# taz.de -- Investor kündigt Mietverträge von Clubs: Überlebenskampf auf dem RAW-Gelände
       
       > Mehreren Clubs droht auf dem Friedrichshainer Hotspot für
       > Alternativkultur das Aus. Hintergrund ist der Konflikt über die geplante
       > Bebauung des Areals.
       
 (IMG) Bild: Die Clubs auf dem RAW-Gelände fürchten um ihre Existenz
       
       Der Kampf um den Erhalt und die Zukunft des Clubbetriebs und der
       soziokulturellen Einrichtungen auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain geht
       in die nächste Runde. Neben der bekannten Skatehalle fürchten inzwischen
       auch mehrere Clubs, darunter das beliebte Crack Bellmer, die Bar zum
       Schmutzigen Hobby, dem Lokschuppen und das Cassiopeia, das Aus.
       
       Aktivist:innen aus der Clubszene rufen an diesem Samstag zu einer
       Rave-Demo für den Erhalt des RAW-Geländes auf. Die SPD, die Grünen und die
       Linkspartei unterstützten den Aufruf. Die Demo wird vom Hermannplatz in
       Neukölln zum RAW-Gelände ziehen und mit Redebeiträgen auf die Situation vor
       Ort informieren, aber auch die angespannte Lage der Clubkultur in Berlin
       insgesamt mit in den Blick nehmen.
       
       In den letzten Monaten sind die Konflikte zwischen dem Eigentümer des
       Areals, dem Bezirk und den Clubbetreibern, die schon seit Längerem
       weitgehend hinter den Kulissen ausgetragen werden, eskaliert.
       
       Der Eigentümer des Geländes ist das Familienunternehmen Kurth, das seit
       2015 einen Großteil des Areals besitzt, wo sich mehrheitlich die bedrohten
       Einrichtungen befinden. [1][Kurth bemüht sich schon lange um eine
       Umgestaltung des Geländes]. Der sogenannte Aufstellungsbeschluss, der
       zusammen mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erarbeitet wurde,
       beinhaltet einen ganz besonderen Deal.
       
       ## Investor drängt, Bezirk verzögert
       
       Der sieht vor, dass Kurth im großen Stil Teile des Areals neu bebauen darf,
       unter anderem mit Bürobauten und einem Hochhaus, dabei aber die Belange der
       soziokulturellen Einrichtungen in einem ganz besonderen Maße berücksichtigt
       werden sollen. Entwickelt wurde hierbei die Idee eines Trägermodells, das
       weiterhin besonders günstige Konditionen für Clubs, Skatehalle, mehrere
       Ateliers und einen Kinderzirkus vorsieht, gesichert für mindestens 30
       Jahre. Als eine Art Auflage dafür, dass Kurth an anderer Stelle bauen darf.
       
       Doch darüber, wie schnell aus dem Aufstellungsbeschluss ein fertiger
       Bebauungsplan werden soll, gab es in den letzten Jahren offensichtlich
       unterschiedliche Vorstellungen. Kurth ging es zunehmend zu langsam voran,
       so äußerte Kurth sich auch öffentlich immer wieder. Und machte dafür den
       Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und insbesondere dessen Baustadtrat Florian
       Schmidt (Grüne) verantwortlich. Laut Kurth fehle dem Baustadtrat ein
       erkennbarer Wille, den gemeinsam gefassten Plan umzusetzen. Schmidt
       wiederum argumentiert, dass eine Vereinbarung dieser Art nun mal seine Zeit
       zur Umsetzung brauche, da auch rechtlich alles sorgfältig geprüft werden
       müsse, um allen Seiten, insbesondere der soziokulturellen Einrichtungen,
       die nötige Sicherheit zu gewährleisten.
       
       Letztere befinden sich in einer ziemlich undankbaren Rolle. Die
       Kulturbetreiber sind auf das Wohlwollen sowohl vom Eigentümer als auch vom
       Bezirk angewiesen und können es sich kaum leisten, öffentlich zu viel
       Unwillen über den stockenden Prozess oder Groll gegenüber Bezirk oder
       Eigentümer zu äußern. Gleichzeitig sind sie aber natürlich in besonderem
       Maße daran interessiert, dass die Lösung des Dilemmas möglichst schnell
       gefunden wird. Von einer solchen sind sie schließlich existenziell
       abhängig. Würde der Deal platzen, wäre es vorbei mit dem besonderen Schutz,
       den sie lange Zeit genossen und der ihnen eigentlich auch in Zukunft
       zugesichert werden soll.
       
       [2][Doch derzeit sieht es so aus, als könnte es tatsächlich zum Worst Case
       für sie kommen]. Ende letzten Jahres verlängerte Kurth die sowieso immer
       nur kurzfristig weiterlaufenden Mietverträge einiger Clubs und
       soziokulturellen Einrichtungen nicht. Offenbar mit der Absicht, den Druck
       auf den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zu erhöhen.
       
       ## Clubs als Druckmittel
       
       Inzwischen geht es Kurth dabei aber auch noch um eine Palette neuer
       Forderungen. Anstatt vor allem neue Büros, möchte er inzwischen auch
       Wohnungen auf dem Gelände bauen, obwohl ein Beschluss der
       Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg bislang ausdrücklich
       ein Wohnquartier auf dem Gelände ausschließt, um damit befürchtete
       Konflikte zwischen Kulturbetrieb und potenzieller neuer Anwohnerschaft
       auszuschließen.
       
       Baustadtrat Florian Schmidt zeigt sich im Gespräch mit der taz durchaus
       offen für die neuen Wohnungspläne Kurths. Lässt aber auch durchblicken,
       dass er das Vorgehen des Eigentümers – vorsichtig formuliert – für etwas
       nassforsch hält. Kurth wiederum hat unter anderem den eingangs genannten
       Clubs inzwischen die Nutzungserlaubnis entzogen, theoretisch halten sie
       ihre Betriebe aktuell nur noch illegal aufrecht.
       
       Kurth verlangt ein beschleunigtes Verfahren beim Prüfen des Brand- und
       Lärmschutzes für den von ihm vorgesehen Wohnungsbau. Außerdem möchte er
       endlich geklärt wissen, wer genau zuständig sein soll, um den geplanten
       Deal in der Praxis zu verwalten. Für seine Forderungen hat er eine
       informelle Deadline bis Ende dieses Monats gesetzt.
       
       Erpressen lassen wollen sich aber weder Florian Schmidt noch die Betreiber
       der Clubs auf dem Gelände. Einer von ihnen, der gegenüber der taz aufgrund
       der heiklen Situation anonym bleiben möchte, berichtet von den
       existenziellen Sorgen, dem Wunsch nach Sicherheit und auf eine endgültige
       Lösung des Konflikts. Aber sicherlich nicht um jeden Preis. Auch um seine
       Nöte und Ängste soll es gehen auf der Demo an diesem Samstag.
       
       26 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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