# taz.de -- FC Barcelona wird spanischer Meister: Papas zweites Meisterstück
> Der FC Barcelona sichert sich durch ein 2:0 gegen Real Madrid den Titel.
> Trainer Hansi Flicks Fußball begeistert ebenso wie seine
> Führungsqualitäten.
(IMG) Bild: Pure Freude: Die Spieler des FC Barcelona feiern ihren Trainer Hansi Flick
Es soll ja Ligen geben, in denen Meisterschaften so selbstverständlich
sind, dass sie mit einer gewissen Routine entgegengenommen werden. Hansi
Flick kennt das, er hat beim FC Bayern zwei gewonnen. Nun feierte er auch
mit dem FC Barcelona eine erfolgreiche Titelverteidigung. Aber von Routine
konnte keine Rede sein.
Das hatte erstens einen traurigen Hintergrund: Am Sonntagmorgen war sein
Vater verstorben. Hans Flick brachte seinen Sohn Hans-Dieter einst zum
Fußball, er hatte genauso viel Passion für das Spiel wie Hansi. Er hätte
sicher gutgeheißen, wie dieser mit der Todesnachricht umging, als er sie
von seiner Mutter erfuhr. Flick informierte Mannschaft und Verein, vor dem
Anpfiff gab es eine Schweigeminute im Camp Nou. Die „Hansi Flick“-Rufe der
Fans an ihrem Ende glichen einer Hommage.
Dann begann das Spiel, das auch alles andere als gewöhnlich war – es ging
gegen Real Madrid. 127 Jahre ist Barça alt, bereits 28 Mal war es
spanischer Meister gewesen, aber nun gab es die Chance, den Titel erstmals
gegen den Erzrivalen zu gewinnen. Die billigsten Resttickets kosteten 500
Euro, der Umbau des Camp Nou mit derzeit nur zwei Dritteln des geplanten
Fassungsvermögens von 105.000 Zuschauern verknappte das Angebot, und der
Klub braucht angesichts hoher Schulden jeden Cent.
Umso bemerkenswerter, dass mit einem 2:0-Sieg durch hübsche Tore von Marcus
Rashford und Ferran Torres nun zum sechsten Mal in sieben Clásicos der Ära
Flick die wirtschaftlich vergleichsweise sorglosen Madrilenen bezwungen
wurden. Drei Spieltage vor Schluss steht Barça bei satten 14 Punkten
Vorsprung. In der Epoche des deutschen Trainers – die gleichzeitig jene von
Kylian Mbappé bei Real ist – hat Barça nun fünf von sechs möglichen
nationalen Titeln gewonnen, wenn man den in Spanien halbwegs bedeutsamen
Supercup hinzuzählt. Real keinen einzigen.
## Begeisternder Stil
Flick erhebt der Erfolg unter schwierigen Umständen in den Rang eines der
prägenden Trainer der Klubgeschichte. [1][Mit seinem bedingungslosen
Angriffsstil] und seinem Talent im Teambuilding hat er ein Team geformt,
dass die Fans auch unabhängig von Ergebnissen begeistert. Weil es wie eine
Freundesbande daherkommt, weil in ihm so viele klubeigene Nachwuchsprofis
stehen, weil es so mit der Stadt verbunden wirkt. Wie in der Nacht zum
Montag, als Pedri, Dani Olmo und Eric García auf städtischen Leihfahrrädern
anzutreffen waren sowie Marc Casadó und Alejandro Balde inmitten der
feiernden Fanhorde auf der zentralen Plaça Catalunya.
Vorher im Stadion hatte die Mannschaft ihren Coach in die Luft geworfen.
Die Spieler verehren Flick als Vaterfigur, aber auch, weil er sie alle
besser gemacht hat. In Deutschland mögen ihn manche immer noch für ein
One-Hit-Wonder halten, weil er den Champions-League-Sieg mit den Bayern bei
der Nationalelf nicht bestätigen konnte. Doch in Barcelona hat er dieses
Klischee spätestens in seiner zweiten Saison widerlegt, in der es Probleme
zuhauf zu managen gab: Wiederholte Verletzungsausfälle der Schlüsselspieler
in Angriff (Lamine Yamal, Raphinha) wie Mittelfeld (Pedri, Frenkie de
Jong). Der Abgang des Abwehrchefs Íñigo Martínez kurz vor Beginn der
Spielzeit. Gewisse Unstimmigkeiten in der medizinischen Abteilung. Erste
Anzeichen von Allüren, die Flick früh in der Saison mit einer Warnung vor
„Egos“ bedachte. Nach einer Niederlage im Hinspiel-Clásico lag Barça fünf
Punkte hinter Real.
Seither ist Madrid regelrecht implodiert. [2][Trainer Xabi Alonso wurde von
einem Teil der Mannschaft aus dem Amt gemobb]t, Nachfolger [3][Álvaro
Arbeloa] verschlechterte die Bilanz nach zarten Hoffnungsschimmern in der
Champions League noch um so viel, dass die Fans im Camp Nou am Sonntag
sangen: „Cono, quédate“: Hütchen, Bleib! Das Hütchen ist ein Spitzname
Arbeloas aus aktiven Zeiten – ein sehr maliziöser, denn er implizierte,
dass man den etwas steifen Linksverteidiger besser umspielen sollte.
Der Wunsch der Barça-Fans nach einer Weiterbeschäftigung Arbeloas dürfte
sich jedoch nicht erfüllen. Spätestens nach einer Kabinenschlägerei vorige
Woche zwischen den Real-Stars Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni
schreit das Fanvolk nach einer harten Hand. Dadurch ist plötzlich der nach
Jahren der Erfolgslosigkeit an sich schon etwas abgegriffene Ex-Klubcoach
José Mourinho zum Jobfavoriten avanciert.
Hansi Flick wird es sicher auch mit ihm aufnehmen.
11 May 2026
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## AUTOREN
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