# taz.de -- Prozess in Frankreich: Zement-Konzern finanzierte Islamischen Staat
       
       > Der französische Zement-Konzern Lafarge zahlte Milizen in Syrien mehr als
       > 5 Millionen Euro. Ein Pariser Gericht hat die Leitung nun schuldig
       > gesprochen.
       
 (IMG) Bild: Betonmischer hier nicht in Syrien, sondern in Paris
       
       Der französische Zementhersteller Lafarge und acht frühere Mitglieder der
       Unternehmensleitung sind vom Pariser Strafgericht für die Finanzierung von
       terroristischen Banden, darunter der Islamische Staat (IS), schuldig
       erklärt worden. Der ehemalige Konzernchef Bruno Lafont wurde zu sechs
       Jahren Haft verurteilt. Gegen sieben seiner früheren Direktoren und
       Mitarbeiter wurden Haftstrafen von 18 Monaten bis sieben Jahren
       ausgesprochen. Für Organisationen wie Sherpa, [1][die im vergangenen Jahr
       in diesem Prozess als Nebenkläger aufgetreten waren,] ist das Urteil
       wegweisend für die strafrechtliche Verantwortung multinationaler Konzerne.
       
       Im Prozess ging es um das Werk Dschalabyia der Lafarge-Filiale im
       nördlichen Syrien in den Jahren von 2013 bis 2014. Während des Bürgerkriegs
       war dort die Produktion durch dschihadistische Milizen wie Dschabhat
       Al-Nosra und IS bedroht, die nacheinander die Zone kontrollierten. Statt
       sich wie andere ausländische Unternehmen aus Syrien zurückzuziehen und die
       verhängten Sanktionen zu respektieren, entschied sich Lafarge dafür, zu
       bleiben, und unter den für das Personal gefährlichen Umständen
       weiterzuproduzieren.
       
       Dazu finanzierte Lafarge die Milizen laut der Strafuntersuchung mit mehr
       als 5 Millionen Euro. Trotz dieser Schmiergelder musste die Anlage von
       Dschalabyia zuletzt dennoch wegen bevorstehender Attacken in improvisierter
       Weise evakuiert werden. Wenig später wurde Lafarge vom schweizerischen
       Konkurrenten Holcim übernommen. In den USA hatte sich Lafarge wegen der
       Aktivitäten in Syrien schuldig erklärt und 778 Millionen Dollar bezahlt, um
       einem Prozess zu entgehen.
       
       ## Konzern sah nur Wahl zwischen zwei schlechten Lösungen
       
       In den sechswöchigen Verhandlungen in Frankreich versuchte die angeklagte
       Konzernleitung zu ihrer Verteidigung geltend zu machen, [2][dass ihr
       erstens in den syrischen Bürgerkriegswirren die exakte Lage im Krisengebiet
       nicht ausreichend bekannt gewesen sei und dass zweitens die Millionen nur
       unter Zwang für den Schutz der Produktion und der Beschäftigten bezahlt
       worden seien]. „Wir hatten nur die Wahl zwischen ein schlechten und einer
       weniger schlechten Lösung“, sagte vor Gericht Ex-Vizegeneraldirektor
       Christian Herrault.
       
       Ein anderer Angeklagter versicherte, er habe aus Syrien dem französischen
       Nachrichtendienst wichtige Informationen für den Kampf gegen den
       Terrorismus zukommen lassen, was allerdings ein Zeuge für den
       Inlandsnachrichtendienst DGSI vor Gericht nicht bestätigen konnte oder
       wollte. Sonst könnte der Verdacht einer kompromittierenden Mitwisserschaft
       des französischen Staates aufkommen.
       
       Für die Staatsanwaltschaft war das vorsätzliche Vorgehen der Konzernführung
       von rein wirtschaftlichen Interessen geleitet und für sie darum Ausdruck
       eines „bodenlosen Zynismus“. Im Kontext der terroristischen Anschläge
       erscheine die Finanzierung dieser Organisationen von „extremer Schwere“. Im
       November 2015 war in Frankreich im Namen des IS die
       „Bataclan-Attentstatserie“ verübt worden.
       
       Die besondere Schwere betonte auch der Gerichtspräsident bei der
       Urteilsverkündung: Lafarge habe in Syrien „eine kommerzielle Partnerschaft
       mit dem IS“ geschaffen, die es den Terroristen ermöglicht habe, die
       Kontrolle über Rohstoffe zu erlangen und terroristische Verbrechen in und
       außerhalb von Syrien, und namentlich in Europa, zu organisieren. Lafont und
       Herrault wurden aus diesem Grund nach dem Urteil unverzüglich inhaftiert.
       
       ## Berufungsverfahren wahrscheinlich
       
       Unabhängig vom Prozess wegen der Finanzierung terroristischer
       Organisationen und einem wahrscheinlichen Berufungsverfahren wird gegen
       Lafarge weiterhin noch wegen „Beihilfe zu Verbrechen gegen die
       Menschlichkeit“ ermittelt.
       
       13 Apr 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
       
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