# taz.de -- Gedenktag an den Völkermord in Ruanda: „Man kann ein Volk nicht zweimal töten“
       
       > Nie wieder, sagt Ruandas Präsident zum Völkermord an den Tutsi 32 Jahre
       > danach. Heute ist sein Land in den Kongo-Krieg verwickelt, doch er weist
       > Kritik und Sanktionen zurück.
       
 (IMG) Bild: Ruandas Präsident Paul Kagame bei seiner Rede zum Völkermordgedenken in der Hauptstadt Kigali, 7. April
       
       Paul Kagame wirkt tief in Gedanken versunken, als er in der zentralen
       ruandischen Gedenkstätte an den [1][Völkermord an den Tutsi] 1994 ans
       Rednerpult tritt. Soeben hat Ruandas Präsident die Flamme der Erinnerung
       angezündet, die nun hundert Tage lang brennen soll.
       
       Es ist der Beginn der jährlichen Gedenkzeit an die Ermordung von über einer
       Million Menschen in Ruanda zwischen April und Juli 1994, als ein radikales
       Hutu-Regime alle Tutsi auslöschen wollte, bis es von Tutsi-Rebellen unter
       Führung Kagames gestürzt wurde. „Die Ideologie des Völkermords breitet sich
       in unserer Region weiterhin aus“, warnt Kagame in seiner Rede. „Wenn ihr
       dem nicht Einhalt gebietet, hat sie die Macht, uns alle wieder in die
       Vergangenheit zurückzuwerfen.“
       
       Ruanda hat derzeit nicht viele Freunde. Vor wenigen Tagen erst sind
       US-Sanktionen gegen die gesamte ruandische Armee in Kraft getreten, ein
       selten unfreundlicher Akt. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump
       wirft Ruanda vor, die territoriale Integrität der benachbarten
       Demokratischen Republik Kongo zu verletzten, wo Ruanda die Rebellen der
       [2][M23 (Bewegung des 23. März)] unterstützt. Sie werden von Tutsi geführt
       und beherrschen große Teile Ostkongos, einschließlich der Millionenstädte
       Bukavu und Goma.
       
       Der Krieg in der DR Kongo ist in Teilen eine langfristige Folge des
       Völkermords in Ruanda. Aus der für den Völkermord verantwortlichen
       Hutu-Armee Ruandas ging im kongolesischen Exil die bewaffnete Organisation
       [3][FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas)] hervor mit dem
       langfristigen Ziel, ihr Heimatland zurückzuerobern. Die FDLR-Kämpfer tragen
       heute kongolesische Uniformen, werden von Kongos Armeeführung mit Waffen
       ausgestattet und gelten im Kampf gegen die M23 als Speerspitze.
       
       ## Pufferzone gegen die Völkermörder
       
       Kongos Staat ist von einer völkermörderischen Anti-Tutsi-Rhetorik nicht
       weit entfernt. Erst im Dezember hatte Kongos damaliger Armeesprecher,
       General Sylvain Ekenge, [4][im Staatsfernsehen gewarnt]: „Wenn Sie eine
       Tutsi zur Frau nehmen, müssen Sie aufpassen!“ Das M23-Gebiet im Osten der
       DR Kongo fungiert aus ruandischer Sicht als Puffer, der einen direkten
       FDLR-Angriff auf Ruanda unmöglich macht.
       
       Ende 2025 [5][vereinbarten Kongos und Ruandas Präsidenten unter
       US-Vermittlung] zwar, dass Ruanda seine „Verteidigungsmaßnahmen“ beendet,
       also seine Truppen aus Kongo abzieht und die Hilfe an die M23-Rebellen
       einstellt. Im Gegenzug verpflichtet sich Kongos Regierung, die FDLR zu
       „neutralisieren“. Doch die Umsetzung stockt. Die Kämpfe [6][eskalierten] in
       diesem Jahr erneut. Als Konsequenz verhängte die US-Regierung im März
       [7][Sanktionen] – allerdings nur gegen Ruanda.
       
       Kagame verurteilt dies in seiner Rede ausdrücklich: Die
       Verteidigungsmaßnahmen „zielen darauf ab, Angriffe über unsere Grenzen
       hinweg künftig zu verhindern“, erklärt er: „Dieses Problem darf nicht
       allein Ruanda überlassen werden.“
       
       Der Präsident stellt klar: Ruandas Armee, genannt [8][RDF (Rwanda Defence
       Force)], die jetzt unter US-Sanktionen steht und damit vom internationalen
       Zahlungsverkehr abgeschnitten wird, steht in der Tradition jener, die 1994
       dem Völkermord ein Ende setzen. „Mut und Charakter der RDF wurden in jenen
       dramatischen Augenblicken geschmiedet“, sagt er. „Keine Sanktion oder
       Beschimpfung von außen kann jemals die Ehre und Integrität der RDF
       beschmutzen.“
       
       Im Jahr 1994 seien der Welt Tutsi-Menschenleben in Ruanda egal gewesen –
       das, verspricht Kagame, werde sich nicht wiederholen. „Man kann ein Volk
       nicht zweimal töten“, ruft er. „Bevor du Ruanda tötest, wird Ruanda dich
       töten.“
       
       ## Deeskalation ist unwahrscheinlich
       
       Aus Kagames Sicht hat er seine Pflicht in der DR Kongo erfüllt. Ende März
       zogen sich Tausende ruandische Soldaten aus Kongos Bergen über die Grenze
       zurück, die M23 gab einige Landstriche auf. Im selben Zug verkündete Kongos
       Armee den Beginn einer Operation, um „alle ausländischen bewaffneten
       Gruppen zu neutralisieren“, [9][so Kongos Vizegeneralstabschef Jacques
       Ychaligonza]. Der FDLR solle ein Ultimatum gesetzt werden, sich freiwillig
       zu ergeben.
       
       Dass die FDLR ihre Waffen strecken wird, ist unwahrscheinlich. Aus
       FDLR-nahen Quellen heißt es, die obersten Anführer, darunter
       FDLR-Militärchef General Pacifique Ntawunguka, bekannt unter seinem
       Kriegsnamen Omega, hätten sich ins Nachbarland [10][Burundi] abgesetzt, wo
       sie von der dortigen Hutu-Regierung hofiert werden.
       
       7 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [7] /US-Sanktionen-gegen-Ruandas-Armee/!6159444
 (DIR) [8] https://www.mod.gov.rw/rdf/overview
 (DIR) [9] https://www.youtube.com/shorts/7I1JGbVbc7Y
 (DIR) [10] /Burundi-als-letzter-Verbuendeter/!6072700
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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       warnt er.