# taz.de -- Barça vor Champions-League-Aus: Wenn alles schiefgeht
> Der FC Barcelona verliert 0:2 in der Champions League gegen Atlético
> Madrid. Das Team hadert mit den Schiri-Entscheidungen – und erwägt
> Protest.
(IMG) Bild: Matteo Ruggeri (r.) von Atlético bearbeitet seinen Gegenspieler Marcus Rashford mit maximaler Intensität
Kurz vor Schluss [1][schlug Lamine Yamal] allen Frust mit der Faust auf den
Rasen. Wie ein Kind, das der 18-Jährige irgendwo ja auch fast noch ist. Der
Flügelstar des FC Barcelona hatte es immer wieder mit der halben Abwehr von
Atlético Madrid allein aufgenommen, den ersten Verteidiger versetzt, den
zweiten getunnelt, den dritten umspielt.
Es hätte eine denkwürdige Darbietung werden können. Doch irgendwo machte er
doch immer noch einen Haken zu viel oder es war da dann doch immer noch ein
weiteres Bein. Am Ende blieb das für seine Offensive gefürchtete Barcelona
im Champions-League-Viertelfinalhinspiel torlos, und weil es zwei Tore
kassierte, steht es beim Rückspiel in Madrid vor dem Aus.
[2][Für die Mannschaft von Trainer Hansi Flick] lief im Prinzip schon seit
der vergangenen Länderspielpause alles schief, was schieflaufen konnte. Da
verletzte sich der Brasilianer Raphinha im Dienst für sein Land. Der
Linksaußen ist nicht so spektakulär wie Rechtsaußen Yamal, doch für
[3][Fachleute wie Diego Simeone] noch wichtiger. „Ich verstehe nicht, wie
Raphinha nicht den Ballon d’Or bekommen konnte“, erklärte der
Atlético-Trainer vor ein paar Monaten: „Bei mir ist er die erste Wahl.“
Wie Simeone aus etlichen Begegnungen gut weiß, dirigiert Raphinha meist
Barças Offensivpressing, die vielleicht wirksamste taktische Waffe der
Flick-Elf. Nur ein anderer Profi kommt seiner Expertise in diesem Bereich
annähernd gleich, Halbstürmer Fermín López, und der hatte sich am Morgen
des Spiels am Kopf verletzt. Fermín kam mit Turban erst zu einer zweiten
Halbzeit, für die der angeschlagene Spielgestalter Pedri ausgewechselt
wurde. Dessen angestammte Nebenleute, Frenkie de Jong und Marc Bernal,
fehlten ohnehin. So blieben nicht viele Mittel als die Dribblings Yamals.
## Fragwürdige Entscheidungen des Schiedsrichters
Es hätte dennoch zu einem besseren Ergebnis reichen können, wären in der
Schlüsselphase der Partie nicht alle Entscheidungen zugunsten Atléticos
gefallen. Kurz vor der Pause verschonte Schiedsrichter Kovacs aus Rumänien
zunächst Gäste-Kapitän Koke nach seinem dritten harten Foul vor einer
Gelb-Roten Karte. Wohl zur Kompensation wollte es Kovacs auch bei Gelb
belassen, als Barça-Abwehrchef Pau Cubarsí kurz darauf als letzter Mann den
Weg von Atléticos Trainersohn Giuliano Simeone kreuzte. Aber aus dem
Video-Kabuff rief ihn der deutsche Var Christian Dingert an den Monitor, es
gab Rot – und den Rückstand obendrauf, als Julián Álvarez wunderbar den
fälligen Freistoß verwandelte.
Die problematischste Szene des Spiels ereignete sich kurz nach
Wiederbeginn. Trotz Überzahl untermauerte Atlético seinen historischen Ruf
als Fußballverderber und übte sich ausgiebig in Zeitspiel. Verteidiger Marc
Pubill ging so auf in dem Projekt, dass er einen Ball in die Hand nahm und
am Abstoßkreis platzierte, den sein Torwart Juan Musso vorher schon ins
Spiel gebracht hatte. Die Regel verlangt für diesen Fall einen Elfmeter.
Doch Kovacs und Dingert winkten die Aktion durch. Alexander Sorloth machte
dann den Triumph der Gäste nach dem einzig echten Angriff in der zweiten
Halbzeit perfekt.
Unfassbar, befand Flick und fühlte sich von Geistern aus dem Heimatland
verfolgt. „Es war ein Deutscher, danke, Deutschland!“, kommentierte er
ironisch über Dingert. Tatsächlich frappierte die Zurückhaltung des
deutschen Var auch insofern, als dem FC Bayern vor zwei Jahren im
Viertelfinale bei Arsenal in einer identischen Szene ebenfalls der Elfmeter
vorenthalten wurde – und die Experten anschließend unisono erklärten, dass
der Schiedsrichter falsch gehandelt habe.
Barça, das sich schon in den vergangenen Jahren in der Champions League
häufig benachteiligt fühlte, erwägt eine offizielle Protestnote an den
europäischen Fußballverbands Uefa. Bringen wird das erfahrungsgemäß wenig.
Da hilft für das Rückspiel schon eher, dass Lamine Yamal seine Zuversicht
wieder gefunden hat. „Es ist noch nicht vorbei“, schrieb er am nächsten Tag
in den sozialen Netzwerken.
9 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Haupt
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