# taz.de -- Mehrere Männer in Bremen angeschossen: High Noon an der Weser
       
       > In Bremen herrscht Aufregung, weil in den vergangenen Wochen vier Männer
       > angeschossen wurden. Ein Mann starb. Dass scharf geschossen wird, ist
       > selten.
       
 (IMG) Bild: Spurensicherung am Tatort: Hier wurde Ende März ein 60 Jahre alter Mann in Bremen angeschossen
       
       In Bremen sucht die Polizei nach zwei Männern, die im vergangenen Monat
       mehrere Männer angeschossen und einen getötet haben sollen. Die Häufung der
       Vorfälle innerhalb so kurzer Zeit lasse „auf eine [1][besorgniserregende
       Dynamik schließen, die nicht unbeachtet bleiben dürfe“, kommentierte die
       Gewerkschaft der Polizei (GdP)] Bremen. Auch in Hamburg ist im laufenden
       Jahr schon dreimal scharf geschossen worden. Im Gesamtbild der Kriminalität
       machen scharfe Schüsse allerdings nur einen winzigen Teil aus.
       
       Die Serie von Angriffen mit scharfen Waffen hatte am 1. März in der Bremer
       Überseestadt begonnen, wo einem Mann in beide Beine geschossen wurde. Am
       selben Tag wurde in Walle einem Mann in den Fuß geschossen. Am 17. März
       wurde ein junger Mann in der Neustadt durch Schüsse getötet, am 28. dort
       einem Mann mehrfach in beide Beine geschossen, am 31. in Kattenturm einem
       Mann ebenfalls in die Beine.
       
       Um die Taten aufzuklären, gründete die Bremer Polizei eine
       Sonderkommission, die am Ostermontag zwei Tatverdächtige präsentierte und
       mit Fotos zur Fahndung ausschrieb. Beide Männer sind türkische
       Staatsangehörige. Zuvor hatte die Polizei mehrere Wohnungen in Bremen und
       Niedersachsen durchsucht. Sie sei sich „der Verunsicherung der Bevölkerung
       bewusst und nehme diese sehr ernst“, betonte die Polizei.
       
       ## Mehr Härte gefordert
       
       Marco Lübke, innenpolitischer Sprecher der CDU in der Bremischen
       Bürgerschaft, kommentierte: „So kann es nicht weitergehen. Wir dürfen das
       nicht dulden.“ Er forderte Innensenatorin Eva Högl (SPD) auf, „mit aller
       Härte durchzugreifen“. Högl wiederum fühlt sich durch den schnellen Erfolg
       bestätigt. Die enge Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft zahle
       sich aus.
       
       Die GdP Bremen nutzte die Gewaltserie, um ausreichend Personal sowie
       moderne technische Mittel zu fordern, „damit Straftaten schneller
       aufgeklärt und Täter konsequent verfolgt werden können“. Gerade vor diesem
       Hintergrund sei eine [2][unentgeltliche Erhöhung der wöchentlichen
       Arbeitszeit], wie sie der Bremer Senat plant, kritisch zu sehen. Im Übrigen
       müsse die Politik entschlossen handeln, um die Verbreitung illegaler Waffen
       einzudämmen.
       
       Die Häufung der Vorfälle verstellt allerdings etwas den Blick darauf, dass
       in den norddeutschen Stadtstaaten nur vereinzelt scharf geschossen wird. In
       den polizeilichen Kriminalstatistiken des Landes Bremen der vergangenen
       Jahre spielen Schusswaffen praktisch keine Rolle.
       
       Dabei lag Bremen unter den Bundesländern beim strafbaren
       Schusswaffengebrauch pro Kopf 2024 auf Platz vier mit 7,5 pro 100.000
       Einwohnern. Hamburg liegt auf Platz drei hinter dem Saarland und Berlin.
       
       Hier ist allerdings zu beachten, dass der Einsatz von Schusswaffen in der
       polizeilichen Kriminalstatistik ziemlich weit gefasst ist. Er umfasst
       scharfe Schusswaffen ebenso wie Schreckschuss- und sogar Spielzeugpistolen
       – und Schüsse ebenso wie die Drohung mit Schusswaffen.
       
       Eine [3][Auswertung der Hamburger Polizei von Anfang des Jahres]
       relativiert das Bedrohungsszenario. 2016 erfasste sie gut 450 Fälle von
       Schusswaffeneinsatz, wobei nur in 150 Fällen geschossen wurde. 2025 waren
       es noch 250 Fälle. Bei Gewaltkriminalität waren Schusswaffen vor zehn
       Jahren in 2,1 Prozent der Fälle im Spiel, im vergangenen Jahr in 0,9
       Prozent der Fälle.
       
       2025 wurde in Hamburg in gut 100 Fällen mit einer Schusswaffe gedroht, in
       150 Fällen geschossen. In knapp 70 Prozent der Fälle richtete sich der
       Schuss nicht gegen eine Person. Bei gut 40 Prozent der strafbaren Schüsse
       wurde an Silvester in die Luft geknallt. Von 46 Vorkommnissen, bei denen
       auf Menschen geschossen wurde, war 16 Mal eine [4][scharfe Waffe im Spiel].
       
       8 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schiessereien-in-Hamburg-und-Bremen/!6169114
 (DIR) [2] /41-Stunden-Woche-fuer-Bremer-Beamtinnen/!6090233
 (DIR) [3] https://www.polizei.hamburg/resource/blob/1144760/b281f93a54934b8aebd17c3d4a2790c7/pks-2025-handout-do-final--data.pdf
 (DIR) [4] /Hausdurchsuchung-zur-Morgenstunde/!6147567
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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