# taz.de -- Korruptionsverfahren in Spanien: Wenn Polizisten Beweise vernichten
> In Spanien beginnen Gerichtsverfahren gegen führende Politiker der beiden
> großen Parteien des Landes. Ministerpräsident Pedro Sánchez gerät unter
> Druck.
(IMG) Bild: Vor dem höchsten Gericht in Madrid: der ehemalige spanische Minister José Luis Ábalos ist angeklagt wegen mutmaßlicher Korruption
Da ist es wieder, das hässliche Gesicht der Korruption. Seit dieser Woche
laufen in Spanien zwei Gerichtsverfahren gegen ehemalige hochrangige
Politiker der beiden großen Parteien des Landes – der regierenden
Sozialistischen PSOE von [1][Ministerpräsident Pedro Sánchez] und der
konservativen Partido Popular (PP), die bis 2018 die Geschicke des Landes
lenkte.
José Luis Ábalos, Sánchez’ ehemalige rechte Hand in der Partei und
Transportminister von 2018 bis 2021, muss sich vor dem Obersten Gerichtshof
verantworten. Er soll sich unter anderem an Maskenlieferungen während der
Covidpandemie bereichert haben.
Von der PP steht Jorge Fernández Díaz vor der Audiencia Nacional, einem
Sondergerichtshof für Korruption und organisiertes Verbrechen. Fernández
Díaz, von 2011 bis 2016 Innenminister unter dem konservativen
Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, wird beschuldigt, mit der PP
nahestehenden Polizisten gezielt Beweise über die Korruption in der Partei
entwendet und vernichtet zu haben.
Sowohl für die PSOE als auch für die PP sind die Verfahren ein herber
Schlag. Die beiden Verfahren bestimmen spanische Talkshows und
Radiodebatten, wie – außer dem Irankrieg und dessen wirtschaftlichen
Auswirkungen – dieser Tage kein anderes Thema.
## Sánchez unter Druck
Sánchez gerät dabei [2][unter Erklärungsdruck.] Ábalos, für den die
Staatsanwaltschaft 24 Jahre Haft wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder und
der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung fordert, war maßgeblich
am Aufstieg und Machterhalt des Ministerpräsidenten beteiligt.
Er begleitete Sánchez treu bei seinen innerparteilichen Urwahlen und wurde
anschließend Organisationssekretär der PSOE und später Minister. Zusammen
mit Ábalos steht dessen ehemaliger Berater, Koldo García, mit vor Gericht.
Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft 19 Jahre Haft. In den kommenden
Wochen sollen 75 Zeugen und rund 20 Sachverständige vernommen werden.
Ábalos soll nicht nur bei der Lieferung von Masken die Hand aufgehalten
haben, sondern auch bei öffentlichen Aufträgen und bei der Rettung einer
der großen Fluggesellschaften des Landes. Laut polizeilichen Ermittlungen
geht es um über eine Million Euro. Was besonders schwer wiegt: Santos
Cerdán, Ábalos’ Nachfolger als Organisationssekretär, sitzt ebenfalls in
Untersuchungshaft. Auch ihm wird Korruption im großen Stile vorgeworfen.
Beim Verfahren gegen Ex-Innenminister Fernández Díaz geht es um den
Versuch, die jahrelange illegale Parteienfinanzierung der PP zu vertuschen.
Der Kassenwart der Konservativen, Luis Bárcenas, [3][verwaltete eine
Schwarzgeldkasse] und finanzierte daraus nicht nur Wahlkämpfe, sondern auch
Sonderzahlung an hohe Parteipolitiker. Als er aufflog und inhaftiert wurde,
sicherte – so die Anklage – die aus rund 70 Mann bestehende sogenannte
„patriotische Polizei“ auf Anweisung von Fernández Díaz dessen versteckte
Unterlagen und entwendete Beweise.
## Verurteilung trotz „patriotischer Polizei“
Die Staatsanwaltschaft fordert für Fernández Díaz, der zusammen mit zehn
weiteren Angeklagten vor Gericht steht, 15 Jahre Haft. Die illegalen
Polizeioperationen konnten nicht verhindern, dass die PP 2018 als korrupte
Organisation verurteilt wurde. Sánchez nutzte damals die Gunst der Stunde
und löste den konservativen Rajoy per Misstrauensvotum an der Regierung ab.
In weiteren Ermittlungen wird untersucht, inwieweit die „patriotische
Polizei“ auch gegen politische Opponenten wie die linksalternative Podemos
und die Unabhängigkeitspolitiker in Katalonien eingesetzt wurde. Sie soll
für gefälschte Vorwürfe verantwortlich sein, die gezielt der Presse
zugespielt wurden und dann nach wochenlangen hitzigen Debatten im Sand
verliefen.
Am 23. April werden der damalige Ministerpräsident Mariano Rajoy und die
damalige Generalsekretärin der PP, María Dolores de Cospedal, als Zeugen
aussagen müssen. Das Gericht weigerte sich, trotz mehrere Anträge der PSOE,
die als Nebenklägerin auftritt, gegen die beiden ebenfalls zu ermitteln.
8 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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