt der Amazon-Tower in die Höhe
       
       An der unverputzten Wand des Clubs Crack Bellmer auf dem [1][RAW-Gelände in
       Friedrichshain] sind die Motive schon mal zu sehen. Sie zeigen Impressionen
       vom Treiben auf dem Areal, etwa Skater, die hier in Berlins einziger
       Skate-Halle üben, oder Tanzende, die gerade im Cassiopeia feiern.
       
       Bald sollen sie auf Plakaten in der ganzen Stadt hängen. Die Aktion ist
       Teil der Kampagne „Berlin ist RAW“, die die soziokulturellen Institutionen
       des Geländes jetzt starten. Am Dienstag wurde sie vorgestellt, der Slogan
       dazu lautet: „Wenn der Kiez lebt, pulsiert die Stadt.“ Auf diese Weise
       wolle man die Vielfalt des RAW-Geländes in den Vordergrund stellen und
       nicht „den Konflikt“, betont Florian Falkenhagen, Betreiber des Clubs
       Cassiopeia und Sprecher des Zusammenschlusses der Clubs, Bars und anderen
       Kultureinrichtungen.
       
       Konflikt ist freilich eine milde Formulierung für [2][die verfahrene
       Situation], in der sich die Akteure des RAW-Geländes befinden. Die meisten
       von ihnen haben keine laufenden Mietverträge mehr, die weitere Nutzung
       ihrer Räumlichkeiten wurde ihnen inzwischen seitens des Eigentümers des
       größten Teils des RAW-Geländes untersagt.
       
       Das Immobilienunternehmen Kurth hat mit diesen Maßnahmen seine
       Unzufriedenheit mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf ziemlich
       drastische Weise zum Ausdruck gebracht. Kurth [3][will schon lange auf
       seinem Teil des Geländes bauen], ein gemeinsam mit dem Bezirk erarbeiteter
       Aufstellungsbeschluss besteht bereits.
       
       ## Deal einseitig aufgekündigt
       
       Doch seit einer Weile bekundet Geschäftsführer Lauritz Kurth, dass ihm die
       Ausarbeitung des Bebauungsplans zu lange dauere. Er fühle sich vom Bezirk
       ausgebremst. Besonders unzufrieden zeigte er sich gegenüber der seiner
       Meinung nach verschleppten Finalisierung eines ganz besonderen Deals
       zwischen ihm und dem Bezirk.
       
       Dieser sieht vor, dass Kurth nur dann in großem Stil seinen Teil des
       RAW-Geländes bebauen darf, wenn er gleichzeitig den bereits ansässigen
       Einrichtungen für mindestens 30 Jahre weiterhin günstige Mietkonditionen
       gewährt. So soll nach Wunsch des Grünen-Baustadtrats von
       Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, die gewachsene Infrastruktur aus
       Ateliers und Kultureinrichtungen weiterhin erhalten bleiben. Doch genau
       diesen Deal hat Lauritz Kurth einseitig aufgekündigt.
       
       Man befinde sich also in einer ziemlich diffizilen Lage, räumt Florian
       Falkenhagen am Dienstag ein. Man betreibe seine Läden gerade ja
       gewissermaßen illegal. Aber Schwierigkeiten wie diese nehme man gerne hin,
       wenn am Ende doch noch alles gut wird für die soziokulturellen
       Einrichtungen. Der Bezirk und Kurth verhandelten gerade wieder – und es
       sehe ganz gut aus, sagt er optimistisch. Details könne er aktuell nicht
       nennen, bis Mitte/Ende Mai erwarte man Ergebnisse.
       
       Der Aushandlungsprozess wird damit aber ziemlich sicher noch nicht
       abgeschlossen sein. Kurth will inzwischen selbst anders bauen, als bislang
       geplant, weniger Büros, dafür Wohnungen. Für ein derartiges Vorhaben
       müssten jedoch beispielsweise weitere aufwendige Schallschutzprüfungen
       vorgenommen werden, damit sich kulturelles Treiben auf dem Gelände und
       zukünftige Anwohnende nicht in die Quere kommen. Es wird also spannend
       bleiben bei der Frage, welche Zukunft das RAW-Gelände am Ende wirklich
       erwartet.
       
       14 Apr 2026
       
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