# taz.de -- Rebecca Knaak über Frauenfußball: „Wir sind so weit, dass wir eigenständig werden“
> Verteidigerin Rebecca Knaak vor der WM-Quali über Frauenfußball als
> unabhängige Marke, den persönlichen Glücksfall Schweden und Investments
> der WSL.
(IMG) Bild: Hat sich im DFB-Team ihren Platz erkämpft: Rebecca Knaak
taz: Die WM-Quali des DFB-Frauenteams startet mit einem Heimspiel gegen
Slowenien (Dienstag 17.45 Uhr/ARD). In Dresden sind bereits über 17.000
Karten verkauft, auch die Publikumszahlen in Düsseldorf und Kaiserslautern
waren zuletzt beachtlich.
Rebecca Knaak: Genau das wollten wir immer erreichen. Das motiviert noch
einmal mehr. In jedem Heimspiel hat es einen Riesenunterschied gemacht,
wenn so viele Leute hinter uns stehen.
taz: Das letzte Länderspiel in Dresden war ein 2:1 im Oktober 2022 gegen
Frankreich. In der Innenverteidigung spielte noch Sjoeke Nüsken – und eine
Rebecca Knaak hatte niemand auf dem Zettel. Warum hat es so lange gedauert
mit Ihrem Debüt?
Knaak: Ich hatte eigentlich einen nahtlosen Übergang in die
A-Nationalmannschaft, als ich 2015 bei Silvia Neid im Kader stand. Aber
rückblickend habe ich damals meine Chance nicht so genutzt. Als junge
Spielerin war ich für diesen großen Schritt mental, physisch und taktisch
noch nicht bereit.
taz: Als Abwehrspielerin müssen Sie am Dienstag ein Augenmerk auf Lara
Prašnikar richten, die in der Bundesliga bis letzten Sommer bei Eintracht
Frankfurt gespielt hat. Was zeichnet sie aus?
Knaak: Eine Klassespielerin. Ihr Nationalteam steht für viel Kampfgeist.
Das wird ein gutes Stück Arbeit.
taz: Das zweite WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen wird dann auf
Kunstrasen ausgetragen. Wie blicken Sie auf diese Herausforderung?
Knaak: Ich bin das aus Schweden ein bisschen mehr gewohnt. Es ist nicht
optimal, aber am Ende reden wir mal kurz drüber und dann wird das auch
akzeptiert. Wir müssen diese Umstände einfach annehmen.
taz: Sie sind im Januar 2022 vom SC Freiburg zum FC Rosengård gewechselt.
Knaak: Es war für mich genau der richtige Ortswechsel. Raus aus einem
strukturierten Umfeld. Ich konnte die gewohnten Leitlinien, damit meine ich
auch die taktischen Anweisungen, verlassen. Ich hatte keinen Stempel mehr,
sondern bin dort als Spielerin wie ein weißes Blatt Papier empfangen
worden. Ich habe dort von vielen erfahrenen Nationalspielerinnen
fußballerisch, aber auch menschlich viel lernen können. Dieser Input hat
Stärken in mir geweckt, die mir selber gar nicht bewusst waren. Für mich
war Schweden ein Glücksgriff.
taz: Ist das Land weiter, was die Akzeptanz des Frauenfußballs angeht?
Knaak: Teilweise gibt es ähnliche Herausforderungen wie bei uns, denn
aktuell kann Schwedens Liga seine besten Spielerinnen kaum noch halten.
Generell ist die Bevölkerung vielleicht etwas positiver, aber die
gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen sind fast dieselben
wie bei uns.
taz: Sie sind 2025 zu Manchester City gewechselt und spielen [1][im
gelobten Land des Frauenfußballs.] Ihr Klub hat für 15 Millionen Euro mal
eben ein Trainingszentrum gebaut.
Knaak: Wir werden diesen Komplex gleich nach der Länderspielphase beziehen.
Wir bekommen jetzt eigene Meeting-, Physio-, Kraft- und Essensräume – und
eigene Plätze. Unsere Bedingungen waren schon top, und jetzt werden sie
nochmal optimiert. Der Stellenwert des Frauenfußballs in unserem Verein ist
extrem hoch.
taz: Haben Sie das Gefühl, dass der Frauenfußball im Sog der großen
Männervereine mitschwimmt oder mittlerweile [2][als eigene Marke
wertgeschätzt wird?]
Knaak: Anfangs wurden die Frauen durch die Marke mitgezogen, aber jetzt
sind wir so weit, dass wir eigenständig werden. Wir haben extra Manager,
damit Manchester City Women als eigene Brand wahrgenommen wird. Arsenal ist
das beste Beispiel: Da kommen jedes Spiel fast 40.000, weil deren Ladys
eine eigene Marke geworden sind.
taz: Der Zuschauerschnitt in der Women’s Super League liegt aber bei knapp
7.000. Vor wie vielen Leuten spielen Sie im Alltag?
Knaak: Bei uns kommen mindestens immer 5.000 Zuschauer ins Academy Stadium.
Die Atmosphäre ist echt gut. Im Stadion der Männer spielen wir drei, vier
Partien.
taz: Manchester City ist Tabellenführerin in England und Sie sind
Stammspielerin.
Knaak: Wir haben uns nach einem Trainerwechsel richtig reingearbeitet. Ich
genieße beim Trainerteam ein hohes Standing. Die Gedanken habe ich mir ja
schon gemacht: Bekomme ich bei der Konkurrenzsituation genug Spielzeit?
Aber wir haben uns in der Viererkette gefunden.
taz: In Deutschland haben die 14 Vereine beschlossen, die
Professionalisierung der Frauen-Bundesliga [3][ohne den DFB
voranzutreiben.]
Knaak: Wir Nationalspielerinnen wollen auch, dass die Liga hier das
bestmögliche Potenzial entfaltet. Konflikte bedeuten ja, dass alle
Beteiligten etwas wollen. Vereine, Verband und Spielerinnen möchten die
Liga nach vorne bringen. Langfristig wird das hoffentlich zu etwas
Positivem führen.
2 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frank Hellmann
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