# taz.de -- Real Madrid vor Duell gegen Bayern: Donuts nach dem Training
       
       > Trainer Arbeloa leidet unter den Launen und Strukturproblemen des Kaders
       > von Real Madrid. Doch sein Umgang mit den Stars verbessert die Stimmung.
       
 (IMG) Bild: Real-Trainer Álvaro Arbeloa weiß seine Stars zu motivieren
       
       Schon nach wenigen Spielen im Amt verblüffte Álvaro Arbeloa mit einem
       Ausflug in die Fantasywelt. „Ich bin nicht Gandalf der Weiße“, proklamierte
       Real Madrids neuer Trainer im Februar nach einem schwerfälligen Sieg mit
       Elfmetertor in der zehnten Minute der Nachspielzeit gegen Rayo Vallecano.
       Dabei kann niemand bezweifeln, dass es weißer kaum geht als im Herzen des
       43-jährigen Ex-Verteidigers, einem lebenslangen und bedingungslosen
       Verehrer seines Klubs. Aber hexen wie der Zauberer aus dem Herrn der Ringe,
       das kann halt auch der Nachfolger von [1][Xabi Alonso] nicht.
       
       Vor dem Champions-League-Klassiker gegen Bayern München heute und am
       nächsten Mittwoch leidet Arbeloa wie sein entlassener Vorgänger unter den
       Launen und Strukturproblemen des königlichen Kaders. Mal animieren sich die
       Stars um [2][Kylian Mbappé], Vinícius Júnior oder Jude Bellingham; mal
       lassen sie sich gehen. Mal setzen sie zeitgenössische Konzepte wie Pressing
       um und halten defensiv halbwegs die richtigen Abstände; mal scheinen sie
       sich als elf Inseln über den Platz zu versprengen. Mal lässt sich das
       Fehlen eines echten Spielgestalters im Mittelfeld durch dynamische Konter
       kompensieren; mal enthüllt Real ein fußballerisches Nichts.
       
       Die Bilanz ist entsprechend wechselhaft. Aus dem Pokal schied Arbeloas
       Combo gleich zum Dienstantritt bei Zweitligist Albacete aus, in der Liga
       wurden aus vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Barcelona bei
       Amtsübernahme sieben Punkte; am Samstag gab es eine 1:2-Niederlage bei
       Abstiegskandidat RCD Mallorca. In der Champions League aber überzeugte
       Madrid zuletzt durch ein klares Weiterkommen gegen Manchester City. Und die
       Champions League ist schließlich der Wettbewerb, in dem ein Real-Trainer
       den magischen Stab zu schwingen hat.
       
       Wenn es zunächst im Madrider Bernabéu zum 29. Match beider Klubs kommt –
       keine Europapokalbegegnung gab es öfters –, ist die Frage, wie entscheidend
       Balance, Form und Spielkultur sein werden: in dieser Hinsicht wären die
       Bayern klarer Favorit. Und welche Rolle die Emotionen spielen werden, die
       Psychologie, der Mythos: da weiß man im Bernabéu nämlich nie, da gilt die
       eherne Gewissheit, die Arbeloa vor Manchester verkündete: „Real Madrid ist
       immer Favorit. Egal unter welchen Umständen und gegen welchen Gegner: Wir
       fühlen uns niemals niemandem unterlegen.“
       
       ## Mehr Helden, weniger Methodik
       
       15 Titel im wichtigsten Europacup bürgen für ein Selbstverständnis, gegen
       das nicht mal mehr das bajuwarische „Mia san mia“ anzukommen scheint. Dass
       bisweilen in Deutschland immer noch das Wort von der „bestia negra“
       strapaziert wird – unter dem Begriff firmierten die Bayern einst mal als
       Angstgegner Reals – ist schon fast süß. Die letzten vier Duelle (2014,
       2017, 2018 und 2024) gewann allesamt Real. Die „schwarze Bestie“ wurde zum
       possierlichen Haustier domestiziert, obwohl Madrid auch in jenen Jahren
       nicht immer rundweg überzeugend auftrat.
       
       Arbeloa war Jugendspieler im Klub, später treuer Fußsoldat unter Trainern
       wie seinem Vorbild José Mourinho und zuletzt Coach der zweiten Mannschaft.
       Er weiß um die Identität eines Vereins, bei dem es um Helden geht, und um
       die Eigenheiten einer Kabine, die methodische Ansätze wie den seines
       Freundes Xabi Alonso reflexhaft abstößt. Alonso versuchte insbesondere den
       Brasilianer Vinícius zu bändigen und verlor ihn darüber – der offene
       Aufstand des Flügelstürmers gegen seine häufigen Auswechslungen leitete das
       Ende des Leverkusener Erfolgstrainers ein.
       
       Es war insofern symbolisch, als Arbeloa gleich an seinem ersten Arbeitstag
       das Loblied auf Vinícius sang – und es hat sich gelohnt, denn „Vini“, unter
       Alonso zwischendurch 16 Spiele in Serie ohne Torerfolg, hat seit dem
       Trainerrevirement elf Treffer erzielt und ist mit seinen unvorhersehbaren
       Dribblings wieder Reals gefährlichster Angreifer. Auch Federico Valverde,
       Madrids wichtigster Mittelfeldmann, war unter Alonso unzufrieden und ist
       wieder die omnipräsente Allzweckwaffe vergangener Triumphe. Im Verbund
       erledigte das Duo auch Manchester; dass die damals verletzten Mbappé und
       Bellingham nun wieder zur Verfügung stehen, gefällt nicht allen
       Beobachtern. Real war diese Saison stärker, wenn sich die Galáctico-Quote
       in Grenzen hielt.
       
       Arbeloa baut dann Jugendspieler von unten ein und auch die Mittelschicht
       wie [3][Antonio Rüdiger] wird bei ihm nicht vergessen. Nachdem der
       umstrittene DFB-Verteidiger im Match gegen Getafe mal wieder durch ein
       böses Foul auffällig wurde, verteilte Arbeloa umso bedingungslosere
       Streicheleinheiten: „Ich würde mir von Rüdiger ein Denkmal im Garten
       aufstellen, er ist ein Vorbild für alle Jugendlichen.“
       
       Zuckerbrot, ganz wörtlich: Mittelfeldmann Eduardo Camavinga verriet
       kürzlich, dass Arbeloa die Spieler nach dem Training bisweilen mit Donuts,
       Oreo oder Spekulatius beschenke. Nicht gerade die empfohlene Nahrung für
       Sportler, wohl aber für Superstars, findet Camavinga: „Diesen Typ Spieler
       muss man nur glücklich machen. Wenn du glücklich bist, machen deine Füße,
       was sie wollen.“
       
       7 Apr 2026
       
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