# taz.de -- Neuer Chef des Alfred-Wegener-Instituts: Auf Augenhöhe mit Alaskas Native Tribes
> Polarforscher Hajo Eicken ist nach 30 Jahren in Alaska neuer Leiter des
> Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts. Er setzt auf
> Interdisziplinarität.
(IMG) Bild: Pragmatischer Optimist: Hajo Eicken
Hajo Eicken kommt quasi direkt aus dem „ewigen Eis“. Das ja gar nicht mehr
ewig ist, sondern wegtaut in Alaska, wo der neue Direktor des Bremerhavener
Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung [1][(AWI)] die
vergangenen 30 Jahre tätig war. 1998, nach ersten Jahren am AWI, war er an
die Universität von Alaska in Fairbanks gegangen, wo er seit 2015 das
[2][International Arctic Research Center] leitete.
Eicken, Polar- und Gletscherforscher, hat dort nicht im Elfenbeiturm
gesessen. Denn so offenbar die klimawandelbedingte [3][Eisschmelze] ist, so
nötig die Kommunikation mit den Bewohnern. Ihnen [4][schmilzt der Boden]
unter den Füßen weg. „Also haben wir viel mit örtlichen Gemeinden und den
indigenen [5][Alaska Native Tribes] zusammengearbeitet, um
Vorhersagemodelle und Klimaanpassungshilfen zu verbessern. Das betrifft
besonders Gemeinden, wo man überlegt: Wie können wir Infrastruktur schützen
oder an Stellen bewegen, die nicht so anfällig sind?“
Es sei wichtig, von Anfang an mit den Leuten vor Ort zusammenzuarbeiten.
„Wissenschaftskommunikation war Hauptfokus unserer Arbeit“, sagt Eicken.
„Es gab allein 40 indigene Gemeinden abseits des Straßennetzes, die in die
höchste Gefahrenklasse eingestuft wurden.“ Die Betroffenen nähmen es mit
Gelassenheit. „Ich hatte den Eindruck, dass Iñupiat, Yupik und die anderen
Tribes, die schon über Jahrtausende mit Extremereignissen umgehen, eine
große Stärke haben“, sagt Eicken.
Ob die westlichen Gesellschaften ähnlich pragmatisch reagieren würden,
steht dahin. Dabei ist der Meeresspiegelanstieg in Norddeutschland ähnlich
auffällig wie die Eisschmelze in der Arktis. Irgendwann wird man die
[6][Deiche nicht weiter erhöhen] können, weil sie zu schwer würden. Man
wird Regionen, vielleicht Teile Hamburgs aufgeben müssen.
Wie würde Eicken so etwas kommunizieren? „Ich bin pragmatischer Optimist.
Es ist wichtig, frühzeitig Leute quer durch die Gesellschaft an der
Entwicklung von Szenarien zu beteiligen. Sie an Runden Tischen zu fragen:
Welches sind plausible Pfade in mögliche Zukünfte?“
## Im Inneren Alaskas gelebt
Für all dies bedürfe es der Kooperation verschiedener
Forschungsdisziplinen, was Eicken „ganzheitliche Polarforschung“ nennt. „In
Alaska haben wir zum Beispiel gemeinsam mit Ökonomen berechnet, welche
wirtschaftlichen Folgen es auf lokaler und regionaler Ebene hätte, nichts
gegen den Klimawandel zu tun.“
Aber wenig geschieht. Entflieht Eicken mit seinem Wechsel auch der
Trump'schen Wissenschaftsskepsis? „Nein. Die Trump-Regierung hat erkannt,
dass Polar- und Meeresforschung wichtig sind. So steht es auf der
Prioritätenliste des Weißen Hauses“, sagt Eicken.
Die polare Landschaft vermisse er aber schon. „Wir haben im Inneren von
Alaska gewohnt, im borealen Wald, wo ich unser eigenes Holz für den Ofen
schlagen konnte. Im Winter ist es enorm ruhig, das Licht unglaublich.
Andererseits: Ich stehe hier in meinem neuen Büro, gucke auf die
Wesermündung, sehe Schiffsverkehr, den Deich – und genieße das Maritime.“
Es ist ja auch seine Heimat. Hajo Eicken ist in Bremerhaven geboren.
21 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Petra Schellen
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