# taz.de -- Spandauer Mieterverein und die CDU: Eigenbedarfskündigung vom Mieterberater
       
       > Eine altes, krankes Paar wird aus seiner Wohnung geschmissen.
       > Verantwortlich ist eine Kanzlei mit CDU-Verbindung, die in Spandau
       > Mietern helfen soll.
       
 (IMG) Bild: Spandau, kein Mieterparadies
       
       Das schwer kranke Ehepaar, beide um die 80, und ihr erwachsener Sohn,
       sollen ihre 4-Zimmer-Wohnung in Spandau bis Jahresende räumen. Die
       Aufforderung erhielten die Mieter:innen in einem Anwaltsschreiben von
       Anfang April, das der taz vorliegt. Der von den Eigentümern beauftragte
       Rechtsanwalt Muhammed Cicekci von der Kanzlei „Zeppelin Rechtsanwälte“
       teilt darin mit, dass für die Wohnung [1][Eigenbedarf] angemeldet werde.
       Lapidar heißt es: „Eine andere passende Wohnung steht unseren Mandanten
       nicht zur Verfügung, sodass ihnen leider auch keine Alternativwohnung
       angeboten werden kann.“
       
       Für Notfälle wie diese gibt es [2][kostenlose Mieterberatungen in jedem
       Bezirk], so auch in Spandau. Gleich drei Vereine teilen sich das öffentlich
       finanzierte Angebot auf, darunter der Spandauer Mieterverein für
       Verbraucherschutz, ein Verein mit etwa 1.500 Mitgliedern und einer eigenen
       Zeitschrift mit Artikeln wie: „Der Horror: Eigenbedarfskündigung.“
       Beratungen bietet man in der eigenen Geschäftsstelle an – und in der
       Kanzlei „Zeppelin Rechtsanwälte“ im Ortsteil Falkenhagener Feld.
       
       Helfen können hätte man dem Ehepaar hier nicht. Denn als Berater gegenüber
       gesessen habe ihnen eben Muhammed Cicekci oder dessen Bruder Ebubekir
       Cicekci, der ebenfalls in der Kopfzeile des Kündigungsschreibens genannt
       wird. Beide sind – in Zusammenarbeit mit dem CDU-Abgeordneten Ersin Nas –
       die Zeppelin-Anwälte und damit im Auftrag des Eigentümers unterwegs, der
       jetzt Eigenbedarf anmeldet. Sie sind aber auch Präsident und Vizepräsident
       des Spandauer Mietervereins. Zumindest Ebubekir macht auf der
       Kanzlei-Website kein Geheimnis daraus, dass er alle Seiten vertritt,
       „sowohl Mieter als auch Vermieter“.
       
       Die für Mieter:innen wenig hilfreiche Verquickung war der
       Grünen-Mietenexpertin Katrin Schmidberger am Montag eine Frage im
       Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses wert: „Passt das mit dem
       öffentlichen Auftrag der Mieterberatung mit öffentlichen Geldern wirklich
       zusammen?“, wollte sie von Senator Christian Gaebler (SPD) wissen.
       
       Dieser teilte das „Unwohlsein“ der Abgeordneten, verwies aber auf die
       Zuständigkeit des Bezirks. Angesichts fehlender konkreter
       Ausführungsvorschriften für die Vergabe der Mietrechtsberatungen wolle er
       das Thema beim nächsten Treffen mit den Bezirksstadträten für
       Stadtentwicklung ansprechen. „Wir müssen gucken, ob das tatsächlich den
       Mieterinneninteressen widerspricht“, so Gaebler.
       
       Von einem „klaren Interessenkonflikt“ spricht derweil der
       Linken-Mietenpolitiker Niklas Schenker. Der taz sagte er: „Es ist ein
       Skandal, wenn eine Kanzlei gleichzeitig Mieter beraten soll und im nächsten
       Moment älteren Mietern Eigenbedarfskündigungen schickt.“ Die Zusammenarbeit
       mit dem Spandauer Mieterverein müsse beendet werden, forderte Schenker.
       
       ## Mieterberatung als Eigenwerbung?
       
       Kritik von Schmidberger und Schenker gibt es zudem daran, dass der
       Spandauer Mieterverein anders als die anderen Träger die Beratungen nicht
       in neutralen Räumlichkeiten anbietet. Dies sei quasi Werbung dafür, in
       schwierigen Problemlagen Mitglied des Vereins oder Mandant der Kanzlei zu
       werden. Es müsse sichergestellt sein, dass öffentliche Gelder „nicht der
       Subventionierung von neuen Mandanten“ dienen, so Schmidberger. Senator
       Gaebler sagte, es sei „schlauer, neutrale Räume“ zu nutzen.
       
       Fraglich ist zudem die Rolle von Ersin Nas, der sich als Anwalt der
       Mieter:innen in der CDU versteht und schon mal mit einer Anzeige im Heft
       des Mietervereins vertreten ist. Nas bietet in der Zeppelin-Kanzlei eine
       eigene „Mieter-Sprechstunde“ an. Sollte die Kanzlei für ihre Beratungen
       einen Mietzuschuss erhalten, sei das ein Angebot mit „Geschmäckle“, so
       Schmidberger. Als „verräterisch“ bezeichnet sie es, dass Nas mit jenen
       Anwälten kooperiere, die für Eigenbedarfskündigungen verantwortlich sind.
       
       14 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eigenbedarf/!t6057915
 (DIR) [2] https://www.berlin.de/sen/wohnen/service/serviceadressen/mieterberatungen-in-den-bezirken/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erik Peter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Eigenbedarf
 (DIR) CDU Berlin
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Wohnungsbaugesellschaften
 (DIR) Wohnungsbaugesellschaften
 (DIR) Zwangsräumung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kommunale Wohnungsunternehmen: Haie im Landesgewässer
       
       CDU und SPD verteidigen die Mieterhöhungen der landeseigenen
       Wohnungsgesellschaften. Per Gesetz schleifen sie zudem deren Kontrolle.
       
 (DIR) 10 Jahre Alternativer Mieterschutzbund: „Es wird schlimmer“
       
       Vor 10 Jahren wurde der alternative Mieterverein AMV gegründet. Von den
       landeseigenen Wohnungsunternehmen hält Mitgründer Marcel Eupen wenig.
       
 (DIR) 81-Jährige über Zwangsräumung: „Muss noch mein Leben aufräumen“
       
       Monika Bauer droht nach 38 Jahren in ihrer Wohnung die Zwangsräumung und
       Obdachlosigkeit. Ein privater Käufer ihrer Wohnung hat Eigenbedarf
       angemeldet.