# taz.de -- „Scrubs“ und „Malcom mittendrin“: Die Revival-Mania
> Die 20 Jahre alten Sitcom-Serien „Scrubs“ und „Malcolm mittendrin“ wurden
> – eine mehr, eine weniger erfolgreich – von Disney wiederbelebt. Nur aus
> Nostalgie?
(IMG) Bild: Malcolm ist wieder da und mittendrin
Im knallharten Konkurrenzkampf um Abo-Kunden erfreuen sich Serien-Reboots
und -Revivals bei den Machern der Streamingdienste größter Beliebtheit.
Getreu dem Motto: Wo es eine irgendwie wahrnehmbare, wenn auch in die Jahre
gekommene Fanbase gibt, lässt sich aus dem Remake einer Kultserie Kapital
schlagen.
Auch wenn Hulu gerade die seit Jahren in Aussicht gestellte Neuauflage von
[1][„Buffy the Vampire Slayer“] beerdigt hat (aus Angst vor drohenden
Shitstorms gegen popkulturelle queere Kapitalismuskritik?), wartet der zum
Disney-Konzern gehörende Sender dieser Tage mit den Revivals zweier
Kult-Sitcoms aus den frühen 2000ern auf.
„Scrubs“ und „Malcolm mittendrin“ haben mit ihrem anarchischen Humor damals
Fernsehgeschichte geschrieben und die Genres der Krankenhausserie und der
Familien-Vorort-Comedy auf den Kopf gestellt. Sie haben aber auch Unmengen
sexistischer, ableistischer und klassistischer Klischees produziert, die
für heutige Produktionen in dieser Form kaum vorstellbar wären. Kann das
überhaupt als Revival funktionieren?
Um es auf den Punkt zu bringen. Bei „Malcolm mittendrin“ funktioniert das
in einer vierteiligen Miniserie, die gerade mal Spielfilmlänge hat,
durchaus, wenn auch mit Abstrichen. Wenngleich das alles in einem sehr
überzeichneten Finale mündet.
## Jede Menge popkulturelle Verweise
Bei „Scrubs“ stellt sich die Frage, ob dieses Revival wirklich nötig war,
denn aus dem Schatten seiner eigenen, schon angestaubten historischen
TV-Bedeutung kommt das Revival nicht wirklich heraus. In zehn Episoden
kehrt die Hauptfigur Dr. John Dorian (Zack Braff) ins kommunale Krankenhaus
Sacred Heart zurück. Aus dem früheren Assistenzarzt wird der
Abteilungsleiter. Mit Kollegin Elliot Reid (Sarah Chalke), mittlerweile
seine Ex-Frau, entspinnt sich das üblich angespannte Verhältnis aus
postpubertärer Verunsicherung, pseudoromantischer Zuneigung, sozialer
Abgrenzung und machistischer Besserwisserei. Dazu gesellen sich sämtliche
Figuren aus früheren Jahren zuzüglich junger Nachwuchsärzte, die den
altbekannten, in der Serie überspitzten Streit zwischen Internisten und
Chirurgen ausfechten.
Aufgepeppt wird das mit jeder Menge pointierten popkulturellen Verweisen.
Egal ob ein Patientenangehöriger aussieht und sich verhält wie Carl aus dem
Pixar-Film „Oben“. Oder die wiederkehrenden Tagtraumsequenzen von Dr.
Dorian zum James-Bond-Filmzitat werden, als Wrestling-Szene enden oder
ärztliche Behandlung als Boxenstopp wie im Formel-eins-Rennen inszeniert
wird.
Kritik am schlecht funktionierenden, unsozialen Gesundheitssystem,
mittlerweile fester Bestandteil jeder Krankenhausserie, kommt auch hier
vor. Sonst geben die Schauspieler aber die üblichen, zwei Jahrzehnte alten
Kalauer von sich und klatschen sich Zoten reißend mit High Five ab, während
Dr. Dorian und Kumpel Turk (Donald Faison) ihre Jungs-Selbst-Viktimisierung
pflegen.
## Bryan Cranston bekommt viel Platz
Dass es im Sacred Heart mittlerweile mit Sibby Wilson (Vanessa Bayer) eine
Personalmanagerin gibt, die gegen sexistische Sprüche vorgeht, dient eher
dazu, diese Art betrieblicher Intervention zu karikieren. Lässt sich dieses
Revival nur deswegen ertragen, weil Hauptdarsteller Zach Braff als Autor,
Regisseur und Schauspieler des Indie-Klassikers „Garden State“ (2004) einen
gewissen Kultcharakter jenseits dieser Show hat?
Etwas weniger angestaubt kommt das Revival von „Malcolm mittendrin“ daher.
Es schreibt zumindest die Geschichte des hochbegabten und titelgebenden
Malcolm (Frankie Muniz) aus einer White-Trash-Familie fort und reproduziert
nicht nur altbekannte dramaturgische Stehsätze.
Malcolm hat sich mit Ende dreißig komplett von der Familie gelöst, arbeitet
in leitender Funktion bei einer Charity-Organisation, hat als
alleinerziehender Vater eine Teenager-Tochter namens Leah (Keely Karsten)
und ist in seine Freundin Tristan (Kiana Madeira) verknallt. Von der
Existenz seiner Tochter, die glaubt, ihre Großeltern wären verstorben,
erfahren Malcolms Eltern erst, als sie ihn überraschend besuchen, um ihn zu
ihrem 40-jährigen Kennenlern-Jubiläum einzuladen. Die Party soll
Familienmitglieder (fünf Brüder und seit Neustem auch einer Tochter) sowie
Freunde zusammenbringen und fungiert final als alle Serienfiguren
vereinende Bühne.
Dem Darsteller von Malcoms Vater Hal, Bryan Cranston, der erst nach Ende
der Familien-Sitcom als Drogendealer in der Serie [2][„Breaking Bad“]
seinen großen Durchbruch hatte und mittlerweile sogar zu [3][Wes Andersons]
Stamm-Cast gehört, wird relativ viel Raum in diesem Reboot gegeben. Nachdem
er herausfindet, dass Sohn Reese (Justin Berfield) ihn in unzähligen
Internetvideos zum Gespött gemacht hat und sein genialer Sohn Malcolm ihm
die Existenz seiner Enkeltochter verheimlicht hat, begibt er sich in
selbstzerfleischender Verzweiflung zu einem zwielichtigen Therapeuten, der
ihm einen knallharten Drogentrip verschreibt.
## Die Revival-Mania geht weiter
Malcolm, der sich weigert zur Party seiner Eltern zu gehen, wird derweil
von Tochter und Freundin entführt und zur Familienfeier kutschiert. Und auf
der regiert natürlich jener absolute alltägliche Wahnsinn, den die
streitsüchtige Familie seit Jahr und Tag ohne Rücksicht auf Verluste
auslebt.
Die Grundidee dieser Serie, die radikale Entfremdung eines
hyperintelligenten, hochbegabten Kindes in einer bildungsfernen Familie,
das letztlich aber genauso wenig soziale Intelligenz wie der Rest besitzt,
hat vor allem klassistischen Krawallcharakter. Aber „Malcom mittendrin“
porträtiert auch gekonnt kleinbürgerliches Spießertum, die Idiotie ständig
konkurrierender und sich prügelnder Geschwister, erzählt von autoritären
Arbeitshierarchien und karikiert familiäre Abhängigkeitsverhältnisse
mitsamt den dazugehörigen manipulativen Strategien
Die Familienfeier als Schlussakkord dieses Reboots ist nicht weniger
krawallig, als es der Rest der Serie schon immer war. Aber im Gegensatz zum
Revival von „Scrubs“ bleibt einem hier weniger das Lachen im Halse stecken.
Die Revival-Mania geht indes weiter. Im Juli wird von Netflix sogar „Unsere
kleine Farm“ aus den 70ern wiederbelebt. Fehlt nur noch ein Revival von
„Waltons“ und „Bonanza“.
9 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Schmid
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